© Johannes Reithner

Chronik Niederösterreich Krems
04/20/2021

Immer weniger Lebensraum für Schmetterlinge

Initiativen wollen das mit Maßnahmen ändern. Global 2000 bietet eine eigene App zum Zählen des Bestands.

von Teresa Sturm

Der KURIER berichtet verstärkt aus Krems und der Region Wachau. Wenn Sie über alle wichtigen Themen in der Region informiert bleiben wollen, dann können Sie sich hier oder am Ende des Artikels für den wöchentlichen Newsletter "Nur in Krems" anmelden.

Noch vor 20 Jahren gehörte das Tagpfauenauge in das natürliche Bild eines Gartens. Doch vieles hat sich seither verändert. Für Schmetterlinge gibt es immer weniger natürlichen Lebensraum. In Europa haben sich laut der Umweltschutzorganisation Global 2000 ihre Bestände seit 1990 um rund die Hälfte halbiert.

Um besser über den Bestand der Tiere Bescheid zu wissen, wurde 2016 von Blühendes Österreich und Global 2000 ein Citizen Science Projekt angelegt. Dabei ist jeder aufgerufen, die Schmetterlings-App zu installieren, die Falter zu fotografieren und zu melden. Im Vorjahr haben fast 19.000 Menschen in ganz Österreich mitgemacht, 147.120 Schmetterlinge wurden gesichtet. Die Daten werden genutzt um den Artbestand zu bestimmen.

„Das Erfreuliche ist, dass immer mehr Personen mitmachen und wir so auch viele Erstsichtungen schaffen“, sagt Biodiversitätsexperte Dominik Linhard. Weniger erfreut zeigt er sich darüber, dass immer mehr Lebensräume verschwinden. „Viele Schmetterlingsarten bräuchten ungestörte Flecken“, so Linhard. Zudem sind artenreiche Wiesen bzw. Offenlandflächen wichtig, um zu überleben. Laut Global 2000 sind die Falter auch wertvolle Bioindikatoren. Neben Bienen und Hummeln sind die Schmetterlinge die wichtigsten natürlichen Bestäuber der Pflanzenwelt.

Tal der Schmetterlinge

Einer, der sich ebenso für die Lebensräume von Schmetterlingen einsetzt, ist Johannes Reithner, Vizebürgermeister von Droß. Für die Kleinregion Kremstal, bestehend aus den Gemeinden Gedersdorf, Rohrendorf, Stratzing, Senftenberg und Droß, haben Verantwortungsträger kürzlich beschlossen, sich intensiv mit dem Thema unter dem Titel „Kremstal – das Tal der Schmetterlinge“ zu beschäftigen. Ziel ist die Erhaltung und Verbesserung des natürlichen Lebensraums für Schmetterlinge.

Die Region bietet sich auch deshalb für ein derartiges Projekt an, weil dort viele nicht nutzbare Hangflächen bestehen. Zusätzlich weist das Gebiet viele natürliche Lebensräume auf, wie beispielsweise die Auflächen an der Donau und der Krems.

Reithner erklärt, dass es für das Weiterbestehen der Falter nicht nur um fehlende Blumenwiesen geht. Denn die Tiere haben eine relativ lange Entwicklungszeit. Es gibt vier Stadien: Ei, Raupe, Puppe und das voll entwickelte Insekt. Wenn etwa die Futterpflanze für die Raupe fehlen, wird diese Art seltener.

Brennnessel als Speise

Dass man Pflanzenfutter für die Raupen braucht, bestätigt auch Linhard. Es gäbe etwa 20 Schmetterlingsarten in Österreich, die als Raupen ausschließlich Brennnessel essen. Hier würde ein „wildes Eck“ in den Privatgärten schon helfen. Zusätzlich sinnvoll wäre es, Wiese an Straßenrändern oder an Böschungen wachsen zu lassen.

In diesem Bereich will man im Kremstal auch aufklären. „Bewusstseinsbildung ist ein großes Thema“, sagt Reithner. Auf öffentlichen Flächen will man die „Landschaft ein wenig verwildern“ lassen. Zusätzlich will man bei Kindern ansetzen und sie informieren.

Reithner selbst hat im Vorjahr 65 Falter-Arten in der Region gefunden – von rund 150 in Niederösterreich vorkommenden Tagfalterarten. Darunter waren auch stark gefährdete Arten, wie der Bräunliche Scheckenfalter (siehe Foto oben) oder der Violette Feuerfalter. „So was lebt bei uns. Das fasziniert mich“, sagt Reithner.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.