Kriminalität in NÖ: Mehr Delikte im Internet, Jugendkriminalität nimmt zu
Landespolizeidirektor Franz Popp (r.) und Stefan Pfandler, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich.
Die kriminalpolizeiliche Anzeigestatistik in Niederösterreich für das Jahr 2025 zeigt einen geringen Anstieg der Gesamtkriminalität, die Aufklärungsquote liegt mit 54,6 Prozentpunkten weiterhin über der 50-Prozent-Marke.
Insgesamt wurden 2025 in Niederösterreich 76.838 Delikte angezeigt (2024: 76.318). Es konnten 50.993 Tatverdächtige ausgeforscht werden (2024: 51.015). Der Anteil fremder Tatverdächtiger ging von 41,8 Prozent (2024) auf 40,8 Prozent zurück.
Die Nationalitäten, gereiht nach der Anzahl der in der Anzeigenstatistik registrierten Tatverdächtigen: Rumänien (3.117), Slowakei (1.720), Ungarn (1.537), Serbien (1.470), Deutschland (1.322), Syrien (1.046), Türkei (1.039), Tschechien (942), Ukraine (904), Polen (705).
Weniger Eigentumsdelikte, weniger Einbrüche
In Niederösterreich ist die Zahl der Eigentumsdelikte gesunken: Mit 21.627 erfassten Fällen lag die Zahl minus 4,9 Prozent unter dem Vorjahr (2024: 22.738 Fälle). Die häufigsten Tatorte waren öffentliche Orte wie Straßen, Parkplätze, Wohnhäuser und Automaten.
Besonders bemerkenswert ist der Rückgang bei Einbruchsdiebstählen in Wohnhausanlagen: Hier liegt das Minus bei 42,4 Prozent, bei den Kellereinbrüchen sind es minus 20,7 Prozent.
Rückläufig sind auch die Einbruchsdiebstähle in den Wohnraum, und zwar um 4,1 Prozent im Vergleich zu 2024. Insgesamt wurden im Jahr 2025 1.261 Fälle (2024: 1.315) registriert, bei 595 Fällen blieb es beim Versuch (2024: 621).
Rückläufig auch Einbruchsdiebstähle in Keller: 2025 gab es 581 Fälle (2024: 731), in 245 Fällen blieb es beim Versuch.
Leichter Anstieg der Gewaltdelikte
Bei der Gewaltkriminalität ist eine Steigerung um 2,3 Prozent zu verzeichnen: Es wurden 11.128 Fälle angezeigt, 2024 gab es 10.878 Anzeigen.
Was sich hier deutlich zeigt, ist, dass Täter und Opfer von Gewaltdelikten einander meist kennen: In 62,7 Prozent der angezeigten Gewaltdelikte bestand ein Bekanntschaftsverhältnis.
- Bei Gewalt in der Privatsphäre wurden 2.806 Anzeigen erstattet, ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2024 mit 2.901 Fällen. Hier hilft die Möglichkeit, Gewalttäter mit einem Annäherungs- und Betretungsverbot zu belegen, sagt Franz Popp. 2.561 dieser Annäherungs- und Betretungsverbote wurden 2025 in NÖ ausgesprochen - um 234 weniger als im Jahr 2024.
- Morde gab es fünf im Jahr 2025, zwei Männer und drei Frauen wurden getötet.
- Die Zahl der Vergewaltigungsanzeigen sank von 166 auf 161 Anzeigen.
- Ein deutliches Minus wurde bei den Raubdelikten festgestellt. 2025 wurden 175 Fälle angezeigt, 2024 waren es noch 259 Fälle. Etwa die Hälfte aller Raubüberfälle ereigneten sich an öffentlichen Plätzen, Straßen, Parkplätzen sowie an Bahn- und Bushaltestellen.
Das Internet als Tatort
Die Internetkriminalität stieg in Niederösterreich im Vergleich zu 2024 (9.808 Fälle) um 12,5 Prozent auf 11.030 Fälle.
Der Bereich Cybercrime im engeren Sinne mit 3.341 Anzeigen stieg um 32,6 Prozent zum Jahr 2024 mit 2.520 Fällen. Auch die Anzeigen wegen Internetbetrugs stiegen im Jahr 2025 um 6,4 Prozent auf 6.121 Anzeigen.
Deutlich rückläufig war die Erpressung im Internet, bei der ein Minus von 18 Prozent verzeichnet wurde: 499 Fälle 2024 stehen 409 Fällen 2025 gegenüber.
Zahl der Wirtschaftsdelikte steigt
- Angestiegen ist die Wirtschaftskriminalität: 17.099 Delikte wurden erfasst, dies entspricht einem Plus von 7,4 Prozent im Vergleich zu 2024.
- Davon entfallen mit 11.144 Anzeigen der Großteil auf Betrugsdelikte - auch hier ist eine Steigerung im Vergleich zu 2024 (10.627 Anzeigen) zu verzeichnen.
- Die Zahl der Sozialleistungsbetrugs-Anzeigen stieg um 62,2 Prozent stark an. 2025 wurden 824 Anzeigen erstattet, während es 2024 noch 508 Fälle waren.
- Auch die echten Wirtschaftsdelikte (Geldwäsche, Kartellverstöße, Subventionsbetrug) stiegen an. Während 2024 noch 215 Anzeigen erstattet wurden, lag die Zahl 2025 bei 268 Fällen.
Anstieg der Kinder- und Jugendkriminalität
Besorgniserregend sind die Zahlen bei den Jüngeren in der Gesellschaft, wie der Zehnjahres-Vergleich zeigt: Es gibt mehr Tatverdächtige unter 21 Jahren in Niederösterreich. 2016 waren es noch 9.130 Tatverdächtige, 2025 bereits 9.959. Zu den Top 5 Delikten zählen in diesem Bereich Körperverletzung, Sachbeschädigung, Betrug, der Einbruchsdiebstahl, Diebstahl und gefährliche Drohung.
- Bei den Unter-10-Jährigen gibt es einen Anstieg von 80 im Jahr 2016 auf 166 Tatverdächtige im Jahr 2025. 2024 waren es noch 127 minderjährige Tatverdächtige gewesen.
- Bei den zehn- bis unter 14-Jährigen nahm die Zahl der Tatverdächtigen erheblich zu – von 606 im Jahr 2016 auf 1.528 im Jahr 2025 (+ 152,1 Prozent). Im Jahr 2024 wurden 1.402 Tatverdächtige registriert.
- In der Altersgruppe der 14- bis unter 18-Jährigen ist ein Rückgang der Anzahl der Tatverdächtigen von 5.328 im Jahr 2024 auf 4.588 im Jahr 2025 zu verzeichnen.
- Innerhalb der Altersgruppe der 18- bis unter 21-Jährigen wurden im Jahr 2025 3.677 Tatverdächtige registriert, um 183 weniger als im Vorjahr (3.860).
Generell sei das Ergebnis der Statistik 2025 "ein klarer Beleg für die engagierte und professionelle Arbeit unserer Polizistinnen und Polizisten. Niederösterreich zählt nicht ohne Grund zu den sichersten Bundesländern Österreichs", sagt Landespolizeidirektor Franz Popp. Und er lobt auch die Medien, die einen wichtigen Beitrag leisten, "indem sie die Arbeit der Polizei sachlich begleiten, informieren und damit Transparenz schaffen."
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