© FBI

Interview
06/13/2021

"Banden machen sich über Behörden lustig, während sie auf großem Fuß leben"

In Österreich kam es bei der „Operation Trojanerschild“ zu vielen Festnahmen. Ein leitender Ermittler gibt Einblicke und erzählt, warum sich Balkan-Banden hierzulande nicht mehr sicher fühlen können

von Markus Strohmayer

Mittlerweile ist viel über „Operation Trojanerschild“ bekannt. Es handelt sich um die größte international koordinierte Ermittlung der Geschichte. 800 Verdächtige wurden festgenommen. Österreichische Kriminalisten kooperierten mit dem FBI. Der KURIER sprach mit Daniel Lichtenegger, dem operativen Leiter der Aktion im Bundeskriminalamt (BK).

KURIER: Sie haben Monate geheim gegen gefährliche Banden ermittelt. Waren Sie erleichtert, als die Festnahmen erfolgten und Sie endlich darüber reden konnten?

Daniel Lichtenegger: Das FBI arbeitete rund zwei Jahre an der Operation. Seit 2021 waren wir dabei. Geheimhaltung war das Wichtigste. Jede Behörde hat zwar für sich gearbeitet, FBI und Europol aber alles koordiniert. Ständiger Austausch war unerlässlich. Wir wollten uns in den 16 involvierten Ländern ja nicht gegenseitig reinpfuschen. Dass es so hervorragend funktioniert hat, ist eine Erleichterung. Dazu kam, dass man sich bei der Skrupellosigkeit der Clans auch immer überlegen musste, was man im engsten Kreis überhaupt erzählen kann.

Hat das FBI einfach gefragt, ob man mitmachen will?

Im Grunde ja. Für uns im BK war das keine Frage. Im April starteten wir in Österreich – passend zum Trojanerschild – „Operation Achilles“. Die Bereiche Organisiertes Verbrechen und Drogenkriminalität arbeiteten ab da in einer eigenen Arbeitsgemeinschaft rund um die Uhr. Unterstützt wurden sie von den Landeskriminalämtern, der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) und der Staatsanwaltschaft Wien.

Warum gerade Österreich?

Dem FBI lagen 27 Millionen Handynachrichten vor. Es zeigte sich, dass Drogenclans vom Westbalkan die AN0M-Technologie nutzten. Österreich ist bei diesen Banden beliebt als Umschlagplatz. Sie kommunizierten offen über Pläne hierzulande.

Waren Sie von dieser kriminellen Energie überrascht?

Das BK ist sehr gut informiert, wenn es um Bandenkriminalität am Balkan geht. Aber auch wenn wir viel wissen, müssen wir es beweisen. Plötzlich hatten wir es schwarz auf weiß. Das war schon beeindruckend. Überraschend waren auch die Chat-Inhalte. Wie offen über Gewalt und drakonische Strafen geschrieben wurde, da wird man selbst als Ermittler emotional. Aber auch wenn man liest, wie sich diese Banden über Staat und Behörden lustig machen, während sie auf großem Fuß leben. Mir fehlt da das Verständnis, da greifen wir hart durch.

Haben Sie ein Beispiel?

Ein niedriges Mitglied, das seiner Bande 2.000 Euro schuldete, wurde in einem Keller mit einem Hammer malträtiert. Mitzubekommen, wie der Mann fleht, lässt einen nicht kalt. Vor allem ging es um eine eher kleine Summe.

Gab es Ermittlungshürden?

Zu Beginn die Analyse der Datenmenge. Das war in der Dimension neu. In der „heißen Phase“ musste der Zugriff in den Bundesländern geplant werden. 400 Beamten nahmen koordiniert 81 Personen fest. Die Arbeit beginnt aber erst. Es gibt noch genug auszuwertende Daten.

Konnte man vom FBI lernen?

Ich war gerade beim FBI in San Diego. Die Planung, Umsetzung und Geheimhaltung waren genial. Respekt! Es heißt oft, die Polizei hinkt hinterher. Hier war es umgekehrt. Die Banden haben für Geräte bezahlt, die sie überführt haben. Klar, das FBI hat andere Ressourcen. Letztlich geht es aber darum, was die Polizei darf. Ich verstehe Datenschutzbedenken. Doch uns interessieren keine Gspusis, sondern Verbrecher. Und die haben Handys, die mit Computern mithalten. Ermittlungsmethoden wie vor 20 Jahren reichen da nicht.

Wurde das Organisierte Verbrechen zurückgedrängt?

Das war ein Schlag, den sie spüren. Und es kommt zu weiteren Festnahmen. Nicht nur kleine Dealer, sondern potente Kriminelle, die vor massiver Gewalt nicht zurückschrecken. Wir können jetzt auch vieles zusammenfügen. So gab es in der Vergangenheit größere Drogensicherstellungen, wo die Hintermänner nicht immer ausgeforscht werden konnten. Nun kann man die Beteiligung der Drahtzieher nachweisen. Außerdem wissen die Banden jetzt, dass ihre Krypto-Messenger nicht unantastbar sind. Sie können sich nicht mehr sicher fühlen.

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