Tod lauert auf der Straße: „Collision Eye“ als Schutzengel für Pannenhelfer
Das Kollisionswarn-System „Collision Eye“ warnt Arbeiter auf der Straße vor einer herannahenden Gefahr.
Es ist nicht einmal ein Monat her, dass ein Asfinag-Mitarbeiter auf der Südautobahn (A2) bei Völkermarkt in Kärnten im Zuge von Mäharbeiten bei einem tragischen Unfall getötet wurde. Der zweifache Familienvater starb, als ein italienischer Lkw in den Aufprallschutz der abgesicherten Tagesbaustelle raste. Ein zweiter Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Klagenfurt wurde schwer verletzt.
Kollisionsgefahren frühzeitig erkennen
Um genau solche Unglücke zu verhindern, testen der ÖAMTC und die Asfinag seit einigen Monaten ein neues Kollisionswarnsystem „Made in NÖ“. Die Firma Eyyes aus Gedersdorf bei Krems ist Marktführer, wenn es um die Entwicklung kameragestützter Fahrerassistenzsysteme sowie Warnsysteme für Frontalzusammenstöße oder Abbiegevorgänge geht. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) wurde „Collision Eye“ zur Serienreife gebracht. Eine Kamera in Verbindung mit einer KI-gestützten Software schafft es, Kollisionsgefahren frühzeitig zu erkennen.
Wachsames Auge in Form einer Kamera am Heck der Fahrzeuge von ÖAMTC und Asfinag.
Wie „Collision Eye“ funktioniert, wurde am Donnerstag im ÖAMTC-Fahrtechnikzentrum Teesdorf (Bezirk Baden) erstmals vor Medienvertretern präsentiert. Die Testphase läuft seit vergangenen Herbst. Neun Kollisionswarnsysteme sind auf Asfinag-Fahrzeugen im Einsatz, elf bei den Pannenfahrern des ÖAMTC. Die Ergebnisse sind bislang derart positiv und vielversprechend, dass beide Unternehmen je 20 weitere Geräte ankaufen, hieß es bei der Präsentation.
Am Heck der Pannenfahrzeuge bzw. Streckendienst-Lkw ist eine Kamera angebracht, die mittels KI-gestützter Software herannahende Fahrzeuge aus 300 Meter Entfernung erfasst und detektiert. Es erkennt dabei temporär eingerichtete Fahrspuren auf Baustellenabschnitten und Ähnliches, erklärt Hans Pflügl von Eyyes.
Ohrenbetäubendes Warnsignal
Das System errechnet in Echtzeit die „Time to Collision“, also die Zeit bis zu einem möglichen Zusammenstoß. Befindet sich das herannahende Fahrzeug acht Sekunden vor dem errechneten Aufprall immer noch auf Kollisionskurs, wird auf einem mobilen Funksender ein Vibrationsalarm ausgelöst. „Dadurch gewinnen die Mitarbeiter auf der Straße wertvolle Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen“, erklären Pflügl und Harald Feichtinger vom ÖAMTC.
Fünf Sekunden vor der möglichen Kollision ertönt ein ohrenbetäubendes Warnsignal. Der Hupton soll fehlgeleitete Fahrzeuge von der Irrfahrt abbringen.
Hans Pflügl von Eyess aus Gedersdorf erklärt die Funktion des Warnsystems.
„Collision Eye“ im Juni zehnmal ausgelöst
Bei einer Auswertung der Testläufe im Juni wurde allein bei den Asfinag-Fahrzeugen das „Collision Eye“ zehnmal in Gefahrensituationen aktiviert. „Bei unseren Pannenfahrern kommt das System bisher gut an. Es gab schon einige Situationen, in denen es seine Sinnhaftigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte“.
Zusammen mit den IT-Technikern von Eyyes in Gedersdorf wird das System laufend an die Anforderungen angepasst und verbessert. Weltweit hat die Firma bereits 280 solcher Kollisionswarner verkauft, auch der ADAC in Deutschland hat sie im Einsatz. „Wir haben gar nicht damit gerechnet, dass ein derart großer Bedarf besteht“, erklärt Pflügl.
Beim Termin am Donnerstag in Teesdorf war auch ein Vertreter des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes anwesend. Auch für die Feuerwehren ist das Risiko von derartigen Unfällen während der Einsätze insbesondere auf Freilandstraßen ein Thema, schildert Richard Berger. Deshalb interessiere man sich auch für die Technologie.
Harald Feichtinger vom ÖAMTC zeigt die "Collision Eye"-Kamera am Heck.
Unachtsamkeit und Ablenkung gelten als die häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr. Meist ist es das Handy, mit dem hantiert wird. Laut einer Umfrage des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) gab ein Drittel der Befragten zu, Nachrichten auf dem Mobiltelefon während der Fahrt zu lesen oder zu schreiben. 60 Prozent der unter 30-Jährigen gaben zu, während des Fahrens sogar schon einmal ein Video gemacht zu haben.
Neue Sicherheitskampagne
Der Arbeitsplatz Straße ist gefährlich, sagt Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl. Deshalb versuche man alles, um die Mitarbeiter zu schützen, aktuell mit dem neuen Kollisionswarnsystem. Kürzlich habe man gemeinsam mit dem ÖAMTC die Kampagne „Danke, dass du auf meine Mama/meinen Papa aufpasst“ ins Leben gerufen.
Die Botschaft ist eindeutig: Hinter jeder Person, die am Arbeitsplatz Straße tätig ist, steht ein Mensch mit Familie und Freunden, der am Ende des Tages ebenso sicher nach Hause kommen möchte wie alle anderen, so Hufnagl.
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