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Chronik Niederösterreich
10/02/2021

Mut zur (Park-)lücke im südlichen Wiener Umland

Wie viele Parkplätze pro gebauter Wohneinheit vorgeschrieben werden, sorgt für Diskussionen

von Stefan Jedlicka

Wohnraum im südlichen Wiener Umland ist rar und teuer. Mit zunehmender Motorisierung wird aber auch die Parkplatzsituation prekärer. In Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling) etwa beschäftigt derzeit ein Wohnprojekt die Ortspolitik, das in der Ketzergasse, direkt an der Grenze zu Wien, als „Studentenwohnheim“ tituliert ist. Weil die 25 Einheiten deshalb nicht als einzelne Wohnungen gezählt wurden, will der Bauherr nur vier Parkplätze auf eigenem Grund schaffen. Für 25 Wohnungen wären laut Bebauungsplan der Gemeinde allerdings 31 Stellplätze vorgeschrieben.

Gegen das Projekt läuft ein Einspruch. Im Gemeinderat wurde nun eine Bausperre zur „Regelung der Stellplätze für andere Einrichtungen als Wohnhäuser“ beschlossen. „Um unseren Parkraum zu schützen, aber andererseits Bauvorhaben auch nicht zu viele Hürden in den Weg zu legen“, sagt Bürgermeisterin Andrea Kö (ÖVP). Bauherr Michael Pichlmair nennt sein Konzept „Flexi Studios“. Die meisten Studenten im „alternativen Wohnprojekt“ würden öffentlich und mit dem Fahrrad fahren, ist er überzeugt. „Für gelegentlichen Bedarf ist ein Shared-Car vorgesehen, das jeder Bewohner zur freien Verfügung hat. Die vier Parkplätze werden als E-Ladestationen ausgeführt“, betont er.

Parkplätze nach Größe des Bauprojektes

SP-Gemeinderat Anton Plessl hofft auf klare Vorschriften auch in Hinblick auf ein weiteres Projekt im Ort: ein Seniorenwohnheim mit 12 Einheiten. „Hat jedes Zimmer dort nur ein Bett, dann sind nach der geplanten Verordnung sechs Stellplätze notwendig, hat jedes Zimmer zwei Betten, sind 12 Stellplätze notwendig“, so Plessl. Sollte das Bauvorhaben nicht als Seniorenheim genehmigt werden, sondern als 12 Wohnungen, wären 16 Parkplätze zu errichten.

In der Bezirkshauptstadt Mödling ist die Zahl der vorgeschriebenen Parkplätze an die Größe des Bauprojektes gekoppelt, wie Bürgermeister Hans Stefan Hintner (ÖVP) erklärt. Von 0,75 bis 2 pro Wohnung. Bezug nehmend auf das Perchtoldsdorfer Studentenheim meint er: „Kleinstwohnungen dürfen kein Schlupfloch sein, auf Pflichtabstellplätze zu verzichten.“

Leere Garagenplätze

In Mödling sei man in vergangenen Jahren mit einem anderen Parkplatz-Problem konfrontiert gewesen. „Manche Bauherren haben Stellplätze in Tiefgaragen geschaffen, aber ohne Verpflichtung, diese auch in Anspruch zu nehmen.“ Dies habe zu einem geschätzten Leerstand von rund 200 Tiefgaragenplätzen geführt, die nicht genutzt werden. Derzeit sei jedoch in zentrumsnahen Tiefgaragen ein starker Zulauf zu verzeichnen. „Mittlerweile werden Wohnungen oft schon in Verbindung mit einem Abstellplatz verkauft, was ich sehr begrüße“, so Hintner, der betont: „Es gibt kein Anrecht auf einen öffentlichen Stellplatz für ein privates Fahrzeug.“

Bus, Bahn und Rad statt Auto 

Wie viele Stellplätze Bauherren pro errichteter Wohneinheit für die künftigen Mieter oder Eigentümer schaffen müssen, können Gemeinden selbst festlegen. Mitunter spielt dabei auch die Nähe des Bauprojektes zu Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel eine Rolle, wie Andreas Hacker vom Stadt-Umland-Management Wien/Niederösterreich erklärt. Die österreichweit erhobenen „ÖV Güteklassen“ geben Aufschluss über  die Erreichbarkeit einer Region mit öffentlichem Verkehr. „Je höher die Güteklasse, desto weniger Parkplätze brauche ich pro Wohnung. Daran können sich Gemeinden orientieren“, so Hacker.

In Baden beispielsweise wurde für eine in der Nähe des Krankenhauses entstehende,  große Wohnhaus-Anlage die im sonstigen Stadtgebiet geltende Vorschrift, einen Parkplatz pro Wohnung zu errichten, abgeändert. „Dort wird es gar keine Stellplätze an der Oberfläche geben, weil der Bereich begrünt wird. Die Autos verschwinden in einer Tiefgarage“, sagt Bürgermeister Stefan Szirucsek (ÖVP). In der Garage sind „mindestens 0,8 Plätze pro Wohnung“ vorgeschrieben. Denn einer der Wohnblöcke ist ausschließlich für Mieter ohne  Auto reserviert. Dafür soll es mehr Fahrrad-Abstellplätze und Car-Sharing-Plätze geben, so Szirucsek: „Und die Genossenschaft kann selbst entscheiden, ob sie für die übrigen Wohneinheiten mehr Tiefgaragenplätze baut.“ 

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