© Thomas Apolt

Chronik Niederösterreich Krems
06/11/2021

Kremser Wirt Jell: "Man darf die alten Wurzeln nicht vergessen"

Im Gasthaus Jell setzt man auf Tradition, versuchte aber während der Corona-Pandemie neue Ideen umzusetzen.

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Das Gasthaus Jell am Hohen Markt in Krems besteht wohl schon länger als die meisten seiner Besucherinnen und Besucher. Das Wirtshaus besticht neben dem historischen Gebäude mit traditioneller Küche. Den Gasthausbetrieb führt der Wirt Laurent Amon in fünfter Generation und dabei experimentiert er gerne mit Neuem – ohne seine Wurzeln zu vergessen.

Die Gründungsgeschichte des Gasthaus Jell hat seine Wurzeln im späten 19. Jahrhundert und beginnt mit der Liebesgeschichte zwischen den Ururgroßeltern, des heutigen Wirten. Die beiden lernten sich in ihren jungen Jahren beruflich im Hotel Sacher in Salzburg kennen. Der damalige Portier Josef, der aus Krems abstammte, überzeugte die Köchin Anna mit ihm in seine Heimat zurückzukehren. So gründeten die beiden 1897 den Gasthof Jell am Hohen Markt.

Familienbetrieb in fünfter Generation

­Solange die Geschichte zurückreicht, wurde das Gasthaus immer an die Söhne in nächster Generation weitergegeben. Die Frau der Familie habe sich dann um die Küche gekümmert und der Mann um das Weingut. Der Betrieb des Weinguts sei aber mit seinem Großvater ausgelaufen, erzählt der heutige Wirt des Gasthof Jell, Laurent Ammon, der schließlich das Gasthaus von seiner Mutter in fünfter Generation übernommen hat.

Neben der Gründungsgeschichte wird auch darauf Wert gelegt, dass die antiken Räumlichkeiten erhalten bleiben. Die Zirben-Stube ist bereits über 100 Jahre alt und dank regelmäßiger Restaurationen nach wie vor ein beliebter Ort – sowohl für die Gäste als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Wirten.

„Es ist immer schon so, wie es früher war. Genau das ist das Interessante daran und deswegen werde ich es auch so beibehalten“, sagt der Wirt.

Traditionelle Spezialitäten

Im Hause Jell werden traditionelle Schmankerl serviert. Einige Gerichte würden bereits seit 40 bis 50 Jahren auf der Speisekarte stehen, so Amon. „Traditionell, verfeinert mit etwas Neuem“, lässt sich die Küche im Gasthof Jell beschreiben. Rahmnirndl serviert mit Veltliner oder geröstete Leber mit Petersilienerdäpfel, würden derzeit zu seinen persönlichen Favoriten zählen, so der Wirt.

Dass er den Familienbetrieb weiterführen wird, habe für den heutigen Wirt – soweit er sich zurückerinnern kann – immer festgestanden.

Mit fünf Jahren habe er schon in der Küche mitgeholfen und Schnitzel paniert, erzählt Amon. „Ob ich damals eine Hilfe war? Ich wage es zu bezweifeln, aber ich war schon damals immer da“, sagt der Wirt und schmunzelt.

Nicht vorhersehbar war wohl die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Herausforderungen für den Gasthofbetrieb.

Wirtshausküche zum Mitnehmen

Drei Versuche habe man gestartet, um die Speisen dennoch an die Gäste zu bringen. Erstmals habe man voriges Frühjahr auf Bestellung zum Abholen und Genießen für Zuhause gekocht. Nach rund zwei Wochen sei die Nachfrage jedoch zurückgegangen und ähnlich gemäßigt blieben die Bestellungen beim zweiten Versuch zu Weihnachten, so Amon.

Die Gerichte wurden zuerst in Schachteln und später in Vakuumverpackung zum Mitnehmen angerichtet. Hier rechtfertigen zu können, dass es sich um preislich hochwertiges Essen handelt, sei nicht einfach, so der Wirt. Daher stellten sich während der Pandemie billige Pizza-Lieferanten und andere Fast-Food-Ketten als Konkurrenz heraus.

Im Mai startete man bei schönem Wetter schließlich einen weiteren Versuch und veranstaltete eine Grillerei im Gastgarten. Vorbei kommen und die gegrillten Würste und Co. zum Mitnehmen genießen, konnte man spontan und ohne Vorbestellung. Dieses Konzept habe verständlicher Weise gut funktioniert. „Wer weiß schon, was man morgen essen will“, sagt der Wirt.

Obwohl ein normaler Wirtshausbetrieb rentabler sei, zeigt man sich nicht abgeneigt im Sommer erneut für spontane Gäste zu grillen. „Es war auch für uns ein Spaß und einmal etwas anderes“, sagt Amon.

Darüber hinaus wurde die Krise für Renovierungsarbeiten genutzt. „Wir haben den Keller zusammengeräumt und Holzboden geschult, der schon 120 Jahren alt ist, dass alles wieder in Ordnung ist, wenn die Besucher wieder kommen“, sagt der Wirt. „Man muss mit der Zeit gehen, aber man darf die alten Wurzeln nicht vergessen“ lautet das Motto vom Wirt Laurent Amon. Diese Herangehensweise brachte das Gasthaus gut durch die Krise.

Zufrieden mit Besucherandrang

„Wir können uns ehrlich gesagt nicht beschweren“, sagt der Wirt. Bei Mindestabstandsregelungen sei das Gasthaus an Wochenenden ausgebucht gewesen und auch unter der Woche gut besucht worden, so Amon.

Die Mitarbeiter seien nach der langen Pause motiviert und die Gäste würden für einen Wirtshausbesuch die Vorschriften in Kauf nehmen, so Amon. „Die Leute sind 'ausgehungert' und wollen kommen“, sagt Amon.

Von Verena Huber

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