© Roland Pittner

Chronik Niederösterreich
04/12/2021

Nach dem Überschuss fehlt jetzt das Holz

Waldbesitzer können nichts liefern, nachdem der Borkenkäfer in den letzten Jahren die Wälder ausgedünnt hat.

von Marlene Penz

 „Im Moment kann man noch gar nicht sagen, wie es wird“, antwortet Franz Fischer, Obmann des NÖ Waldverbandes, auf die Frage, ob ein starkes Borkenkäferjahr bevorsteht. Wenn es im Frühjahr sehr trocken ist, dann fehlt den Bäumen der Lebenssaft, dann sind sie leichtes Futter für Schädlinge, wie den Borkenkäfer.

„Wir haben Glück, es gab einen richtigen Winter mit Schnee und Minusgraden“, sagt er, der Boden im Wald ist „wie ein Schwamm“, er hat alles aufgesaugt und ist noch feucht. „Obwohl es in den letzten Wochen kaum Niederschlag gab und auch in den kommenden nicht danach ausschaut“, so der Experte. Doch gerade in der jetzigen Phase wäre der Regen am wichtigsten. „Die kleinen und die großen Bäume brauchen jetzt im Frühling Wasser. Sie starten in eine neue Vegetationsphase“, erklärt Fischer.

Preis steigt

Während man im Vorjahr durch den vergleichsweise hohen Niederschlag vom Käferbefall weitgehend verschont geblieben ist, steht die Holzindustrie vor dem nächsten Problem: Der Rohstoff ist Mangelware. „Die Sägebetriebe wollen, dass wir liefern, aber wir haben nichts“, bedauert Fischer. Alleine in seiner Heimatgemeinde Raabs/Thaya seien seit 2017 die Hälfte der Waldfläche vom Käfer vernichtet worden. Von 3.700 Hektar sind 2.000 Hektar weg. Und man musste zu einem „unfairen Preis“ an die Sägeindustrie verkaufen. „Die letzten Jahre waren der Horror für jeden Waldbesitzer, die Preispolitik der Sägewerke war schamlos“, ist Fischer verärgert. Momentan seien die Preise für Sägerundholz zwar wieder besser, „aber das nützt uns jetzt wenig“, so der Vertreter der Waldbesitzer.

Für Empörung sorgt zudem die Tatsache, dass verarbeitetes Holz – wie etwa Leimholz, das Zimmereien brauchen – im Preis stark angezogen hat. „Der hat sich im letzten Jahr verdoppelt, obwohl dafür noch Holz verwendet wurde, für das man uns Waldbesitzern nicht mehr bezahlt hat“, erklärt Fischer. Entlang der Wertschöpfungskette habe jeder finanziell profitiert, außer sie. Auch der Export habe floriert. „Das Holz wurde gebraucht, aber der Preis wurde von den Sägewerken gesenkt. Und jetzt haben wir keines mehr“, so Fischer.

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