Paläontologe Alexander Lukeneder vom Naturhistorischen Museum leitet die zweijährige Forschungsarbeit in Lunz

© NHM Wien/C. Rittmannsperger

Forschung
04/27/2021

Klimawandel löschte massenhaft Leben aus

Wissenschafter ergründen bei Lunz am See Klimakatastrophe vor 233 Millionen Jahren

von Wolfgang Atzenhofer

Zeugen einer der folgenschwersten Klimakatastrophen in der Erdgeschichte wurden in der Gegend in Kohlestollen erstmals im 19. Jahrhundert gefunden. Diese Fossilien von Fischen, Muscheln oder Borstenwürmern von außerordentlicher Qualität bescherten Lunz am See in Niederösterreich unter Paläontologen rasch Weltruf. Forscher des Naturhistorischen Museums Wien (NHM) werden dem gigantischen Massensterben in Fauna und Flora vor 233 Millionen Jahren nun wieder intensiver auf den Grund gehen.

Zwei Jahre lang wird ein internationales Forscherteam, angeführt vom NHM-Paläontologen Alexander Lukeneder, im 1958 geschlossenen Kohlerevier nördlich von Lunz nach Fossilien und geologischen Zeugnissen der „Karnischen Krise“ suchen. So wird die Phase des ungeheuren Massensterbens in den Meeren des Mesozoikums genannt.

Fossilienschatz

Zwar erstreckt sich die damals so drastische Klimaerwärmung über einen Zeitraum von zwei Millionen Jahren. Doch der seit 140 Jahren bekannte Fossilienschatz im Bereich nördlich von Lunz macht das Ereignis zum Gegenwartserlebnis.

Das Land NÖ und die Österreichische Akademie der Wissenschaften ermöglichen den Forschern die Expeditionen in die Nördlichen Kalkalpen. Diese sind jedenfalls voller hoffnungsvoller Erwartungen: „Es ist faszinierend, die feinsten Strukturen dieser urzeitlichen Tiere und Pflanzen, wie Schachtelhalme oder Borstenwürmer sehen zu können“, schwärmt Lukeneder von der Qualität der Lunzer Fossilien. Seit einem Monat wechselt er sich mit seiner Ehefrau Petra, die ebenfalls Paläontologin ist, bei den Grabungen ab. Bodenproben und auch Fossilien wurden bereits an Wissenschafter in die USA, nach Italien oder Deutschland gesendet, berichtet er.

Im riesigen Fundus der paläontologischen Sammlung des Wiener NHM finden sich bereits exzellente Exemplare von Ammoniten, Tintenfischen, Muscheln Schnecken, Krebsen und etlicher Fischarten, sowie eines Lungenfisches aus dem Lunzer Raum. Sie liefern wertvolle Schlüsse und Erkenntnisse über die Umwelt und das Klima der späten Triazeit.

Zusammenbruch

In den kohleführenden Ablagerungen und feinen Schichten des Untersuchungsgebiets wurde die ökologische Veränderung der globalen „Karnischen Krise“ regelrecht mitgeschrieben. Ganze Ökosysteme sind zusammengebrochen. Und es gibt auch unheilvolle Parallelen zur Gegenwart. Aus heutiger Sicht führten gewaltige Vulkanausbrücke in Kanada und in den USA einerseits zur Ablagerung einer mächtigen Basalt-Schicht. Andererseits wurde die Atmosphäre mit enormen -Mengen angereichert und belastet. Was in der späten Triazeit zur starken Klimaerwärmung mit extrem feuchtem Klima führte. Schlussendlich spülten monsunartige Regenfälle gewaltige Mengen Sediment in die Meere, und Riffe erstickten im Schlamm. Die Geochemie der Sedimente und die Fossilien ermöglichen der Wissenschaft wertvolle Rückschlüsse. Und so ist es möglich den Lebensraum der einstigen Lunzer Lebewesen rekonstruieren zu können.

Lunz beschert das Projekt zum bestehenden Wasser-Cluster und zur neuen Urwald-Station „Haus der Wildnis“ zusätzliche Aufwertung als wissenschaftlicher Schauplatz. Lukeneder plant jedenfalls, die Forschungsergebnisse auch in der Region auch auszustellen.

Wissenswert

5,7 Millionen Fossilien befinden sich in der geologisch-paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien. Dieses Archiv für die Geschichte der Erde ist von globaler Bedeutung. Neben Objekten aus Österreich bietet die Sammlung auch umfangreiches Material aus Teilen der früheren Habsburgermonarchie. Die Abteilung erfährt auch regen Zuspruch bei Citizen Scientists. Über das Projekt „Fossilfinder“ wird Laien zudem beim Bestimmen gefundener Objekte geholfen. 140 Jahre lang ist die Gegend um Lunz am See bereits für ihren Fossilienreichtum bekannt. Nach ersten Funden in Kohlestollen wurden eigene Tunnel für paläontologische Forschungen gegraben

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