Gipfelstürmer Matthias Cernusca. Der oberste Bergretter ist auch Rechtsanwalt und Gemeinderat in Klosterneuburg

© Privat

Klosterneuburg
09/12/2020

Mit 32 oberster Bergretter: „Der Mount Everest reizt mich nicht“

Matthias Cernusca ist Chef der Bergrettung NÖ/Wien. Im KURIER-Interview spricht er über den Bergboom und besondere Herausforderungen

von Patrick Wammerl

KURIER: Im Alter von 29 Jahren wurden Sie Landesleiter der Bergrettung NÖ/Wien und damit Chef von 1.359 Freiwilligen. Sie sind Rechtsanwalt, Gemeinderat in Klosterneuburg und Vater von zwei kleinen Kindern. Wie ist das unter einen Hut zu bringen?

Matthias Cernusca: Man kann so etwas nur machen, wenn es einem richtig Spaß macht. Als ich 2017 wie die Jungfrau zum Kind dazu gekommen bin und gefragt wurde, ob ich mir vorstellen kann, Landesleiter zu werden, war ich auch skeptisch. Aber dann habe ich rasch gesehen, dass es mir taugt. Meine Funktion ist ehrenamtlich. Freiwilliges Engagement ist ein kostbares Gut, das man pflegen und wertschätzen muss.

Wie kommt ein Kind aus dem Wiener Umland überhaupt zur Bergrettung?

Ich war schon als junger Bub mit meinen Eltern viel in den Bergen. Mit zehn Jahren habe ich zum ersten Mal eine echte Gletschertour gemacht – aufs Zuckerhütl in den Stubaier Alpen. Wenn man auf einem Gipfel steht und bis zum Horizont nur Berge sieht – und das ist an vielen Stellen in Österreich so – ist das schon ein erhebendes Gefühl, jedes einzelne Mal. Später ist zum Bergsteigen dann auch Klettern und Skitourengehen dazugekommen. Mit 19 bin ich der Bergrettung beigetreten.

Das heißt, Sie sind nicht nur ein Bürohengst, sondern beherrschen auch die Seiltechnik und können Verschüttete retten?

Das sollte jeder Bergretter beherrschen. Ich habe eine Fortbildungsverpflichtung für alle Mitglieder in unserem System verankert, die ich natürlich auch erfülle. Bei längeren Sucheinsätzen bin ich selbst dabei.

Durch den Corona-Lockdown und geschlossene Grenzen zieht es heuer auffallend viele Menschen in die Berge. Spürt das auch die Bergrettung bei den Einsätzen?

Ja, das haben wir schon im März vorausgesagt und es ist auch so eingetreten. An sich ist es ja etwas Schönes, wenn man seine Heimatumgebung und die Berge wieder zu schätzen lernt und sportlich aktiv unterwegs ist. Mit der steigenden Popularität unserer heimischen Berge steigen allerdings auch die Unfälle und die Einsatzzahlen der Bergrettung.

Sind die Menschen waghalsiger geworden?

Früher war oft die mangelnde Ausrüstung ein Problem. Heute sehen wir ein Phänomen, dass viele eine teure Ausrüstung haben, aber nicht die erforderliche Kondition und das technische Können für die Tour mitbringen. Es ist ein Irrglaube, den manche haben, dass man sich mit teurer Ausrüstung ein sicheres Bergerlebnis quasi erkaufen kann.

Was muss man beachten?

Wenn es schon bei der Tourenplanung hapert, nützt die beste Ausrüstung nichts und man kommt schnell in brenzlige Situationen. Wer verantwortungsbewusst in den Bergen unterwegs sein will, sollte sich immer vorab informieren, wie lang die Route ist, wie die Wege beschaffen sind und wie es um die aktuellen Bedingungen steht. Dazu muss man auch Karten lesen können. Nicht jeder Weg ist eine breite Forststraße. Es kann sich auch um einen schwierigen Steig handeln, wo man schwindelfrei und trittsicher sein muss. Mein persönliches Ziel ist es, möglichst viel Präventionsarbeit zu leisten, damit weniger Unfälle passieren.

Was war der höchste Berg, den Sie je selbst erklommen haben? Könnten Sie sich vorstellen, einmal auf einen Gipfel wie den Mount Everest zu steigen?

Ich war auf einem Viertausender in der Schweiz. In die ,Weltberge‘ zieht es mich nicht, auch der Mount Everest reizt mich überhaupt nicht. Schon alleine deswegen, weil dort alles so kommerzialisiert abläuft. Unsere Berge in den Alpen bieten so viele Möglichkeiten, auch unberührte einsame Gegenden, da werden mir die Ziele niemals ausgehen.

Was machen Sie abseits des Engagements bei der Bergrettung in ihrer Freizeit?

Am liebsten Zeit mit meiner Familie draußen in der Natur bei einer Wanderung verbringen.

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