Gföhls Bürgermeister Karl Simlinger zog die Reißleine.

© Gilbert Weisbier

12/06/2013

Nach Juden-Sager: Gföhler Bürgermeister tritt ab

Er habe niemanden verletzten wollen und zieht die Konsequenzen aus seinen Aussagen.

Der Gföhler Bürgermeister, der wegen eines Juden-Sagers während einer Diskussion unter Stadträten für Schlagzeilen gesorgt hatte, hat nun selbst einen Schlussstrich gezogen. Heute, Freitag, kündigte er seinen Rücktritt als Bürgermeister an. Es liege ihm fern, Menschen zu verletzen. "Sollte dies dennoch eingetreten sein, dann entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit dafür", sagte er in einer Aussendung.

Im Zuge einer Sitzung am 3. Dezember soll es zu der Entgleisung gekommen sein. Zwei Stadträte der SPÖ zitieren Ortschef Karl Simlinger (ÖVP) mit folgender Aussage: „Mir gehen die Scheiß-Asylanten sowieso am Oarsch, aber Schuld sind die Pressefritzen, die gehören aufgehängt, de san wia de Juden.“ Die Formulierung sei – wie berichtet – am Dienstag im Rahmen einer Diskussion über eine im Gemeindegebiet geplante Unterkunft für Asylwerber gefallen. Simlinger dementierte. Tags darauf wurde er vom Mauthausen-Komitee wegen Verhetzung angezeigt.

Bedauern

"Die Entscheidung rund um die Betreibung eines Asylheimes in Meisling hat die Bürgerinnen und Bürger, den Gemeinderat und auch mich persönlich in der letzten Zeit sehr gefordert. Im Stadtrat-Jour-Fixe vom 3. Dezember sollte die weitere Vorgangsweise besprochen werden. Wenngleich ich mit Sicherheit ausschließen kann, dass in der nicht öffentlichen Besprechung die Wörter 'Scheiß Asylanten' und 'aufhängen' gefallen sind, so habe ich mich in der Hitze der Diskussion doch zu einer Aussage verleiten lassen, die meinem Weltbild und meiner persönlichen Einstellung eklatant widerspricht", heißt es in der Aussendung.

Durch die Ereignisse der letzten Tage und um weitere Belastung von seiner Familie und seinem persönlichen Umfeld abzuwenden, trete er "schon heute mit der Nachricht in die Öffentlichkeit, mein Amt als Bürgermeister von Gföhl mit 31. Dezember niederzulegen". Sein persönliches Bestreben war es, zeitgleich mit seinem beruflichen Ruhestand auch sein Bürgermeisteramt zu übergeben. "Dies wollte ich kurz vor dem Jahreswechsel bekannt geben."

Reaktionen

Stadtrat Günter Steindl, SPÖ-Fraktionschef, meint: „Dass Simlinger ohnehin gehen wollte ist absolut unglaubwürdig. Wir werden auf jeden Fall keiner Sitzung beiwohnen, die er leitet. Für die Zukunft sehe ich hervorragende Möglichkeiten, weil ich mit allen anderen Mandataren einen guten Kontakt habe. Aber wir werden alle hart arbeiten müssen, den Imageschaden für Gföhl zu reduzieren.“

FPÖ-Stadtrat Siegfried König sagt: „Ich bedaure das sehr. Ich konnte mit Simlinger immer sehr gut zusammen arbeiten, wir haben viel weiter gebracht. Warum er erst mit Jahresende geht, verstehe ich auch nicht. Aber es geht wahrscheinlich ums Budget, in das er voll eingearbeitet ist.“

Johannes Pernerstorfer, Fraktionschef der Gföhler Bürgerliste WFG sagt: „Der Rücktritt mit Jahresende kommt eigentlich zu spät. Ich kann mir nicht vorstellen, am Dienstag einer Gemeinderatssitzung beizuwohnen, die er leitet. Wer so etwas sagt, denkt auch so. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die ganze ÖVP dazu steht, dass Simlinger noch bis Weihnachten bleibt.“

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