Polizei-Vize Csefan: „Es braucht mehr Plätze in Krisen-WGs“

Dieter Csefan ist neuer Landespolizeivizepräsident in Wien. Der General spricht über Maßnahmen für junge Intensivtäter und reagiert auf Kritik aus den Bezirken.
Eines der Schwerpunktthemen für Csefan bleibt weiterhin der Kampf gegen die Jugendkriminalität in Wien.

Dieter Csefan wechselte vom Bundeskriminalamt als bisheriger Leiter der Abteilung Ermittlungen, Allgemeine und Organisierte Kriminalität nach Wien. Er trat damit die Nachfolge von Michael Lepuschitz als Landespolizeivizepräsident an.

KURIER: Gleich mehrere Bezirksvorsteher bemängelten zuletzt wieder fehlende Polizisten. Was antworten Sie etwa dem Bezirkschef in Favoriten auf diese Kritik?

Csefan: Man muss das größer betrachten, die Zahlen alleine stimmen so nicht, weil wir viele Schwerpunktaktionen in diesen Hotspots machen. Favoriten ist als einer dieser Hotspots definiert. Kräfte der Bereitschaftseinheit sind dort täglich vor Ort, wir haben Leute der EGS (Straßenkriminalität) im Einsatz. Die werden natürlich nicht wahrgenommen, auch nicht vom Herrn Bezirksvorsteher, weil die sind in zivil unterwegs. All diese Kräfte werden zusätzlich zu den eigentlichen Bezirkskräften zugeführt.

Hintergrund dieser Forderungen sind ja die Debatten um den Personalmangel bei der Polizei an sich. Wie gut funktionieren die Recruiting-Maßnahmen?

Allein für die Aufnahme im März haben wir jetzt 919 Bewerbungen. Wir schauen, dass wir die besten 200 nehmen und hoffen, dass die Leute die Ausbildung auch abschließen. Wir haben etliche, die die Ausbildung abbrechen. Hier müssen wir vermehrt ansetzen. Grundsätzlich können wir mit den Neuaufnahmen aber die Abgänge gut kompensieren.

Hauptthema sind unisono Kinder und Jugendliche, die vor allem in Firmen und Autos einbrechen. Alle anderen Bereiche der Kriminalitätsentwicklung sind positiv, sprich im grünen Bereich.

von Dieter Csefan

Landespolizeivizepräsident

Aus welchem Grund brechen viele Polizeischüler die Ausbildung ab?

Wir laden alle, die die Ausbildung abbrechen, zum Gespräch ein. Die meisten nehmen dieses Angebot an. Viele Polizeischüler haben falsche Vorstellungen vom Polizeiberuf. Die Polizeischule ist sehr fordernd, man muss viel lernen und machen, weil wir nur top ausgebildete Polizistinnen und Polizisten in den Dienst schicken wollen. Wir sind gerade in einem Prozess, wo wir schauen, wie wir die Kolleginnen und Kollegen unterstützen können, dass sie die harte Ausbildung auch schaffen können, etwa durch speziellen Förderunterricht.

Was erwartet die Polizeischüler nach ihrer Ausbildung in Wien derzeit an Herausforderungen?

Wir haben erst am Mittwoch eine Besprechung gehabt, wo ich alle Stadtpolizeikommandanten bei mir gehabt habe, um die Kriminalitätslagen in den Bezirken zu besprechen. Hauptthema sind dabei unisono Kinder und Jugendliche, die vor allem in Firmen und Autos einbrechen. Alle anderen Bereiche der Kriminalitätsentwicklung sind positiv, sprich im grünen Bereich.

Wie viele Intensivtäter gibt es schätzungsweise in Wien?

Wir sprechen etwa von 300 Kindern und Jugendlichen, die am Weg zum Intensivtäter oder bereits Intensivtäter sind. Bezieht man die Anzahl der Straftaten und auch die Schwere der Delikte mithin, dann sind wir bei rund 60 Personen, die beispielsweise schwere Raubüberfälle mit Waffen begehen. Wir haben auch viele sogenannte Schwellentäter, die zwar viele Delikte begehen, aber keine schweren. Bei denen versuchen wir mit einem ausgearbeiteten 5-Punkte-Programm in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) dafür zu sorgen, dass sie sich eben nicht zu Intensivtätern weiterentwickeln.

Eines der Schwerpunktthemen für Csefan bleibt weiterhin der Kampf gegen die Jugendkriminalität in Wien.

Eines der Schwerpunktthemen für Csefan bleibt weiterhin der Kampf gegen die Jugendkriminalität in Wien.

Bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2025 wurde auf drei unmündige „Systemsprenger“ verwiesen, die jeweils 1.000 Straftaten begangen haben. Was ist mit den drei Kindern passiert?

Sie sind mittlerweile über 14 Jahre alt und befinden sich in Haft. Manche Jugendliche weigern sich einfach, mit uns in Kontakt zu treten. Deshalb begrüße ich, dass in Wien im Zuge eines Probebetriebs unmündige Straftäter bald mit Ausgangsbeschränkungen untergebracht werden können.

Für diesen Probebetrieb sind derzeit zwei Plätze in den Krisen-WGs geplant. Ist das nicht zu wenig?

Wenn man sich rein die Zahlen anschaut, braucht es, langfristig gesehen, mehr Plätze. Aber es ist einmal ein Anfang. Es sind sich zudem alle Experten einig, die Kinder sollen nicht nur weggesperrt werden, sondern auch die notwendige Unterstützung erfahren. Die Kinder, die in der Einrichtung untergebracht werden, sucht aber nicht die Polizei aus, das entscheidet die MA 11.

Nach der Präsentation der Kriminalstatistik wurde Kritik an der Darstellung der Jugendkriminalität laut. Die Zählweise von Delikten bzw. Straftätern wurde geändert, sodass allein die drei Systemsprenger zu einem „explosionsartigen“ Anstieg an Anzeigen geführt haben, was die Realität verzerren würde.

Ich sehe das nicht als großen Aufschrei, weil die Tat ist ja passiert. Es sind im Fall der drei Systemsprenger 3.000 Straftaten passiert. Wir haben 3.000 Straftaten mit 3.000 Geschädigten. Es ist ja fast ein bisschen despektierlich den Opfern gegenüber, weil denen ist es egal, ob das 3.000 verschiedene Straftäter sind oder einer, weil derjenige bleibt trotzdem Opfer einer Straftat. Für die Festlegung der weiteren Maßnahmen ist es für uns notwendig, herauszufiltern, war das jetzt ein Täter oder 3.000 Täter. Man kann deswegen nicht sagen, die Polizei zählt das falsch, weil die Straftat ist ja passiert.

Es wurde auch eine eigene Einsatzgruppe gegründet, in den Kampf gegen Jugendkriminalität fließen demnach viele finanzielle Ressourcen. Und das trotz der budgetären Lage. Wie sehr muss die Polizei in Wien derzeit sparen?

Wir haben eine budgetäre Situation, wo Einsparungen erforderlich sind. Das Gute ist aber, es gibt auch Potenzial, wo eingespart werden kann, das verschmerzbar ist. Der Dienstbetrieb ist uneingeschränkt möglich, es braucht keine extremen Einsparungen. Gespart wird zum Beispiel bereits bei der Verpflegung bei Veranstaltungen, da gibt es dann ein stilles Glas Wasser statt Mineralwasser. Dann muss man sich den Luxus anschauen, dass jede Einheit ein eigenes Dienstfahrzeug hat.

Welche Überlegungen gibt es in diesem Zusammenhang?

Man gewöhnt sich natürlich daran, wenn man ein fixes Auto pro Gruppe hat. Die Fahrzeuge sind aber ein Bereich, bei dem eingespart werden kann. Das bedeutet dann, dass Leasing-Verträge für einzelne Fahrzeuge, die nicht genug ausgelastet sind, nicht verlängert werden. Man geht da aber auch nicht willkürlich her und sagt, die Raubgruppe bekommt keine Autos mehr, sondern man schaut sich die Auslastung an. Liegen die Dienststellen örtlich nah beieinander bzw. sind in einem Verbund, kann man sich überlegen, ob es reicht, wenn man ein Auto gemeinsam hat. Diese Maßnahme wird bereits umgesetzt.

Hoch sind auch die Personalkosten, besonders im Hinblick auf die vielen Überstunden. Welche Maßnahmen gibt es hier, diese abzubauen?

Derzeit wird das neue Dienstzeitmanagement im Innenministerium ausgearbeitet, wodurch unter anderem auch die ungeplanten Überstunden der Kolleginnen und Kollegen reduziert werden sollen. Die Überstundenthematik ist nämlich differenziert zu betrachten. Manche Kollegen und Kolleginnen wollen sie wegen des finanziellen Mehrwerts unbedingt machen und anderen ist die Work-Life-Balance wichtiger. Genau diese Diskrepanz soll im neuen Dienstzeitmodell durch mehr Flexibilität berücksichtigt werden.

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