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Wissen Gesundheit
04/27/2021

Als die Welt für einen Augenblick stiller wurde

Anlässlich des morgigen "Tag gegen Lärm" untersuchten Forscher die Zusammenhänge zwischen Stille und Pandemie.

Wie gut, dass es das Phonogrammarchiv gibt. Die im Jahre 1899 gegründete Institution der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist das älteste Tonarchiv der Welt. Dort lagern historische Schallaufnahmen, und ohne die wäre ein aktuelles Projekt mit dem Titel Pandenoise nicht möglich gewesen. Dabei verglichen die Schallforscher der ÖAW Lautstärke-Messwerte aus der Zeit der Corona-Krise mit historischen Aufzeichnungen von öffentlichen Orten – etwa stark frequentierte Orte in der Wiener Innenstadt oder in Graz sowie Messstellen in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten.

50 Prozent minus

Peter Balazs, der Leiter des Projekts und Direktor am Institut für Schallforschung, kennt die Ergebnisse: „Generell hat man im ersten Lockdown den Stand der 1980er- und 1990er-Jahre erreicht“, sagt er. So hat der Straßenverkehr, als Begleiterscheinung der gesunkenen Mobilität, um etwa 50 Prozent abgenommen. Das Ergebnis ließ sich hören: „Die Pegelminderung lag demnach bei drei bis vier Dezibel“, sagt ÖAW-Schallforscher Holger Waubke. „Beim Flugverkehr waren die Abnahmen wesentlich deutlicher, da gab es einen durchschnittlichen Rückgang von bis zu zehn Dezibel.“

Aber eben nur im ersten Lockdown. Dann war es auch schon wieder vorbei mit der Stille. Die darauffolgenden Lockdowns haben hierzulande bekanntlich zu weit weniger Still-Stand geführt als noch im Frühjahr 2020.

Gesundheitsschädlich

Balazs weiß, was Lärm ist: „Das ist ungewollter und unangenehmer Schall. Ist der Schalldruckpegel zu hoch, kann das nachweislich gesundheitsschädigend sein.“ Als Mathematiker beschäftigt er sich damit, wie Lärm entfernt werden kann – etwa mit Algorithmen zur Signalverarbeitung, um Rauschen zu modellieren und damit Signale zu „entrauschen“.

Dass Lärm ein erhebliches Gesundheitsproblem darstellt, ist keineswegs neu. Bereits vor einem Jahrzehnt warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO vor Belastungen durch Lärm. „Seither geht es in der EU darum, wieder leiser zu werden“, sagt Waubke. Denn die Hauptlärmquelle im Wohnbereich ist der Verkehr – auf den Straßen, Schienen und in der Luft.

„Wer anhaltend Lärm ausgesetzt ist, insbesondere in der Nacht, hat ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Psychoakustiker Bernhard Laback vom Institut für Schallforschung. Nächtliche Lärmbelästigung lässt den Stresspegel im Körper steigen und die Leistungsfähigkeit untertags sinken.

Stresshormon plus

Und auch tagsüber hat Lärm negative Auswirkungen auf unseren Körper. Ab etwa 60 Dezibel wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet und die Herzfrequenz und der Blutdruck erhöht. Bei höheren Pegeln ab 80 Dezibel schädigt der Schall das Gehör.

Welche Folgen eine stetig zunehmende Geräuschkulisse auf Flora und Fauna hat, ist ebenfalls zu einem wichtigen Forschungsthema geworden: „Man hat schon lange festgestellt, dass bei dauernder Lärmbelastung bei Meerestieren und Reptilien die Reproduktion wie auch die Lebenserwartung systematisch zurückgeht“, erzählt Psychoakustiker Laback.

Üblicherweise wird der „Tag gegen Lärm“ am 28. April mit einem Tag der offenen Tür am Wiener Institut für Schallforschung begangen. Wie schon im vergangenen Jahr weicht man auch heuer mit einem am Mittwoch online veröffentlichten „unterhaltsamen Video“ ins Internet aus, kündigt Balazs an.

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