Betonarbeiten in einer der Röhren

© Wammerl Patrick

Verkehr
04/10/2019

Schon ein Viertel des Semmering-Basistunnels ist gebaut

Lokalaugenschein drei Kilometer tief im Bergmassiv. Das 3,3 Milliarden Euro teure Bauprojekt liegt im Zeitplan.

von Patrick Wammerl

Für fast 40 Familien des Auetals am Semmering war es ein nervenaufreibendes halbes Jahr. Nur 30 Meter unter ihren Häusern sprengten und baggerten die Mineure die beiden Röhren des 27 Kilometer langen Semmering-Basistunnels durch das Gesteinsmassiv.

„Es ist alles gut gegangen und kein einziger Riss oder Schaden an den 36 Gebäuden aufgetreten“, erklärt Baustellenleiter Dieter Haas. Um auf Nummer sicher zu gehen wurden zuvor in jedem Gebäude Detektoren installiert und pro Haus 1500 Fotografien für die Beweissicherung angefertigt.

Exakt sieben Jahre nach dem politischen Spatenstich durfte der KURIER am Mittwoch mit ÖBB-Projektleiter Gerhard Gobiet einen Blick tief ins Innere des Berges werfen. „Ein Viertel des gesamten Bauloses ist bereits umgesetzt. 2024 müssen wir mit den Bauarbeiten fertig sein, damit mit den bahntechnischen Einbauten begonnen werden kann“, erklärt Gobiet.

Querschläge

Bereits dreieinhalb Kilometer hat man sich mit klassischem Bagger- und Sprengvortrieb vom Portal in Gloggnitz aus in Richtung Steiermark vorgearbeitet. Alle fünfhundert Meter werden Querschläge zwischen den beiden Tunnelröhren hergestellt. Sie dienen später nicht nur als Fluchtweg, sondern beherbergen allerhand technische Einbauten.

Während die Mineure im Sprengvortrieb rund vier bis sieben Meter pro Tag voran kommen, graben vom Fröschnitzgraben in der Steiermark zwei riesige Tunnelbohrmaschinen den Arbeitern entgegen.

Die Spitzenleistung von „Carl“ liegt bei 26 Meter Vortrieb pro Tag, der zweite Tunnelbohrer namens „Ghega“ soll im Mai Fahrt aufnehmen. Ende 2022 sollen die Baulose mitten im Bergmassivs zusammentreffen, danach kann frische Luft zwischen Niederösterreich und der Steiermark durch den Tunnel strömen.

Dass der Tunnel überhaupt gebaut wird, ist schon ein kleines Wunder, hört man unter Tage. Fast 30 Jahre lang hat das 3,3 Milliarden Euro teure Projekt die Politik, Bürgerinitiativen, Umweltschützer und Anrainer gespalten. Kritiker prangerten jahrelang die „mutwillige Umweltzerstörung“ an. Durchgesetzt hat sich schließlich die Entscheidung für den Bau.

Kürzere Fahrzeit

Mit der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2026 verkürzt sich die Fahrzeit für die Bahnstrecke Wien-Graz von 2 Stunden und 40 Minuten auf 1 Stunde 50 Minuten. Von Wien aus erreicht man dann Klagenfurt in 2 Stunden 40 Minuten, derzeit braucht man vier Stunden.

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