© Kurier/Jeff Mangione

Interview
08/27/2021

Bernhard Kohl: "Meine bisherige Tanzpartnerin war mein Fahrrad"

Der Ex-Radprofi und Unternehmer geht bei der Dancing Stars ins Rennen. Das Tanzparkett ist ihm fremd, Herausforderungen nicht.

von Marlene Penz

KURIER: Man kennt Sie als Rennradprofi, Sie betreiben erfolgreich ein Fahrradfachgeschäft. Warum Dancing Stars? Sind Sie ein begeisterter Tänzer?

Bernhard Kohl: Bis jetzt bin ich kein Tänzer. Vor ungefähr 2,5 Monaten wurde ich angefragt, ob ich bei Dancing Stars mitmachen möchte. Mein erster Gedanke: Nein, ich kann ja nicht tanzen. Aber dann: Eigentlich eine coole Herausforderung. Herausforderungen habe ich gerne und viele habe ich schon bewältigt. Zunächst im Profisport, dann kam mein Fall und mein Doping-Geständnis, später habe ich von null mein Fahrradgeschäft aufgebaut. Um das zu meistern, muss man ehrgeizig, zielstrebig sein, Spaß an der Sache und den Mut haben, etwas Neues zu machen – das sehe ich beim Tanzen auch so. Und ich habe eine gute Lehrerin: Meine Tochter, sie ist zehn Jahre alt und tanzt wirklich gerne. Wir trainieren vorab schon.

Wann geht das offizielle Training los?

Am Montag bekommen wir unseren Profi zugeteilt und dann starten wir. Wir trainieren vier Wochen lang täglich vier bis fünf Stunden. Ich habe mir jetzt aber ein paar Tanzstunden gegönnt aus Respekt vor dem Profi, damit ich zumindest ein bissl was weiß, auch wenn das nicht viel ist. Andere haben zumindest in der Jugend einen Tanzkurs gemacht oder sind in die Disco gegangen – das habe ich durch den Profisport nicht getan.

Denken Sie, man kann für ein Radrennen oder für einen Tanzbewerb zu trainieren vergleichen?

Tanzen ist ein Leistungssport, da wird auch jeden Tag bis zu sieben Stunden trainiert, nur dass dem in der Öffentlichkeit nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Also Hut ab vor dem, was Profitänzerinnen und -tänzer körperlich leisten. Sportlich gesehen habe ich auch bei dem Tanztraining keine Bedenken, das kenne ich, bisher war jedoch mein Fahrrad meine Tanzpartnerin, jetzt wird es ein Profi. Hinzu kommt, dass das Parkett etwas rutschiger und flacher ist, als ich es als Radprofi gewöhnt war. Mein Taktgefühl macht mir aktuell noch etwas Sorgen.

Gehen Sie so ehrgeizig an die Sache heran wie bei einem Radrennen? Welche Platzierung wollen Sie erreichen?

Es ist ein gesunder Ehrgeiz da, ich habe mit meiner Historie gelernt, dass es nach hinten losgeht, wenn man zu viel will. Die Freude an der Sache ist das Wichtigste. Es erwartet ja niemand, dass wir hier tanzen wie die richtigen Profis. Die Frage nach meinem Ziel habe ich mir auch gestellt. Es ist erstens, den eigenen Schweinehund zu besiegen und etwas zu machen, was man bis jetzt nicht kann. Zweitens, eine schöne Entwicklung zu machen und jeden Tag besser zu werden. Aber das größte Ziel ist, dass meine Tochter stolz auf mich ist. Zu hören: „Papa, das hat wirklich gut ausgeschaut, es war cool“. Das kann sie sich bis heute nicht vorstellen, also wenn ich das höre, dann hab ich’s wirklich geschafft.

Freuen Sie sich darauf, das Fahrradtrikot gegen den Anzug zu tauschen?

Wenn es nur ein Anzug wäre, da tragen wir ja Kostüme, die glitzern und Ausschnitt haben – und Stöckelschuhe. Das ist für mich total ungewohnt. Beim Fahrradschuh hat man die Erhebung – den Stöckel sozusagen – vorne, jetzt habe ich beim Lateinschuh hinten einen fünf, sechs Zentimeter hohen Absatz. Aber die Spannung steigt und gleichzeitig auch die Freude auf die Show und dass es jetzt bald losgeht.

Der 39-Jährige aus Wolkersdorf ist ein ehemaliger Radrennprofi, er beendete 2009 seine Sportkarriere nach einer Dopingsperre. Bei der Tour de France 2008 fiel sein Dopingtest  positiv aus. Heute betreibt Bernhard Kohl ein Fahrradfachgeschäft in Wien. Er lebt mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und seinem Hund in Brunn am Gebirge.  Radfahren ist nach wie vor seine Leidenschaft, Rennen fährt er auch privat keine mehr.

Haben Sie einen neuen Wettbewerb gebraucht? Fahren Sie noch Radrennen?

Radrennen fahre ich keine mehr, aber Radfahren ist nach wie vor meine große Leidenschaft. Ich gebe diese in meinem Geschäft an meine Kunden weiter, verfolge den Sport vor dem Fernseher, fahre mit den Kindern Mountainbike und selbst natürlich auch noch. Auch zum Dancing Stars-Training werde ich mit dem Rad fahren. Tänzeln auf den Pedalen kann ich ja – das wird mein Warm-up sein.

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