Mit Handicap auf der Erfolgswelle: Geschützte Werkstätte auf Expansionskurs
Die Großküche der Geschützten Werkstätte liefert 200.000 Mahlzeiten im Jahr.
Es war ursprünglich ein Beschäftigungsprojekt, um Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz zu sichern und sie wieder im gesellschaftlichen Leben zu integrieren.
Das war zumindest der Plan, als 1986 in Wiener Neustadt die Geschützte Werkstätte GmbH gegründet wurde. 40 Jahre später legt das Unternehmen, das mit dem Bau von Pkw-Anhängern österreichweit Geschichte geschrieben hat, einen steilen Expansionskurs hin. Ein 18 Millionen Euro teurer Zubau läutet aktuell eine völlig neue Ära ein.
Arbeitslose
150 der insgesamt 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der „Integrative Betriebe GmbH“ haben einen Behinderungsgrad von mehr als 30 Prozent. „Wir haben Mitarbeiter mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten, Lähmungen, Gehörlose oder welche mit Sehbehinderungen“, erklärt Geschäftsführer Harald Wiesberger. Österreichweit gibt es 17.000 Menschen mit Behinderung, die keinen Job finden. Nachfrage nach Arbeitsplätzen gibt es daher genug.
Auch die Grünraumpflege wird angeboten.
Non-Profit
Als einer von acht integrativen Betrieben in Österreich ist man ein Non-Profit-Unternehmen, das vom Ausgleichstaxfonds (ATF) des Sozialministeriums gefördert wird. Auf dem freien Markt muss man sich aber gegen den harten Mitbewerb behaupten. Was dazu geführt hat, dass man nach der Pandemie entschieden hat, sich strategisch neu auszurichten. „Zu diesem Zweck haben wir ein 6.000 Quadratmeter großes Grundstück neben unserem Standort angekauft und einen Neubau geplant“, so Wiesberger.
Das Firmenportfolio umfasst mittlerweile die verschiedensten Geschäftsbereiche. Zu Spitzenzeiten produzierte die Firma über 5.000 Pkw-Anhänger pro Jahr. Dazu kommt die Herstellung von Altglas-Sammelboxen für Kommunen, Buswartehäuschen, Parkbänken, Fahrradständern, Gitterboxen und vieles mehr. In der hauseigenen Schlosserei und Schweißerei werden Sonderanfertigungen hergestellt und Material verzinkt, pulverbeschichtet oder lackiert.
Die Kfz-Meisterwerkstätte samt Reifenservice wird bereits gut angenommen.
Essen für Schulen und Kindergärten
Mit dem Bau des Betriebsrestaurants „Weitblick“ ist ein Küchenbetrieb dazugekommen, der mittlerweile 200.000 Portionen frische Mahlzeiten pro Jahr an diverse Abnehmer liefert. Neben Schulen und Kindergärten werden Firmen mit Menüs versorgt. Das hauseigene Restaurant kann man für Firmenevents, Feiern und Seminare mieten.
Besonders beliebt ist mittlerweile das Rundumpaket, das diverse Firmenkunden bereits in Anspruch nehmen. Sie bekommen nicht nur das Essen für ihre Mitarbeiter geliefert. „Wir übernehmen auch die Grünraumpflege, Reinigungsarbeiten, kümmern uns um die Firmenfahrzeuge, machen das Service und lagern die Reifen ein“, schildert Wiesberger.
Denn in der eigenen Kfz-Meisterwerkstätte werden neben dem Pickerl auch alle Arten von Reparaturen, Unterbodenkonservierung, Steinschlag-Service oder eine komplette Autoaufbereitung außen wie innen angeboten. Ein Lager bietet Platz für das Einlagern von 500 Garnituren Winter- oder Sommerreifen. Als „soziales und integratives Unternehmen“ verfolge man das Ziel, zum einen wirtschaftlich erfolgreich zu sein und weitere Arbeits- und Ausbildungsplätze anbieten zu können und auch neue Geschäftsfelder zu erschließen, sagt Wiesberger.
Geschäftsführer Harald Wiesberger setzt auf Expansion.
9 Millionen Euro Umsatz
Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen mehr als neun Millionen Euro Jahresumsatz, Tendenz steigend. Durch die gewachsene Vielseitigkeit und verschiedenste Abteilungen, angefangen von der einfachsten Handmontage bis hin zur komplexen CNC-Fertigung, will man sich am Markt stärker als „Komplettanbieter“ positionieren, heißt es vonseiten der Geschützten Werkstätte.
Vor wenigen Tagen wurde ein weiterer Meilenstein am Firmengelände in der Breitenauer Siedlung gesetzt: Die beiden Betriebsgebäude wurden mit einer mehr als 30 Meter langen Fußgängerbrücke in luftiger Höhe miteinander verbunden. Wenn im nächsten Jahr der neue Bauabschnitt eröffnet, werden darin Seminarsäle für bis zu 100 Personen vermietet.
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