30 Prozent Ausfallquote in Wiener Polizeischule

Der Personalstand bei der Wiener Polizei steigt laut Innenministerium seit 2024 an, die Polizeischulen seien voll. Aber bei Weitem nicht alle schließen die Ausbildung auch ab.
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Die Polizeischulen sind auf voller Kapazität, mit österreichweit 1.415 geplanten Neuaufnahmen im Jahr 2026 werden alle Abgänge kompensiert, so der Tenor aus dem Innenministerium (BMI). 

Relevanter als die Zahl der Neuaufnahmen ist jedoch eher die der Polizistinnen und Polizisten, die dann tatsächlich ihren Dienst auf der Straße antreten. Nicht alle, die die Ausbildung anfangen, schließen diese auch ab.

130 Schüler schlossen nicht ab

Laut BMI schieden im Vorjahr durchschnittlich 30 Prozent der Polizeischüler in Wien aus der Schule aus – entweder freiwillig oder weil sie den Anforderungen nicht gerecht wurden. Von den 415 Männern und Frauen, die vor drei Jahren ihre Ausbildung begonnen haben, traten im Vorjahr 285 Polizistinnen und Polizisten tatsächlich ihren Streifendienst, 130 schieden vorher bereits aus. 

Die Gründe dafür sind vielseitig, wie Bundespolizeidirektor Michael Takacs ausführte: „Viele haben sich den Beruf anders vorgestellt. In der Praxisphase merkt man dann zum ersten Mal, wie anstrengend Nachtdienste sein können. Andere kehren wieder in ihren alten Beruf zurück, weil sie weniger Aufwand haben oder wieder mehr in ihre bisherige Komfortzone zurückwollen.“ 

„Nicht alle können den Anforderungen des Polizeiberufs auch gerecht werden.“ 

von Michael Takacs

Bundespolizeidirektor

Die Privatwirtschaft sei auch ein starker Konkurrent – speziell im Großraum Wien auch im Hinblick auf die Entlohnung, wie zum Beispiel in IT-Berufen. Dabei habe man hier Ende 2022 seitens des BMI angesetzt und Maßnahmen geschaffen, um die Zahl der Neuaufnahmen wieder anzukurbeln.

Mehr Einstiegsgehalt

So wurde etwa das Einstiegsgehalt für Polizeischüler auf 2.400 Euro brutto angehoben. Außerdem fielen im Juni 2023 Tätowierungen als Hürde für eine Aufnahme weg. Auch die sportlichen Anforderungen wurden angepasst bzw. müssen nun teilweise erst in der Ausbildung erbracht werden.

"Auswahlverfahren modifizieren"

Dem Innenministerium zufolge konnten die Aufnahmezahlen dadurch gesteigert werden: Wurden im Jahr 2022 noch 349 Polizeischüler in Wien aufgenommen, waren es im vergangenen Jahr 780. Mit den gestiegenen Aufnahmezahlen, steigt aber natürlich auch die Zahl jener, die die Ausbildung vorzeitig beenden, sagte Takacs. „Es ist nicht so, wenn ein Polizist eine Prüfung nicht schafft, dass man ihm dann gleich nahelegt, freiwillig auszutreten. Es gibt dann eine Fülle an Unterstützungen im Rahmen eines Förderunterrichts. Aber nicht alle können den Anforderungen des Polizeiberufs gerecht werden“, so der Bundespolizeidirektor. 

Für die Gewerkschaft gehen diese Maßnahmen gegen die Drop-out-Quote aber nicht weit genug. „Man könnte sich überlegen, das Auswahlverfahren zu modifizieren, also die Eignung noch mehr herauszufiltern und beim Auswahlverfahren strengere Maßnahmen anzulegen“, sagte etwa Gerhard Zauner von der FCG-Gewerkschaft. So könnte man mehr Personen aufnehmen, die die Ausbildung dann auch tatsächlich positiv abschließen.

„Bei den Klassen vom Juni 2024 beträgt die Drop-out-Quote 46 Prozent.“

von Walter Strallhofer

FSG Gewerkschaft

Die Frage sei, ob man mit strengeren Auswahlkriterien auch genügend Personal finden würde, betont Walter Strallhofer von der FSG-Gewerkschaft. Die 30 Prozent Drop-out-Quote, die das BMI nannte, sei jedenfalls nur bei manchen Klassen zutreffend. „Bei den Klassen, die beispielsweise im Juni 2024 angefangen haben, beträgt die Drop-out-Quote 46 Prozent. Damals sind 175 Polizeischüler aufgenommen worden, heute sind nur mehr 95 dort.“

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