Nach Polit-Chaos in NÖ-Gemeinde: Jetzt ist klar, wann neu gewählt wird
Die Gemeinderatssitzung Montagabend platzte.
In Neunkirchen werden die politischen Karten neu gemischt. Ein Jahr nach den Gemeinderatswahlen 2025 müssen die Wahlberechtigten in der Bezirkshauptstadt schon wieder zum Urnengang.
Am Dienstag wurde in St. Pölten entschieden, wann es soweit sein wird. Die Entscheidung fiel auf den 31. Mai. An diesem Tag fallen die Würfel, ob die ÖVP weiterhin den Bürgermeister in Neunkirchen stellen wird.
Der amtierende Stadtchef, Peter Teix (ÖVP), wird es jedenfalls nicht leicht haben. Denn bei seinem Koalitionspartner ist kein Stein auf dem anderen geblieben.
Rauswurf aus der FPÖ
Zehn Monate, nachdem die FPÖ in Neunkirchen bei der Gemeinderatswahl ihre Stimmen verdreifachte und mit 23,16 Prozent das historisch beste Wahlergebnis in der Geschichte einfuhr, kam es im vergangenen Herbst zum Beben.
Der damalige FPÖ-Vizebürgermeister Marcus Berlosnig und sechs seiner Fraktionskollegen wurden von der Freiheitlichen Partei ausgeschlossen, nachdem sie eine Weisung "von oben“ – gemeint ist damit die FPÖ-Landespartei in St. Pölten – nicht befolgt hatten. Sie hätten das Sparpaket zur Budgetkonsolidierung boykottieren sollen, was sie nicht taten. Berlosnig machte mit seiner Liste "Wir für Neunkirchen" als Koalitionspartner der ÖVP weiter. Danach brachen alle Dämme.
ÖVP-Bürgermeisterin Klaudia Osztovics trat überraschend zurück und die Turbulenzen wurden schlimmer. Der neue ÖVP-Bürgermeisterkandidat, Wirtschaftsbundobmann Wolfgang Kessler, war nur wenige Tage in der Ziehung, bevor er entschied, doch nicht kandidieren zu wollen.
Landesnarrenwecken in Neunkirchen. ÖVP-Bürgermeister Peter Teix (l.)
Stattdessen wurde Teix zum neuen ÖVP-Bürgermeister gewählt. Allerdings auch erst in einer zweiten Sondersitzung. Denn SPÖ und Grüne war es zu bunt geworden. Sie hatten die Bürgermeisterwahl boykottiert, ihre Mandate niedergelegt und damit die Neuwahlen vom Zaun gebrochen.
Zerrissene FPÖ
SPÖ-Chef Günther Kautz wittert nun seine Chance, von dem Politdesaster zu profitieren. Die FPÖ tritt nach dem Rauswurf von Berlosnig und seinem Team als zerrissene Gruppe an. Auf der einen Seite steht der Vizebürgermeister mit seiner Liste "Wir für Neunkirchen“, auf der anderen Seite die FPÖ mit den beiden übrig gebliebenen Gemeinderäten Wilhelm Haberbichler und Bernd Trenk.
Johannes Benda (Grüne), Günther Kautz (SPÖ) und Wilhelm Haberbichler (FPÖ) (v.l.)
Tritt Fiedler an?
Bei den Freiheitlichen könnte sich nun die nächste Überraschung anbahnen. Es verdichten sich die Gerüchte, wonach FPÖ-Landesgeschäftsführer Helmut Fiedler bei der Neuwahl in Neunkirchen ein politisches Comeback feiern könnte. Er war schon 2020 einmal Spitzenkandidat und einer der Hauptverantwortlichen für den Rauswurf Berlosnigs.
"Diese Wahl ist eine Befreiungschance für Neunkirchen. Am 31. Mai 2026 sprechen nun endlich die Bürger. Es geht um Aufbruch statt Stillstand, ehrlichen Neuanfang statt Weiterwurschteln“, kommentiert Fiedler den fixierten Wahltermin. Wer Politik im Auftrag der Neunkirchner mache, müsse mit "gutem Vorbild vorangehen: mit Anstand, Handschlagqualität und Transparenz, damit Neunkirchen endlich wieder vorankommt", so der Freiheitliche.
Den Wahltermin kommentiert er zwar, auf die Personaldebatte lässt sich Fiedler noch nicht ein: "Die FPÖ wird zum geeigneten Zeitpunkt ihr Programm, ihre Mannschaft und ihren Spitzenkandidaten präsentieren“.
Ungewissheit im Team Berlosnig
Was Ex-FPÖ-Mann Berlosnig anbelangt, so will er "bis zur Wahl am 31. Mai 2026 und auch darüber hinaus, mit vollem Einsatz als Vizebürgermeister zur Verfügung stehen". Zusammen mit seinem Team will er sich als parteifreie und unabhängige Bürgerliste den kommenden Neuwahlen stellen.
Weitere Details – insbesondere der Name der Liste sowie die handelnden Personen – will Berlosnig zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. "Vorerst liegt der Fokus darauf, uns intern zu sammeln, die Situation ruhig zu analysieren und sorgfältig zu überlegen, wie wir der Stadt Neunkirchen auch künftig bestmöglich dienen können.“
Bei der Gemeinderatswahl im Jänner 2025 landete die ÖVP (13 Mandate, 35,21 Prozent) nur haarscharf vor der SPÖ (12 Mandate, 32,48 %). Die Freiheitlichen kamen damals auf 9 Mandate und 23,16 Prozent, die Grünen auf drei Mandate (9,16 Prozent).
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