Kriminalität in Österreich: Mehr Anzeigen und ausländische Verdächtige

2025 wurden mit 538.656 angezeigten Straftaten und 345.095 Verdächtigen Höchststände erreicht. Die Jugendkriminalität stieg weiter.
Drei Männer, darunter Gerhard Karner, stehen vor Flaggen und Bildschirmen bei einer Pressekonferenz.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) macht am Dienstag deutlich, dass die Kriminalstatistik - alljährlich im ersten Quartal präsentiert - nicht nur "nackte Zahlen" seien, wie der Ressortchef betont. "Sie ist Richtschnur und Handlauf nicht nur für die polizeiliche Arbeit, sondern auch für die politischen Verantwortlichen, Maßnahmen zu setzen."

Ein Höchststand an Anzeigen

  • 538.656 angezeigte Straftaten im Vorjahr

Im Vergleich zu 2024 um 0,8 Prozentpunkte mehr, doch im Zehn-Jahres-Vergleich ein Höchststand. "Wir leben in einem der sichersten Länder der Welt", kommentiert Karner. "Aber wir leben auf keiner Insel der Seligen." Es gäbe Aufgabenbereiche, in denen es gelte "anzupacken".

Welche Bereiche, legt Karner anhand von Zahlen aus der Statistik 2025 fest. Jugendkriminalität etwa, die bereits in den vergangenen Jahren gewachsen ist. "Sie bleibt weiter ein Sorgenkind, die Zahlen nehmen zu, die Gruppe der Verdächtigen wird jünger."

Verdächtige, die noch Kinder sind

Im Vergleich zu 2024 sei die Jugendkrimininalität um 9,4 Prozent gestiegen; nimmt man den Zehn-Jahres-Schnitt, gar um 55 Prozent. Speziell die Gruppe jener Verdächtigen, die noch Kinder sind und daher nicht strafmündig, sei enorm gewachsen, ergibt sich aus der aktuellen Statistik:

  • 2016 -  5.271 Verdächtige im Alter zwischen 10 und 14 Jahren
  • 2025 - 13.179 Verdächtige im Alter zwischen 10 und 14 Jahren

"Da ist es nötig, Maßnahmen zu setzen", fordert Karner und wiederholt Punkte, die sich bereits im Regierungsübereinkommen von ÖVP, SPÖ und Neos finden: "Gefängnisgleiche Unterbringung" unter 14-Jähriger oder das "Messertrageverbot" in ganz Österreich, darüber werde derzeit mit den Koalitionspartner verhandelt.

"Als Politik hat man zu handeln"

Schon 2024 wurde eine Sondereinheit gegen Jugendkriminaltät eingerichtet. "Wenn die nackten Zahlen so sind, dann muss man eben Dinge verändern", merkt Karner an. "Als Politik hat man da zu handeln, da können wir noch stundenlang an Zahlen herumdeuten." Und richtet der Stadt Wien Dank aus, da sie ein entsprechendes Pilotprojekt für eben diese "gefängnisgleiche Unterbringung" junger Straftäter vorbereite.

Exakt 345.095 verdächtige Täter wurden 2025 angezeigt, auch das ist im Zehn-Jahres-Vergleich ein Höchststand. Gestiegen ist ebenfalls die Anzahl jener Menschen unter ihnen, die keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen: 47,7 Prozent - das ist gegenüber 2024 ein Plus von rund fünf Prozentpunkten.

3.000 Abschiebungen

Rumänien, Syrien und Deutschland sind übrigens jene Staaten, aus denen die meisten der sogenannten fremden Verdächtigen stammen. "Die Anzahl ist mehr geworden", kommentiert der Innenminister. "Aber die gute Nachricht ist, wir kriegen sie. Und wir schieben sie auch ab." So seien im Vorjahr rund 3.000 rechtskräftig verurteilte Straftäter in ihre Heimatläner abgeschoben worden.

Cyberkriminalität legt weiter zu

Erneut stieg auch die Anzahl jener Delikte, die sich online abspielen, Cyberkriminaltät: 63.459 Anzeigen gab es 2025, gegenüber 2024 ein neuerlicher Zuwachs von 1,8 Prozent.

Auch organisierte Kriminalitiät legte zu, berichtete Franz Ruf, Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit: Mit 229 Fällen - etwa Kartelle des Balkans  - sei ein Höchststand erreicht worden, doch auch die Aufklärungsquote mit fast 90 Prozent sei hoch.

74 Mordopfer

Eines der nach wie vor am häufigsten verübten Delikt bleibt aber die Eigentumskriminalität: 163.685 Anzeigen waren es 2025, das sind rund 30 Prozent aller Kriminalfälle, allerdings: Diese Delikte haben sich binnen 20 Jahren halbiert.

Unter Gewaltkriminalität fasst die Statistik unterschiedliche Formen von Gewalt auf Menschen zusammen, die absichtlich begangen wurden: 88.133 Gewaltstraftaten wurden angezeigt, das ist eine Zunahme von 2,2 Prozent gegenüber 2024. In diese Gruppe fallen auch Morde: 74 Opfer gab es im Vorjahr, 34 Frauen und 40 Männer. In mehr als zwei Dritteln bestand eine Beziehung von Opfer und Täter.

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