© Wammerl Patrick

Chronik Niederösterreich
07/20/2020

Mordprozess: Der tiefe Fall des Top-Bankers

Peter I. jonglierte mit Millionen. Im Vorjahr soll er eine 86-jährige Kundin ermordet haben. Am Dienstag beginnt der Prozess.

von Patrick Wammerl

Es wird der wohl bisher schwerste Gang im Leben des einst angesehenen Bankers. Im feinen Zwirn, dafür aber in Handschellen wird am Dienstag der 62-jährige Jurist und Bankmanager Peter I. vor den Geschworenen am Wiener Neustädter Landesgericht Platz nehmen. Aus Angst um seinen guten Ruf als honoriger Vermögensberater soll er am 16. September des Vorjahres eine betuchte 86-jährige Kundin aus dem Bezirk Neunkirchen in ihrem Haus ermordet haben. Emma Schwarz, eine höchst aktive Bauunternehmerin, wurde laut Obduktionsbericht mit einem prall gefüllten Sparstrumpf voller Münzen niedergeschlagen und anschließend mit Cellophan-Folie gewaltsam erstickt.

Peter I. hatte die Finanzen der Frau fast 30 Jahre lang verwaltet. Er arbeitete sich in einer Filiale der Erste Group in Wiener Neustadt als Manager und Spezialist für Privatanleger hoch. Nach bestandener Prüfung zum Gerichtssachverständigen entkräftete er 2012 als Gutachter im Auftrag des Handelsgerichts Wien die Vorwürfe gegen Julius Meinl in der Banken-Affäre. 2016 ging es auf der Karriereleiter weiter nach oben und Peter I. wurde Chef des Private Bankings der Raiffeisen International AG.

Nachdem er die betuchte Bauunternehmerin bereits in seinen Anfängen als Banker betreute, vertraute sie ihm über die Jahre einen großen Teil ihres Vermögens an. Laut Anklage ging es dabei um die Veranlagung von mindestens 700.000 Euro. Als es nicht so gut für ihn lief, soll der 62-Jährige seiner Kundin Spekulationsverluste verheimlicht haben. Wie die Raubermittler des nö. Landeskriminalamtes im Zuge der Erhebungen heraus fanden, wollte Emma Schwarz 2019 ihr gesamtes Vermögen abziehen und zu ihrer Hausbank transferieren. Dadurch hatte Peter I. Angst bekommen, dass die Verluste auffliegen würden. Er ist deshalb "unter Druck" geraten, so die Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt. Aus Angst um seinen guten Ruf soll er den Plan gefasst haben, die betuchte Pensionistin zu ermorden und es wie einen Überfall einer ausländischen Bande aussehen zu lassen.

Die Ermittler haben herausgefunden, dass er deshalb bereits im August 2019 ein Kilo ausländische Münzen in einen Burlington-Socken stopfte und zu einem klärenden Gespräch zu der 86-Jährigen mitnahm. Wie auch sein Anwalt, Wolfgang Blaschitz bestätigt, hat er dabei versucht, die Frau zu überreden das Vermögen bei ihm zu belassen. Obwohl er bereits den Tatplan geschmiedet hatte, rückte er davon wieder ab und verließ das Haus, so Blaschitz.

Wagen gemietet

Wie Peter I. in einem umfangreichen Tatsachengeständnis schilderte, kam er am 16. September zurück. Um seine Spuren zu verschleiern, hatte er sich bei einer großen Mietwagenfirma einen Mercedes geliehen. Auch das Handy versteckte er in seinem Wochenendhaus an einem See in Zillingdorf, um ein Einloggen am Tatort zu verhindern. Außerdem wechselte er seine Kleidung und nahm Handschuhe, den Sparstrumpf, Frischhaltefolie, ein Messer und andere Utensilien zum Haus von Emma Schwarz mit, wie er gestand.

Im Zuge eines erbitterten Kampfes wurde das Gesicht des Opfers mit der Folie umwickelt und ihm die Atemwege zugedrückt. Doch Peter I. hatte nicht mit dem couragierten Nachbarn gerechnet. Weil diesem bei einem Spaziergang angstvolle Geräusche während des Todeskampfes der Frau aufgefallen waren, sah er nach dem Rechten. Der mutmaßliche Mörder musste durch ein Fenster in den nahen Wald flüchten.

Kurze Zeit später lief er auf der nahen Südautobahn vor einen Lkw. Er wollte sich das Leben nehmen, wurde aber nur gestreift und schwer verletzt. Der Prozess ist für zwei Tage angesetzt, ein Urteil soll es am 28. Juli geben.

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