Chronik | Niederösterreich
23.03.2014

Ermittler spielen jetzt ihr letztes Ass aus

Spuren von der Leiche kommen zur Analyse der Hautschuppen in die Gerichtsmedizin.

Die Ermittlungen gegen den Tatverdächtigen Thomas B. (29) sind offiziell eingestellt. Wer glaubt, dass der Mord an der niederösterreichischen Studentin Daniela Kammerer damit als ungeklärt zu den Akten wandert, der irrt. Denn die Cold Case-Ermittler haben in dem Kriminalfall ein weiteres Ass im Ärmel – und zwar in Form von Dutzenden DNA-Spuren, die direkt auf der Haut des Mordopfers sichergestellt wurden. Diese Spurenträger werden nun erstmals in der Innsbrucker Gerichtsmedizin nach einer neuen Methode auf Hautschuppen untersucht. "Finden wir dabei Schuppen des bisher Verdächtigen oder einer anderen bekannten Person, ist das der Beweis für einen direkten Kontakt am Tatort", erklärt einer der Ermittler.

Wie berichtet, wurde Kammerer nach einer Studentenfeier in der Nacht zum 23. Juni 2005 in einer Telefonzelle in Innsbruck mit zwei Messerstichen ermordet. An der Innenseite ihres Minirocks fanden die Kriminalisten die DNA und vier Hautschuppen von Thomas B.

Mischspuren, die ihm zugeordnet wurden, waren außerdem auf dem Mountainbike neben der Leiche. Der Staatsanwaltschaft Innsbruck war diese Spurenlage allerdings zu dünn für einen dringenden Tatverdacht. B. durfte wieder nach Australien ausreisen, wo er jetzt lebt und arbeitet.

Diese Woche brachte der Anwalt von Daniela Kammerers Eltern, Alfred Boran, einen Fortsetzungsantrag des Verfahrens gegen Thomas B. bei der Staatsanwaltschaft ein. Boran nennt darin gute Gründe für den Schritt: Kammerer habe die Studentenfeier kurz vor 4.30 Uhr verlassen und ihr Mountainbike zurückgelassen. Sie sei von drei unabhängigen Zeugen ohne Rad zu Fuß gesehen worden. Der Beschuldigte wusste wo das Rad steht. Ein Zeuge sah eine Person mit Fahrrad in einigem Abstand zum Mordopfer. Laut Boran spreche die Höhe der Anzahl von Thomas B.s Hautpartikel auf der Innenseite des Minirocks für einen direkten Transfer der Spuren.

Weiterentwicklung

Unabhängig von dem Fortführungsantrag ermittelt Chefinspektor Kurt Linzer mit seinem Cold Case-Team gegen "unbekannte Täter" weiter. Auch Boran erhofft sich von der neuen Hautschuppenanalyse einen Durchbruch. Konkret geht es dabei um Spuren, die an der Leiche der 19-Jährigen gefunden, auf Klebestreifen sichergestellt und konserviert wurden. Darunter sind Spuren, die direkt neben den Einstichen und auch in intimen Körperregionen gefunden wurden. "Die Forensik entwickelt sich immer weiter. Wir haben jetzt andere Untersuchungsmöglichkeiten als noch vor acht Jahren", sagt ein Kriminalist.