Ziemlich beste Feinde: Schneeberger verleiht Wittmann Ehrenring

Jahrzehnte waren sie erbitterte politische Gegner. Montagabend war das vergessen. Fünf verdiente Persönlichkeiten von der Stadt ausgezeichnet.
Erika Buchinger, Klaus Schneeberger und Ehrenring-Träger Peter Wittmann

Ihr politisches Duell war von markigen Sprüchen geprägt. Fast zwei Jahrzehnte lang haben sie sich politisch nichts geschenkt, öffentlich bekrittelt und die Arbeit des jeweils anderen bei jeder Möglichkeit durch den Kakao gezogen.

Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) und sein früheres Pendant, Bürgermeister in Ruhe und Ex-Nationalrat Peter Wittmann (SPÖ) gehen als „ziemlich beste Feinde“ in die Geschichte der Stadt ein.

Umso bemerkenswerter, dass SPÖ-Urgestein Peter Wittmann aus den Händen von Schneeberger Montagabend mit dem Ehrenring die höchste Auszeichnung der Stadt verliehen bekam.

Ehrenring für den früheren MilAk-Kommandanten Karl Pronhagl

Ehrenring für den früheren MilAk-Kommandanten Karl Pronhagl

Zwei Ehrenzeichen verliehen

Wittmann war in bester Gesellschaft. Im Rahmen des Festaktes in der ehemaligen Karmeliterkirche erhielten für ihr Wirken auch der ehemalige MilAk-Kommandant, Generalmajor Karl Pronhagl und Fachhochschul-Vater Werner Jungwirth den Ehrenring. Die Geschäftsführerin des Vereins Lichtblick, Uta Weber-Grüner, und Oberst i.R. Gerhard Fleischmann erhielten das Ehrenzeichen der Stadt.

Die Stadtpolitiker mit Uta Weber-Grüner (mi.), die das Ehrenzeichen erhielt

Die Stadtpolitiker mit Uta Weber-Grüner (mi.), die das Ehrenzeichen erhielt

Wittmann brachte Kultur-Highlights

Wittmann war 15 Jahre lang im Wiener Neustädter Gemeinderat, von 1993 bis 1997 als Bürgermeister und lange auch SPÖ-Bezirksparteiobmann, Kultur-Staatssekretär und bis 2019 auch SPÖ-Nationalrat.

Er schaffte es, die Stadt mit Konzerten wie jenem von Pink Floyd anlässlich des 800-Jahr-Jubiläums von Wiener Neustadt 1994, dem Auftritt der irischen Ikonen U2 am Flugfeld (73.000 Besucher) oder dem Falco-Symphonic am Domplatz international bekannt zu machen.

Ein Holzsteg als Aufreger

Gefeiert und zugleich geächtet wurde der „kantige Scharfmacher“, wie ihn Freunde beschreiben, für seine Idee des „Sidewalks“. Wittmann ließ den japanischen Installationskünstler Tadashi Kawamata 1996 einen monströsen Holzsteg als Kunstobjekt rund um den Wiener Neustädter Hauptplatz errichten.

Legendär waren die politischen Duelle mit dem damaligen ÖVP-Chef Schneeberger. Ein Blatt nahm sich dabei keiner vor dem Mund. 

„Der mangelnde Respekt vor der Geschichte der Stadt zeichnet die Politik von Schneeberger aus“, war nur einer der eher höflichen Kommentare Wittmanns. Im Gegenzug war die ÖVP wenig zimperlich, wenn es darum ging, Wittmann anzupatzen. Besonders seine Nordkorea-Reise war für die Volkspartei ein gefundenes Fressen. Auf 16-Bogen-Plakaten war Wittmanns Konterfei mit der nordkoreanischen Fahne zu sehen. „Lieber mit den Kommunisten pack‘ln statt für die Region zu hackl‘n“, warf die Volkspartei ihm damals vor.

Die Plakate nach Peter Wittmanns Nordkorea-Reise 2010

Die Plakate nach Peter Wittmanns Nordkorea-Reise 2010

Friede, Freude, Ehrenring

All diese Konflikte waren Montagabend vergeben und vergessen. 

Die Verleihung von Ehrenringen und Ehrenzeichen ist ein Zeichen der Wertschätzung, Dankbarkeit und des Stolzes. „Denn die fünf zu Ehrenden verkörpern alle auf ihre ganz eigene Weise etwas, das unsere Stadt ausmacht. Sie stehen für Bereiche, die Wiener Neustadt prägen, die unsere Identität ausmachen und die Zukunft sichern“, erklärten Schneeberger und die für die Ehrungen zuständige Stadträtin und Erste Vizebürgermeisterin Erika Buchinger.

Peter Wittmann, Karl Pronhagl, Werner Jungwirth, Uta Weber-Grüner und Gerhard Fleischmann seien Persönlichkeiten, die symbolisch für die Stadt Wiener Neustadt stehen. „Sie stehen dafür, Aufgaben nicht einfach nur zu erledigen, sondern ihr Leben mit Hingabe in den Dienst einer Sache zu stellen. Sie sind leuchtende Beispiele für ein funktionierendes Wiener Neustadt“, so Schneeberger und Buchinger.

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