Klimawandel: Tourismus-Welt schielte in Andorra auf den „Wexl“
„Wexl-Spiel“ der Jahreszeiten. Links fahren Kinder Ski, rechts daneben wird im Motorikpark geklettert.
Es ist die Horrorvorstellung von jedem, der mit dem Bergtourismus sein Geld verdient. Was tun, wenn die weiße Pracht im Winter ausbleibt?
Die geringen Höhenlagen des alpinen Teil Niederösterreichs haben schon vor 15 Jahren zu einem Umdenken geführt. „So lange beschäftigen wir uns in Niederösterreich intensiv damit, wie aus Skigebieten ganzjährige Bergerlebniszentren werden. Die Wexl Arena St. Corona am Wechsel gilt international als vorbildlich und wird deshalb jährlich von rund 50 Delegationen besucht“, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.
Das Konzept der Ganzjahresdestination mit einem kleinen Kinderskiland, zwei Bikeliften, Motorikpark und Sommerrodelbahn (Corona Coaster) hat international als „Best Practice“-Beispiel eingeschlagen.
Auf der internationalen Bühne
Beim 13. Weltkongress zu Schnee-, Berg- und Wellness-Tourismus der Vereinten Nationen ist die Wexl Arena vor wenigen Tagen in Andorra vor 400 Teilnehmern als gelungenes Beispiel für Klimawandelanpassung präsentiert worden.
Besucherrekorde
Mit weit über 250.000 Besuchern gelang der Wexl Arena zuletzt ein Rekord, was die Eintritte anbelangt. Das internationale Interesse der Touristiker weckte die Erlebnisarena aber aus einem ganz besonderen Grund. „Wir scheuen uns nicht, neue Wege zu gehen und klassische Sommerattraktionen in einem Art Hybridbetrieb auch parallel zum Schneesport anzubieten. Diese Art der Flexibilität ist eine logistische Herausforderung, kommt aber bei den Gästen sehr gut an“, sagt Markus Redl, Geschäftsführer der landeseigenen Ecoplus Alpin GmbH.
Zwei Bikelifte bringen die Mountainbiker und Downhillfahrer auf die Wexl-Trails.
Beispielgebend war der warme Winter 2023, wo die Jahreszeiten in St. Corona ineinander verschmolzen sind. Bei 15 Grad Plus im Dezember tummelten sich Kids auf der Piste, daneben wurden der Motorikpark und die anderen Sommerattraktionen überrannt.
Beim Weltkongress in Andorra ging es zentral um die Frage der Klimawandelanpassung von Bergdestinationen. Auf Anregung der Schweiz erfolgte dazu bereits im Vorfeld eine wissenschaftliche Begleitung des Themas. Christian Baumgartner, ein auf Nachhaltigkeitsaspekte spezialisierter Professor am Institut für Tourismus und Freizeit der Fachhochschule Graubünden, hat dabei die Wexl Arena in St. Corona/Wechsel als positive Fallstudie vor dem Fachpublikum aus aller Welt präsentiert.
Totgesagte leben länger
Für Mikl-Leitner und Redl ist dies die Bestätigung, dass man in Sachen Tourismus auf das richtige Pferd gesetzt hat. „Dass jetzt sogar bei einem Weltkongress zum Bergtourismus der Vereinten Nationen die Wexl Arena und Wexl Trails auf großer Bühne präsentiert werden, zeigt: Wir sind am richtigen Weg“, so Mikl-Leitner.
Noch vor 15 Jahren hätte dem ehemaligen Wintersportort St. Corona ein solches Comeback niemand zugetraut. Als 2013 das schwer defizitäre Skigebiet geschlossen und die Lifte abgebaut wurden, sah man die Region dem wirtschaftlichen Untergang geweiht.
Johanna Mikl-Leitner mit Karl Morgenbesser, Geschäftsführer der Wexl Arena.
Schneemangel in 844 Meter Seehöhe
Mit einer Transformation zum Ganzjahrestourismus gelang dem findigen Betreiber Karl Morgenbesser ein Clou. Die Topografie mit der geringen Höhenlage – der Ort liegt auf 844 Meter Seehöhe – spielte den Verantwortlichen in die Hände. Die Strategie ist auf einen acht- bis neunmonatigen Sommerbetrieb ausgerichtet, der Skilauf im Familienskiland ist das Tüpfchen auf dem „i“. „Wir müssen neben dem Schnee andere Geschäftssäulen aufbauen, um ein Sicherheitsnetz zu haben, egal ob der Winter weiß oder grün ist“, so Redl.
Bergluft und Sonne
Durch die Neuausrichtung am Wechsel sei es gelungen, völlig neue Gästegruppen zu erreichen und parallel anzusprechen. Es gibt eine Zielgruppe, die in den Wintermonaten auf den Berg fährt, aber nichts mit Schneesport zu tun hat. „Das Potenzial ist enorm bei jenen, die einfach nur die Bergluft, die Aussicht und die Sonne genießen wollen“, erklärt Redl.
Wirtschaftlich gesehen müsse man sich der Tatsache stellen, dass der Betrieb der Winterinfrastruktur sehr teuer ist. „Die Rechnung geht deutlich besser auf, wenn wir die Infrastruktur für mehrere Zwecke nutzen oder die Schneeproduktion auf kleinere, effizientere Gebiete konzentrieren“, sagt der Stratege der NÖ Bergerlebniszentren.
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