Nur auf ausgewiesenen Strecken erlaubt: Mountainbiker bewegen sich im Wald
großteils illegal 

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Chronik Niederösterreich
08/19/2021

Kommt der Wald unter die Räder?

Erstmals Vorstoß aus den Reihen der ÖVP, Forstwege unter gewissen Bedingungen für alle Radfahrer zu öffnen. Die Ablehnung ist groß.

von Patrick Wammerl

Neu ist der Vorstoß nicht, dass er allerdings erstmals aus dem Kreis der Volkspartei kommt, ist bemerkenswert. Niederösterreichs Sportlandesrat Jochen Danninger (ÖVP) hat vor einigen Tagen mit der medial geforderten Öffnung aller Forstwege für Mountainbiker die Büchse der Pandora geöffnet. Kaum ausgesprochen, ist die Aufregung groß. Mit den großen Wald- und Grundbesitzern, der Bauernschaft und der Jagd lehnt eine riesige Lobby aus dem eigenen politischen Lager derartige Ideen ab. Mit dem Präsidenten der nö. Landwirtschaftskammer Johannes Schmuckenschlager richtet sogar einer der engsten Parteikollegen dem Landesrat ein klares „Nein“ aus.

Wer Danninger unterstellt, diese Reaktionen vor seinem Ausspruch nicht ins Kalkül gezogen zu haben, der irrt. Ihm sei bewusst gewesen, dass es zu einer emotional geführten Debatte kommen wird. Seit der Corona-Pandemie seien aber so viele Menschen auf Mountain- und E-Bikes in den heimischen Wäldern unterwegs, wie nie zuvor, sagt Danninger. „Mittlerweile ist jeder zehnte Niederösterreicher ein Mountainbiker und täglich werden es mehr“.

 

Besonders stark spürt man das rund um die großen Ballungszentren Ostösterreichs. „Der Nutzungsdruck auf die Naturräume war nie höher als heute. Das führt natürlich zu Konflikten. Daher ist es wichtig, die Waldbesucher besser zu lenken. Offene Forststraßen für Mountainbiker kann es nur geben, wenn gleichzeitig strenge Regeln von den Gästen im Wald eingehalten werden, die Haftungsfrage gelöst ist und vor allem die Eigentumsrechte in Form eines entsprechenden Wegeentgeltes gewahrt bleiben“, sagt der Landesrat zum KURIER.

Nach dem Vorbild der ausgewiesenen Bikestrecken im Wienerwald oder der Wexl-Trails in St. Corona/Wechsel will Danninger das touristische Potenzial, das im Thema Mountainbiken schlummert, heben. In den besagten Gebieten praktiziere man Regelungen, die den Interessen von Eigentümern und Nutzern zugleich Rechnung tragen, meint der Landesrat.

Als begeisterter Biker und leidenschaftlicher Jäger weiß Danninger, dass ein Freifahrtsschein für die Mountainbiker an streng geregelte Zeiten gebunden sein muss. Sprich kein Radfahren zeitig am Morgen oder zur Abenddämmerung. Es muss für Wildtiere die nötigen Ruhephasen geben.

Runder Tisch

Für einen runden Tisch im Herbst bedarf es aber noch großer Überzeugungskraft. „Wir lehnen eine generelle Öffnung des Waldes für Mountainbiker strikt ab“, heißt es aus dem Büro von Schmuckenschlager. Man setze damit auch weiterhin auf die bereits erfolgreich erzielten freiwilligen Vereinbarungen für Bikestrecken. „Zentral dabei sind die Bedürfnisse aller Waldnutzer. Es geht gleichermaßen um die Gewährleistung eines sicheren Arbeitsplatzes für die Waldarbeiter, die Anliegen des Naturschutzes und nicht zuletzt um den Schutz der Wildtiere“, heißt es bei der Landwirtschaftskammer. Derselben Meinung ist man auch beim NÖ Landesjagdverband. „Der Respekt vor dem Eigentum und den Wildtieren steht für uns an erster Stelle. Unser Modell der gezielten Freigabe von Mountainbikestrecken durch die Grundeigentümer ist eine gute Lösung. Dadurch können Besucherströme gelenkt und Wildtiere geschützt, aber auch dem Interesse der Freizeitnutzer nachgekommen werden“, sagt Generalsekretärin Sylvia Scherhaufer.

Bundesforste

Und was sagen die Grundbesitzer? Als einer der größten Waldbesitzer sind auch die Bundesforste gegen eine generelle Öffnung. „Aus unserer Sicht ist die bestehende Regelung, das heißt das Mountainbiken auf Vertragsbasis, ein guter Weg um das Radfahren im Wald zu ermöglichen“, sagt Sprecherin Andrea Kaltenegger.

Die Bundesforste bieten über Verträge mit Gemeinden und Tourismusverbänden 2.450 Kilometer offizielle Mountainbikestrecken in den Bundesländern. Im Wienerwald gibt es dank der Zustimmung von 50 Grundbesitzern und 47 Gemeinden ein 1.350 km langes Streckennetz.

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