Hausbrand in Kematen raubt 60 Menschen ihr Zuhause
Das zerstörte Wohnhaus
Nachdem zwölf Feuerwehren das Feuer bis Mitternacht gelöscht und das zerstörte Dach der Wohnanlage abgeräumt hatten, kommt am Freitagvormittag schon die nächste Hiobsbotschaft. Den Bewohnern aller 24 Wohnungen im Brandobjekt wird im Gemeindezentrum mitgeteilt, dass das 2005 errichtete Genossenschaftshaus für sie vorerst unbewohnbar ist und vermutlich abgerissen werden muss.
„Alle brauchen neue längerfristige Unterkünfte, wir bemühen uns sehr“, sagt Kematens Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP). „So viele helfen mit. Im Vordergrund steht die Versorgung der Betroffenen hier im Zentrum, aber die Wohnungssuche ist voll angelaufen und es schaut nicht schlecht aus“, gibt sich die Bürgermeisterin positiv.
Bürgermeisterin Juliana Günther und Gemeindearzt Christian Hinterndorfer unterstützen im Gemeindezentrum.
Erschöpfte Brandopfer
Im Saal ziehen Gemeindebedienstete, Helfer von Rotem Kreuz und Caritas oder auch Gemeindearzt Christian Hinterndorfer an einem Strang. Verunsicherte und müde Brandopfer, die evakuiert wurden, sind gekommen, um neueste Informationen zu bekommen.
Angelika Schaup und ihre Nichte Anja, die mit ihrem Lebensgefährten Simon ebenfalls im Brandhaus wohnt, begutachten erste Kleidungsspenden, die von der Bevölkerung in Kematen abgegeben worden sind. Das Feuer war am Balkon von Angelikas Nachbarn im zweiten Obergeschoß ausgebrochen.
Ihr Lebensgefährte und ihr Sohn hatten sogar noch vergeblich Löschversuche unternommen. „Aber da ging nichts mehr. Dann hieß es, alle raus“, so die Fünffachmutter. Die Flammen breiteten sich blitzartig aus und entzündeten sofort den Dachstuhl. Als die Einsatzkräfte eintrafen, brannten bereits weite Flächen des Daches lichterloh. „Das ging so schnell. Wir brachten gemeinsam mit Rettungsleuten noch einen COPD-Patienten in Sicherheit. Dann holten wir seine Sauerstoffflasche, damit es zu keiner Explosion kommen konnte“, erzählt Arzt Hinterndorfer, der auch als Feuerwehrmann im Einsatz stand.
Sara Prager wohnte mit ihren drei Kindern direkt unter dem Dach. Wie es weitergeht, weiß sie nicht.
Vor dem von der Gemeinde im Krisenzentrum organisierten Mittagessen verkündet die Bürgermeisterin über Mikrofon, dass alle Bewohner wichtige Gegenstände, mobile Geräte und Dokumente aus dem Brandhaus holen dürfen. Am Brandort in der 14. Straße neben dem Heidewald spielen sich dann persönliche Tragödien ab.
Habseligkeiten im Wäschekorb
Sie könne nur das Wichtigste für sich und die drei Kinder mitnehmen, alles andere sei verschmutzt oder für sie in der schwer beschädigten Wohnung unter dem Dach gar nicht erreichbar, beklagt Sara Prager unter Tränen. Wie’s weitergehen soll, wisse sie nicht. Stöhnend schleppt auch Samantha Kuba einen Wäschekorb und später ein schweres Klimagerät zum Auto am Parkplatz. Löschwasser habe ihre Wohnung unbewohnbar gemacht, schildert sie. Mit ihrem zweijährigen Kind und ihren drei Hunden sei sie unverletzt geflüchtet.
Feuer vernichtete das komplette Dach (o.). S. Kuba rettete sich mit ihrem Kind und drei Hunden.
Zigarette als Brandursache
Während zwei Polizeibeamte das Szenario überwachen und die Feuerwehr wieder ein Glutnest am Dach löscht, werden unter den Bewohnern auch neue Infos zur Brandursache bekannt. Laut Polizei soll eine schlecht ausgedämpfte Zigarette in einem Blumentopf am Balkon die Brandursache sein. Schimpfen über den womöglich fahrlässigen Mitbewohner hört man aber niemand. Das Unglück schockt alle genug.
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