Rettung der Ötscherland-Bahn im Finale
Beim Schwellenaustausch auf der Bergstrecke helfen Freiwillige und Profis zusammen.
Über einen erfolgreichen Saisonstart des Ötscherland-Express mit zufriedenstellendem Passagier-Interesse an den ersten beiden Juni-Wochenenden freuen sich die Eisenbahnfreunde im Bezirk Scheibbs. Zwar konnte und kann die 17 Kilometer lange Bergstrecke der Ybbstalbahn vorerst weiterhin nur zur Hälfte befahren werden, doch die geschichtsträchtige Museumsbahn bleibt eine der Hauptattraktionen im sommerlichen Ötscherland.
Freiwillige helfen bei Bahnarbeit mit.
Der vergangene lange und harte Winter kam den Mitgliedern der NÖ Lokalbahnen bei der Generalsanierung der Strecke nicht gelegen. Das Ziel, die gesamte Strecke zwischen Kienberg/Gaming und Lunz/See zum Saisonstart befahren zu können, hat sich auf Anfang September verschoben. „Wir sind im Finale und hoffen noch auf viel Mithilfe von Eisenbahnfreunden“, sagt Albert Malli, der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Lokalbahnen.
Zuschuss des Landes NÖ
Wie berichtet, hat das Land Niederösterreich, das über die NÖVOG Eigentümer der Strecke ist, mit einer Finanzspritze von 750.000 Euro dem Lokalbahnverein die Rettung der Bergstrecke und damit auch des letzten Rests der früheren Ybbstalbahn ermöglicht. Verkehrsreferent und LH-Vize Udo Landbauer sieht darin ein Stück niederösterreichischer Identität und Bahnkultur. Die freiwillige Mitarbeit war eine der Voraussetzungen für die Förderung.
Hauptsächlich wird derzeit die dieselelektrische Lok 2093.01 bei den Ausfahrten genutzt.
In der Region und unter den Gemeinden gab es auch intensive Überlegungen und Wünsche, die Bahntrasse zu einem Radweg umzufunktionieren. Doch es wurde zugunsten der Museumsbahn entschieden.
Holzschwellen gegen Stahlschwellen getauscht
Bei der Sanierung geht es in erster Linie um den Austausch der Tausenden Holzschwellen gegen Stahlschwellen. 5.300 Stück werden insgesamt auf der zweiten Trassenhälfte zwischen der Ortschaft Pfaffenschlag und Lunz ausgewechselt.
Die Gleisbauarbeiten, die mit einer Firma und freiwilligen Helfern über die Bühne gehen, seien im Finish, so Malli. Mithilfe einer für Schmalspurbahnen in Österreich nicht leicht zu bekommenden Gleisstopfmaschine müssen die Schwellen nach dem Austausch auch noch hinterfüllt werden. „Dazu verteilen wir mit unserer Draisine den frischen Schotter auf der Strecke“, so Malli.
Bei den Arbeiten sei jedenfalls wochentags und an den Wochenenden jede freiwillige Mitarbeit sehr willkommen, wobei die Helfer nicht befürchten müssten, ausgeschunden zu werden. „Die schweren Arbeiten werden von einem Bagger erledigt“, versichert der Lokalbahn-Chef.
Dampfloks
Mit der sicheren und von Bausachverständigen geprüften Durchgängigkeit und Befahrbarkeit der Strecke wachsen auch die Zukunftspläne der Lokalbahn-Freaks wieder. Im kommenden Jahr sollen wieder regelmäßig von Dampfrössern geschleppte Züge über den Berg und über die berühmten stählernen Trestlework-Brücken schnaufen.
Ob nicht da vielleicht schon die speziell für die Ybbstalbahn gebaute historische Dampflok 598 des gleichnamigen in Waidhofen/Ybbs angesiedelten Bahnvereins im Ötscherland ihre Dienste leisten wird? „Die Verhandlungen mit dem Club 598 laufen jedenfalls“, sagt Albert Malli.
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