© GREGOR URABL

Chronik Niederösterreich Krems
11/26/2021

Zwei Kremserinnen, die längst Vergangenes lesen

Das Unternehmen „Vetera Legimus“ übersetzt in Kurrentschrift geschriebene Texte in lateinische Buchstaben.

von Anna Perazzolo

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Auf dem Dachboden der Großeltern finden sich allerlei Schätze. Nicht selten sind es alte Briefe oder Kochbücher. Schön zum Anschauen sind die Schriftstücke allemal, darin zu lesen ist für viele heute aber unmöglich. Die Fähigkeit, bestimmte deutsche Schriftarten zu lesen, ist in den vergangenen Jahrzehnten nämlich verloren gegangen.

Die zwei jungen Historikerinnen Brigitte Urabl und Alexandra Schweißer aus Krems setzen sich dieser Kultur des Vergessens aber entgegen. Gemeinsam haben sie das Unternehmen „Vetera Legimus – Wir lesen längst Vergangenes GesbR“ gegründet. „Ich habe bemerkt, dass 90 Prozent meiner Bekannten unsere alten Familiendokumente nicht lesen können“, sagt Brigitte Urabl. Im Geschichtsstudium hat die 34-Jährige dann Alexandra Schweißer kennengelernt, die von der Geschäftsidee sofort überzeugt war.

Seitdem übersetzen die beiden Kurrentschrift in lateinische Buchstaben. Aber nicht nur das: „Man kann uns eigentlich fast alles bringen, was aus der Neuzeit stammt“, sagt Alexandra Schweißer. Ob Wappen, Bücher oder Briefe, es gibt nichts, das die Kremserinnen nicht übersetzen. Besonders groß sei die Nachfrage bei Kaufverträgen, Strafzetteln oder Eheverträgen, erzählen sie. Neben der reinen Übersetzung setzen die Paläografinnen die Schriftstücke aber auch in einen historischen Kontext. Erst dadurch ergeben die Texte auch einen Sinn.

Aber nicht nur Privatpersonen wenden sich an „Vetera Legimus“. Unterschiedliche Archive und die Stadt Krems hätten ihre Dienste bereits in Anspruch genommen. Außerdem bieten die Historikerinnen Kurrent-Lesekurse für Einsteiger und Fortgeschrittene an.

Sauklaue oder nicht

Jedes Schriftstück sei aber auch ein kleines Rätsel für sich. „Manche Texte sind, salopp gesagt, von einer Sauklaue geschrieben. Da sitzt man dann schon einmal etwas länger dran“, sagt Urabl.

Bisher arbeiten die beiden Paläografinnen noch in der Gemeinde bzw. im Handel. Das soll sich mit wachsendem Kundenstamm aber ändern. Die Nachfrage, das hätten sie bereits gesehen, sei schließlich da.

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