© APA/AFP/-

Chronik Niederösterreich
06/29/2022

Kriminelle chatten nach wie vor unbehelligt auf Whatsapp

Sicherheitskonferenz der Landeskriminalämter in Puchberg am Schneeberg widmet sich den brisanten Themen der Polizei.

von Patrick Wammerl

Erst im Mai ist in Wien-Neubau eine Home Invasion zum Raubmord geworden. Die 79-jährige Frau wurde bei dem Überfall in ihrer Wohnung so schlimm verletzt, dass sie Tage später starb.

Das spezielle Phänomen, bei dem Verbrecher ihre Opfer zu Hause überraschen, fesseln und mitunter schwer misshandeln, ist nicht neu. Weil sich die Vorfälle österreichweit häufen, sind sie diese Woche eines der Themen bei der Sicherheitskonferenz der führenden Gewalt- und Raubermittler aller Landeskriminalämter (LKA) in Puchberg am Schneeberg (NÖ).

Forensik

Staatsanwälte, führende Ermittler aus dem Bundeskriminalamt, Gerichtsmediziner und DNA-Forensiker referieren über die neuesten Entwicklungen, was bestimmte Ermittlungsmethoden, Fortschritte bei der Spurensicherung oder internationale Fahndungsmaßnahmen anbelangt. „Es werden, was die Kriminalitätsentwicklung betrifft, besondere Phänomene vorgestellt. Wichtig ist, dass das Wissen der Ermittler im Schneeballsystem weitergegeben wird“, erklärt Stefan Pfandler (56), seit wenigen Tagen neuer Leiter des Landeskriminalamtes NÖ.

Der Brigadier nutzte die Konferenz zur Kriminaldienst-Fortbildung für einen Antrittsbesuch. Ausgerichtet werden die Seminare nach der coronabedingten Pause zwei Jahre lang durch die Raubermittler des niederösterreichischen Landeskriminalamtes.

Home Invasion

Besonders das Thema Home Invasion stellt das Team um Chefinspektor Josef Deutsch vor besondere Herausforderungen. „Diese besonders schlimme Form des Raubes hat eine ganz andere Dimension als beispielsweise ein Diebstahl. Die Opfer sind durch Gewalt schwer traumatisiert. Viele können im weiteren Leben nur damit umgehen, wenn die Tat auch geklärt ist“, sagt Pfandler.

Trojaner gefordert

Ein massives Thema bei der Polizei ist gerade im Bereich der Schwerstkriminalität das heiße Eisen der Überwachung verschlüsselter Messenger-Dienste wie Whatsapp, Telegram oder Signal. Wer sich zu einem Raub, Mord oder Terroranschlag über einen dieser Kanäle verabredet, hat derzeit noch gute Chancen, unentdeckt zu bleiben. Rechtlich ist die Überwachung immer noch verboten; in Deutschland ist es zumindest bei Terrorverdacht oder ähnlich schweren Delikten schon erlaubt.

Auch Pfandler spricht sich ganz klar dafür aus. „Natürlich würden wir uns wünschen, mit einem Trojaner die Verschlüsselung umgehen zu können“, sagt der LKA-Chef. Es würde der Polizei weit mehr Möglichkeiten bieten, kriminelle Handlungen zu unterbinden.

Ermittler dürfen auf Anordnung der Justiz bei einem dringenden Tatverdacht zwar Handygespräche mithören, Textnachrichten sind aber nach wie vor tabu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare