© Florian Biermayr

Chronik Niederösterreich Krems
01/20/2021

Warten in der Wachau: Verliebt, verlobt, verschoben

Viele Brautpaare konnten 2020 nicht heiraten; auch heuer ist die Situation in den Hochzeitslocations unsicher.

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Heiratswillige Paare hatten es im vergangenen Corona-Jahr mit der Hochzeitsplanung nicht leicht – und das bleibt auch heuer so. Ein kleiner Trost: besonders „schöne“ Hochzeitstermine, die leicht zu merken sind, gibt es heuer nicht. Sowohl der 21.2.2021 als auch der  21.12.2021 stellen zwar eine lustige Zahlenkombination dar, liegen aber auĂźerhalb der bevorzugten Hochzeitszeiten. Der KURIER hat sich bei beliebten Hochzeitslocations in der Wachau umgehört, wie der Ausblick fĂĽr die kommende Saison ist.

Bei der Hochzeitsplanung startet man am besten mit dem Termin. In der Burgruine Aggstein (Bezirk Melk) wĂĽrden Paare  gerne ein Datum aus ihrer persönlichen Beziehungsgeschichte wählen – wie etwa das erste Treffen, sagt Christine Jäger, die Verantwortliche fĂĽr Tourismus und Management der Burgruine Aggstein. Dort ist im Rittersaal Platz fĂĽr 100 bis 150 Personen. „Eine Feier mit  nur zehn Personen in so einem groĂźen Saal wĂĽrde etwas traurig wirken“, sagt  Jäger. Daher fanden im Vorjahr auch nicht  um die  20 Hochzeiten – wie normalerweise – sondern nur vier statt.  Zwei Paare  seien auf Nummer sicher gegangen und hätten ihre Hochzeit ĂĽberhaupt gleich auf einen Termin im Jahr 2022 umgebucht, berichtet Jäger. Ersatztermine habe man fĂĽr alle gefunden, sagt sie.

Doppelt verschoben

Die sonst gern gebuchten Termine im FrĂĽhling oder im FrĂĽhsommer sind 2021 nicht so gefragt. Die meisten Paare, die 2020 ihre Hochzeit in Stift Göttweig planten, hätten diese in den Spätsommer oder Herbst des nächsten Jahres verschoben – nach dem Motto: „Wenn wir schon verschieben, dann gleich so richtig“, erzählt Pater Pius Nemes, Kirchenrektor von Stift Göttweig. Vereinzelte Paare  seien  optimistisch gewesen und hätten ihren Hochzeitstermin   auf den  Herbst 2020 verschoben, nur um ihn dann abermals aufgrund der  Corona-MaĂźnahmen nicht wahrnehmen zu können, so Pater Pius. Die Unsicherheiten aus dem Vorjahr seien noch heuer zu spĂĽren, betont Pater Pius. Verschobene Buchungen wĂĽrden allerdings  bevorzugt mit „vorläufig“ vermerkt werden.

Wer nicht mehr länger auf den groĂźen Tag warten konnte, hat sich fĂĽr die Feier im kleinen Kreis entschieden. Das haben im Vorjahr aber nur wenige Paare gemacht. Eine Trauung im Stift Göttweig findet im Schnitt mit 80 bis 120 Personen statt. Normalerweise heiraten  20 bis 25 Paare im Jahr. 2020 waren  es nur drei. Diejenigen, die dort heiraten, wĂĽrden das im groĂźen Stil feiern wollen und  daher lieber verschieben, anstatt das Fest im kleinen Kreis abzuhalten, so Pater Pius.

Durch das Coronavirus waren im März 2020 einen Monat lang alle Hochzeiten ausgesetzt. Auch jetzt im dritten Lockdown sind derartige Feste mit Gästen nur Wunschdenken. Wer es aber eilig hat, kann  sich auch derzeit am Standesamt trauen  lassen.

Seit einigen Jahren ist es in Österreich möglich, einander ohne Trauzeugen zu heiraten oder sich zu verpartnern. Dieses Angebot nutzen viele Menschen, sagt Claudia Spritzer, Leiterin Standesamts Baden.
Sollte das Paar minderjährige Kinder haben, dürfen sie mitgebracht werden. Wenn die beiden kein Deutsch oder Englisch verstehen, darf ein Dolmetscher bei der Zeremonie dabei sein. Sogar ein Fotograf sei erlaubt, sagt Spitzer.

GrĂĽnde fĂĽr eine Hochzeit während des Lockdowns gäbe es viele. Manche genieĂźen den Moment zu zweit. Andere  hätten laut Spitzer geheiratet, weil Braut oder Bräutigam an einer unheilbaren Krankheit litt. Zudem gäbe es unterschiedliche rechtliche Konsequenzen: „Unverheiratet ist man im Krankenhaus nicht auskunftsberechtigt.  Gerade in Krisenzeiten denkt man an so etwas“, sagt Spitzer.

Es gäbe aber auch Fälle, wo die Mutter eines Kindes fremde StaatsbĂĽrgerin ist und der Vater Ă–sterreicher. Da sei dann nur wenige Wochen Zeit fĂĽr eine Hochzeit, weil das Kind nicht automatisch die  österreichische StaatsbĂĽrgerschaft bekommt.

Die vielen Verschiebungen der Hochzeiten hätten es besonders fĂĽr frisch verlobte Paare schwieriger gemacht, einen Termin zu finden, sagt Lisa Redl, Event-Verantwortliche  der Domäne Wachau. Das Kellerschlössel der Domäne Wachau sei fĂĽr die kommende Saison von Mai bis September nämlich  schon frĂĽh ausgebucht gewesen. Dort werden bereits Termine fĂĽrs Jahr 2022 vergeben, sagt Redl.

In der Residenz Wachau seien kleinere Feste auch kein Thema, sagt Mario Pulker, der mit seiner Frau Stella  den Betrieb fĂĽhrt. Normalerweise findet dort in der Saison jedes Wochenende mindestens eine Hochzeit  statt. 2020 hätten dort nur zwei Brautpaare zueinander „Ja“ gesagt. Das ist zwar schade fĂĽr die Verlobten, auf das Geschäft habe sich das aber nicht negativ ausgewirkt: „Wir waren wegen der Inlandsurlaube so stark ausgebucht, dass wir weder im Restaurant noch bei der Logis einen Einbruch hatten.“ Man habe auch viele Wochenurlauber beherbergt.

Für 2021 seien die Hochzeitsplaner noch sehr zurückhaltend, sagt Pulker. Man habe erst zwei Buchungen – eine im Juni und eine im Oktober. Ganz anders stellt sich das Bild im Schloss Luberegg dar, erzählt Eveline Pichler von dem Familienbetrieb: „Die Nachfrage ist echt gewaltig. Wir haben auch viele Anfragen für 2022.“ Dass im Vorjahr kaum Veranstaltungen stattfinden konnten sei zwar ein Drama, aber Pichler bleibt optimistisch. „Als Unternehmer, da muss man nach vorne schauen.“

Heiraten in Zeiten der Pandemie bleibt jedenfalls wie im Vorjahr mit Unsicherheiten verbunden. Wer sich binden will, hat also viel Zeit, das genau zu prĂĽfen.

Von Verena Huber und Teresa Sturm

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