Chronik | Niederösterreich
26.07.2017

Millionär den Goldschatz geraubt

Mitarbeiter stahlen auf dem Anwesen von Superfund-Chef Christian Baha Gold und Silber um 2,6 Millionen Euro. Sie wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Millionencoup im Schloss Frohsdorf (NÖ) des steinreichen "Superfund"-Gründers Christian Baha geht wohl in die Kriminalgeschichte ein. Am Mittwoch mussten zwei ehemalige Mitarbeiter Bahas für den Diebstahl von mehr als 130 Kilogramm Gold- und Silbermünzen im Wert von 2,6 Millionen Euro am Landesgericht Wiener Neustadt gerade stehen.

"Jedes Schloss hat sein eigenes Märchen, in diesem Fall ein äußerst kurioses", ist der Fall selbst für einen erfahrenen Strafverteidiger wie Elmar Kresbach ein noch nie da gewesener. Der erfolgreiche Hedgefonds-Manager Christian Baha hatte Schloss Frohsdorf bei Wiener Neustadt über eine eigene Aktiengesellschaft gekauft und zu einem Luxus-Domizil umgebaut. Wie er Anlegern bereits in einem KURIER-Interview riet, investiert der Millionär einen Teil seines Vermögen in Gold und Silber als krisensichere Geldanlage. Weil er aber nach Angaben seines Anwaltes Lukas Kollmann den Banken nicht vertraute, kam Baha auf die Idee, einen Gold- und Silberschatz "für schlechte Zeiten" in Verstecken seines Schlosses zu bunkern.

2012 beauftragte er deshalb seinen damaligen Mitarbeiter Patrick L. (34), mit einem Bagger ein Loch im Schlosspark zu graben. Der Tiroler hatte zuvor schon bei dessen Bauprojekten auf der Karibik-Insel Grenada und in der Schweiz für den Millionär gearbeitet.

Jutesäcke

Als das Loch gegraben war, brachte ein Vertrauter Bahas Gold und Silber aus einem Wiener Tresor nach Frohsdorf. "Wir haben die Münzen in Jutesäcken in das Loch geschmissen und zubetoniert", schildert der Angeklagte, Patrick L.. Ein weiterer Teil des Schatzes wurde in einem stillgelegten Kamin einbetoniert.

Zwei Jahre später kamen Patrick L. und sein Kollege, der Schlosser Nikolaus A. (41), auf die Idee, sich einen Teil des Kuchens zu holen – weil sie knapp bei Kassa waren. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gruben und stemmten sie den Münzschatz unbemerkt aus dem Beton. Sie teilten die Beute, beglichen mit dem Erlös Schulden, kauften Autos, Motorräder und spielten ein wenig Robin Hood. "Ich habe meine kranke Nichte finanziell unterstützt und dem Fußballverein im Ort einen Spieler gekauft", schildert Nikolaus A. 340.000 Euro verschenkte er, 210.000 Euro gab er selbst aus.

Weil Patrick L. "kalte Füße" bekam, brachte er später etwa 20 bis 25 Kilo Münzen zurück und vergrub sie wieder in dem Loch im Schlosspark. Als Baha Monate später die Verstecke kontrollieren ließ, fiel der Diebstahl auf. Die Polizei fasste wenig später die beiden Täter. Diese behaupten felsenfest, dass ihre Beute mit knapp zwei Millionen Euro weit geringer ausfiel, als angeklagt war. Baha schloss sich dem Verfahren als Privatbeteiligter mit einer offenen Forderung von 1,7 Millionen Euro an. Wie man erfuhr, vertraut er aber immer noch auf die Versteck-Methode.

Die Angeklagten wurden (nicht rechtskräftig) zu drei beziehungsweise dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Immer wieder werden Prominente zu Opfern

Prominente Zeitgenossen werden immer wieder zu Opfern von Einbrechern. Die Täter werden nur selten gefasst. Im Dezember 2014 waren innerhalb weniger Tage gleich zwei bekannte Schauspieler betroffen – Gerald Pichowetz und Margit "Guggi" Löwinger.

Pichowetz machte den Einbruch in sein Haus in Wien-Floridsdorf selbst bekannt, äußerte sich über die vermutlich ausländische Herkunft der Täter auf Facebook – und erntete einen Shitstorm. "Da wirst noch angepfiffen auch", schüttelt er noch immer den Kopf. "Das kommt von Leuten, die noch nie in so einer Situation waren. Da hast du natürlich eine Beeinträchtigung, wenn du weißt, dass diese Leute in deiner Unterwäsche herumgewühlt haben", erklärt er. Er hatte die zwei Männer noch im Haus erwischt – er kam zu dem Zeitpunkt gerade mit seiner Frau von einer Veranstaltung zurück.

Die Polizei ermittelte intensiv – rausgekommen ist dennoch nichts. Auch die selbst ausgelobte Belohnung über 25.000 Euro für zielführende Hinweise brachte wenig. "Was soll’s", sagt Pichowetz heute. "Fort ist fort. Das Leben geht weiter."

Auch Löwinger hat den ersten Schrecken verdaut. Immerhin wurde sie schon zwei Mal zum Einbruchsopfer. "Jetzt gibt es wirklich nichts mehr zu holen", sagt die Schauspielerin.

Insider

Die Täter hatten damals Insiderwissen. Sie waren ihr in ein Lokal gefolgt. "Dort habe ich immer am Sonntag gegessen", sagt sie. Sie stahlen den Wohnungsschlüssel aus ihrer Tasche und machten sich direkt auf in die Wohnung in Wien-Währing.

"Sie haben viele Erinnerungen an meinen Mann mitgenommen. Weil wir waren ja viel auf Tournee, haben auf unseren Stopps oft etwas mitgenommen oder er hat mir etwas geschenkt", erinnert sie sich. Aufgetaucht ist davon nichts mehr. "Ich hatte ja die Hoffnung, dass ich durch Zufall vielleicht wieder etwas entdecke. Aber leider nein. Das ist so schrecklich – wenn sie dir so etwas wegnehmen."

Schauspielkollege Harald Serafin schilderte im KURIER-Gespräch noch Jahre nach dem Einbruch in seine Wohnung: "Früher haben wir uns hier sehr sicher gefühlt. Seit dem Einbruch hat sich unser Leben verunsichert."

Auch Künstler Hermann Nitsch wurde 2013 in seinem Schloss in Prinzendorf, NÖ, Opfer von Einbrechern. Sie brachen den Tresor auf, stahlen 400.000 Euro in bar und Schmuck um 100.000 Euro. Was für das Ehepaar Nitsch folgte, war ein Gerichtsprozess – durch den Einbruch wurde bekannt, dass nicht alle Bilder offiziell verkauft wurden.