Hasspostings: Die Analyse hinter 23.000 Meldungen bei "Ban Hate"
Hasspostings können über eine App gemeldet werden (Symbolbild)
Zusammenfassung
- Seit 2017 wurden über die App "Ban Hate" mehr als 23.000 Hasspostings gemeldet, davon rund 11.000 an Behörden weitergeleitet.
- Die häufigsten gemeldeten Inhalte waren Hetze, NS-Parolen, Beleidigungen sowie Drohungen und Cybermobbing.
- Mit der Corona-Pandemie erweiterte sich das Angriffsfeld der Hasspostings auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen, zunehmend auch durch KI-generierte Inhalte und organisierte Netzwerke.
Als vor neun Jahren die App "Ban Hate" online ging, hat das Team um Daniela Grabovac "mit 1.000 Meldungen pro Jahr gerechnet, höchstens", erinnert sich die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark.
Doch von 2017 bis 2025 wurden über die App 23.343 Hasspostings gemeldet. "Das hat alles überstiegen, mit dem wir gerechnet haben", beschreibt Grabovac am Montag.
11.263 dieser Meldungen wurden an die zuständigen Behörden in Österreich, Deutschland und der Schweiz weitergeleitet; 12.080 konnten aus verschiedenen Gründen nicht verfolgt werden, wenn etwa ein mögliches Delikt dahinter bereits verjährt war.
Hetze und NS-Parolen führen Statistik an
Die Verteilung der 11.263 Meldungen, die an die Justiz gingen, sieht so aus:
- 3.344 Postings ( = 30,5 %) betrafen verhetztende Inhalte.
- 2.668 Postings ( = 23,7 %) betrafen nationalsozialistische Parolen bzw. NS-Wiederbetätigung.
- 1.734 Postings ( = 15,4 %) betrafen Beleidigungen oder üble Nachrede.
- 679 Postings ( = 6 %) enthielten Aufforderungen zu mit Strafe bedrohten Handlungen.
- 361 Postings ( = 3,2 %) waren gefährliche Drohungen.
Weitere 2.388 Postings ( = 21,2 %) werden im Bericht unter "sonstige inhalte" zusammengefasst, das betrifft etwa Cybermobbing oder Herabwürdigung religiöser Lehren.
Was hat sich geändert?
Doch was hat sich in den vergangenen Jahren geändert? Die Bandbreite an Opfern, beschreibt Grabovac: 2017 und 2018 standen noch im Zeichen der Migrationswelle, die Postings richteten sich hauptsächlich gegen Migrantinnen und Migranten.
Spätestens mit der Corona-Pandemie wurde das Angriffsfeld der - im Netz nur vermeintlich anonymen - Hetzer breiter: es traf nun Frauen, Jüdinnen und Juden, Mitglieder LGBTQIA+-Bewegung, Musliminnen und Muslime.
Insgesamt gingen in den vergangen neun Jahren 23.343 Meldungen über Hasspostings ein.
- 2017 - 1.716 Meldungen
- 2018 - 1.960 Meldungen
- 2019 - 1.826 Meldungen
- 2020 - 3.215 Meldungen
- 2021 - 2.817 Meldungen
- 2022 - 2.632 Meldungen
- 2023 - 4.417 Meldungen
- 2024 - 3.193 Meldungen
- 2025 - 1.570 Meldungen
"Hass beschleunigt sich in sozialen Medien", überlegt die Juristin. "Und digitale Gewalt geht oft Hand in Hand mit Krisen und Kriegen."
"Neue Art der Kriminalität"
Zunehmend von Künstlicher Intelligenz produzierte Memes, Videos oder Bilder machten es zudem für Betrachter schwerer, die radikale Botschaft dahinter zu entschlüsseln, Stichwort: Deep Fake.
"Das sind neue Herausforderungen, denen es sich zu stellen gilt", betont Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ), in der Bundesregierung politisch ressortveranwortlich unter anderem auch für den Staatsschutz. Die Regierung überlege, "welche gesetzlichen Möglichkeiten gegeben sind, um auf diese neue Art der Kriminalität zu reagieren".
Zudem würde "strategisch gearbeitet", um Hasspostings zu verbreiten. "Es sind nicht nur Einzelpersonen", gibt Grabovac zu bedenken. "Es ist nicht nur der Herr M. oder der Herr H. aus der Obersteiermark, dem grad fad ist. Da stecken ganze Netzwerke dahinter."
Gruppierungen, die man kenne, versichert Leichtfried (SPÖ): "Die Desinformationskampagnen vor bundesweiten Wahlen in Österreich sind ja bekannt."
Junge Menschen sollen beeinflusst werden
Vielfach würden auch Gruppen agieren, die "bewusst versuchen, Kinder und Jugendliche zu beeinflussen. Hier sehen wir Radikalisierungsversuche, die am Ende die nationale Sicherheit gefährden." Das träfe auch auf Hasspostings gegen Frauen zu, die in der Öffentlichkeit stünden, betont Leichtfried: "Wenn sich Politikerinnen überlegen müssen, was sie posten und Journalistinnen, was sie schreiben, dann ist das Extremismus und ein direkter Angriff auf die Demokratie."
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