Krater beim Semmeringtunnel: Anrainer empört über ÖBB-Brief

Der Krater wurde wieder mit Gesteinsmaterial befüllt.
Anrainer bekritteln die Informationspolitik des Konzerns nach dem Unfall beim Tunnelbau.

Nach dem teilweisen Tunneleinsturz und der Kraterbildung über dem Semmering-Basistunnel sind die ÖBB um Schadensbegrenzung bemüht. Ein Brief, der dieser Tage an alle Anrainer ergangen ist und das Vertrauen wiederherstellen sollte, hat bei einigen das Gegenteil bewirkt. Weil die Bahn den Vorfall in dem Schreiben weiterhin „herunterspielt“, ist der Unmut einiger Bewohner groß.

Für die Bürgerinitiative BISS in Gloggnitz (NÖ) mutet der erste Satz des Schreibens fast schon als eine Frechheit an. "Ihr Vertrauen ist uns wichtig und es ist uns ein Anliegen, Sie persönlich über die Ereignisse der letzten Tage und Wochen zu informieren...", heißt es.

Dabei wollten die ÖBB den Einsturz mit dem massiven Wassereintritt im Tunnel vor der Öffentlichkeit geheim halten.

Brief der ÖBB geht nach hinten los

Erst auf Recherche des KURIER wurde der Zwischenfall mit drei Wochen Verspätung eingestanden. Als, wie berichtet, sich kurz darauf in einem Waldstück genau über der betroffenen Tunnelröhre ein riesiger Erdkrater auftat, wollten die ÖBB ebenfalls kein „mediales Aufsehen“.

Krater beim Semmeringtunnel: Anrainer empört über ÖBB-Brief

Der Krater über der Tunnelröhre.

Die Anrainer wurden gebeten, niemanden darüber zu informieren. „Transparenz sieht anders aus. In Summe wird alles verharmlost“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative, Horst Reingruber.

Krater beim Semmeringtunnel: Anrainer empört über ÖBB-Brief

Mit Sprengstoff arbeiten sich die Mineure im Tunnel voran.

Keine Rede von Einsturz

In dem Schreiben gesteht die Projektleitung zwar ein, dass in der Tunnelröhre auf einer Länge von 25 Metern Gestein und Schlamm in den Tunnel eingedrungen ist. Von einem (teilweisen) Einsturz des Tunnels – so wie in einzelnen Medienberichten dargestellt – könne jedoch keine Rede sein, heißt es in dem Brief.

Ein Video von dem Unglück zeigt jedoch das wahre Ausmaß des Zwischenfalles. Auf den Aufnahmen müssen Arbeiter um ihr Leben laufen, um nicht verschüttet zu werden.

Video: Bauarbeiter flüchten vor Erdmassen

Dass die ÖBB nun behaupten, dass an der Oberfläche laufend Beweissicherungen in Form von Begehungen und einem Oberflächensetzungsmonitoring erfolgten, stößt den Anrainern sauer auf. „Diese Kontrolle hat gerade einmal im Ortszentrum stattgefunden, weil dort die Tunnelröhren 30 Meter darunter verlaufen“, ärgert sich ein Anrainer.

Dass die Bahn den Erdkrater, der groß genug war, um ein Einfamilienhaus darin verschwinden zu lassen, in ihrem Brief als „Eintiefung“ bezeichnet, ist für Reingruber bezeichnend.

Der Krater ist jedenfalls seit Montag wieder mit Gesteinsmaterial befüllt und geebnet. Laut Projektleiter Gerhard Gobiet bestehe keine weitere Gefahr für Anrainer. Laut ÖBB-Sprecher Robert Lechner bestehe mit einem Großteil der Anrainer auf niederösterreichischer Seite seit über zehn Jahren ein persönlicher Kontakt. "Die Handynummer des Projektleiters ist allen Anrainern bekannt und war auch im jüngsten Brief an die Anrainer enthalten", so Lechner. Die Betroffenen werden laut ÖBB laufend aktiv informiert.

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