Mit Sprengstoff arbeiten sich die Mineure voran

© Sascha Trimmel

Chronik | Niederösterreich
04/30/2019

Zwischenfall im Semmering-Tunnel: Gesteinsdecke stürzte ein

Tunnelröhre auf einer Länge von 25 Metern verschüttet. Bagger unter sich begraben, Personen wurden nicht verletzt.

Beim Bau des Semmering-Basistunnels ist es zu einem heiklen Zwischenfall gekommen. Während des konventionellen Bagger- und Sprengvortriebs vom Tunnelportal in Gloggnitz (NÖ) aus, ist es zu einem Teileinsturz in einer der Röhren gekommen. Auf einer Länge von 25 Metern hat sich das Gesteinsmaterial an der Oberseite der Röhre gelöst und alles darunter liegende verschüttet. „Solche Nachbrüche kommen durch das heterogene Gesteinsmaterial häufiger vor. In dieser großen Dimension ist es aber zum Glück ein Einzelfall“, sagt Basistunnel-Projektleiter Gerhard Gobiet von den ÖBB.

Der Zwischenfall, der erst jetzt durch Recherchen des KURIER bekannt wurde, hat sich bereits zu Ostern ereignet. Durch den Einsturz sind zum Glück keine Opfer zu beklagen. „Ein Bagger ist bis zur Fahrerkabine verschüttet. Aber Personen wurden keine verletzt“, bestätigt Gobiet.

Sieben Meter pro Tag

Vom Portal in Gloggnitz aus arbeiten sich die Mineure mit Spreng- und Baggerarbeiten vier bis sieben Meter pro Tag durch das Bergmassiv vor. Dreieinhalb Kilometer hat man auf diese Art und Weise bereits zurückgelegt. Durch den Einsturz des Gesteins ist es auch zu einem Wassereinbruch gekommen. „Für die Arbeiten ist das natürlich unerfreulich. Wir müssen die Stelle über die zweite Tunnelröhre umfahren und von dort aus sanieren. Alle 500 Meter gibt es Querschläge zwischen den beiden Röhren“, sagt Gobiet.

 

Erst vor drei Wochen war der KURIER zusammen mit anderen Medienvertretern bei einem Lokalaugenschein in der Tunnelröhre, in der es nun zu dem Unfall kam. Ein Viertel des 27,3 Kilometer langen Semmering-Basistunnel ist bereits gebaut. Mit der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2026 verkürzt sich die Fahrzeit für die Bahnstrecke Wien-Graz von 2 Stunden und 40 Minuten auf 1 Stunde 50 Minuten. Von Wien aus erreicht man dann Klagenfurt in 2 Stunden 40 Minuten, derzeit braucht man vier Stunden.