Im Südburgenland ist der Wunsch nach Kinderbetreuung größer als im Norden.

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Ferienbetreuung
06/01/2020

Keine Sommerpause in NÖ Kindergärten

Wo Bedarf besteht, bleiben die Einrichtungen über die kompletten Ferien geöffnet.

von Martin Gebhart

Die Corona-Krise verlangt ein Umdenken. So auch bei der Kinderbetreuung in den Sommerferien. Diesmal wird in all jenen Kindergärten, wo Bedarf besteht, die planmäßige dreiwöchige Sommerpause gestrichen. Bei den entstehenden Mehrkosten greift das Land den Gemeinden finanziell unter die Arme. Die Intention: Den Eltern soll während der Sommermonate ein möglichst sorgenfreies Zurückkehren in den Berufsalltag ermöglicht werden.

Besiegelt wurde dieses Betreuungspaket am vergangenen Freitag von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Alfred Riedl (alle ÖVP) sowie Matthias Stadler und Rupert Dworak (beide SPÖ) – also ein Pakt des Landes mit dem Städte- und Gemeindebund. Damit die Kommunen dieses Paket auch umsetzen können, werden in NÖ rund 4,5 Millionen Euro in die Hand genommen.

 

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: „Wir rechnen damit, dass die Eltern jetzt, wo sie wieder Schritt für Schritt in den Berufsalltag zurückkehren, im Sommer verstärkt Bedarf an Kinderbetreuungsangeboten haben werden.“

Personal und Geld

Unterstützt werden die Gemeinden entweder durch die Zurverfügungstellung von Pädagoginnen und Pädagogen oder mit erhöhten Fördersätzen für alternative Betreuungsangebote. All jene Gemeinden, die bereits Ferienbetreuungsangebote für Schul- und Kindergartenkindern organisiert haben, erhalten statt 250 Euro nun 500 Euro pro Gruppe und Woche. Ebenso wurde die Förderung für integrative Programme erhöht. Hier sind 650 Euro pro Gruppe und Woche vorgesehen.

Für Betreuungsangebote an Ganztagsschulen ist heuer erstmals auch eine Förderung nach dem Bildungsinvestitionsgesetz möglich. Weiters wird es von der NÖ Familienland GmbH mit Unterstützung der EVN heuer erstmals eine Gratis-Lernhilfe an gleich mehreren Ferienbetreuungsstandorten in Niederösterreich geben, wobei mehrmals pro Woche Lernunterstützung für Schulkinder angeboten wird.

In den kommenden Tagen werden die Gemeinden die Formulare erhalten, mit denen der Betreuungsbedarf für den Sommer erhoben wird. Die Vergabe der Betreuungsplätzen im Sommer ist allerdings in der Regel für berufstätige und alleinerziehende Eltern vorgesehen.

Die Vertreter der Städte und Gemeinden begrüßen dieses Betreuungspaket, weil man wisse, wie wichtig der Bedarf an Betreuungsangeboten sei. Vor allem, weil aufgrund der Covid-Maßnahmen der Urlaub in vielen Haushalten bereits aufgebraucht sei, müsse es für die Familien entsprechende Angebote geben.

NÖ intern: "Schwierige Rolle für Verhandler"

Das abschließende Gespräch hatte am Freitag im Büro von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) stattgefunden. Besiegelt wurde ein 4,5-Millionen-Euro-Paket für eine durchgängige Kinderbetreuung in den Sommermonaten.

Am Tisch saß neben weiteren ÖVP-Vertretern auch die SPÖ, die durch ihre Präsidenten Matthias Stadler (Städtebund) und Rupert Dworak (Gemeinden) vertreten war. Gemeinsam lobten alle Teilnehmer in einer Aussendung das Ergebnis und die gute Zusammenarbeit.

Umso überraschter war man bei der ÖVP, als zwei Tage später die SPÖ-Landtagsabgeordnete Kerstin Suchan-Mayr wegen dieses Paktes in einer Aussendung eine politische Breitseite gegen Türkis abfeuerte. Die ÖVP brauche die Krise, um endlich auf die Bedürfnisse der Familien einzugehen, so Suchan-Mayr

Dieses politische Ping-Pong-Spiel zwischen gemeinsamen Verhandlungen und darauffolgender Kritik gab es zuletzt mehrmals. Etwa beim Wirtschaftsgipfel oder beim Breitbandausbau, den Rupert Dworak mitbeschlossen hatte. Die Landes-SPÖ matcht sich beim Gemeindethema derzeit bewusst mit der ÖVP.

Da mögen Vorkommnisse nach der Gemeinderatswahl mitspielen. Oder aber, dass SPÖ-Landeschef Franz Schnabl gegenüber der ÖVP mit kantigerer Politik punkten will.  Schwierig ist dabei nur die Rolle der SPÖ-Verhandler, die zwischen konstruktiven Gesprächen und der Kritik ihrer Partei pendeln.

Oder wie es ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner sieht: „Klar ist, dass es Rupert Dworak nicht leicht hat in der SPÖ. Einerseits bringt er sich in laufenden Verhandlungen konstruktiv ein, andererseits wird er von seiner Partei zu permanenter Kritik gedrängt. Wir hoffen, dass sich in der SPÖ letztlich aber die vernünftigen Kräfte durchsetzen.“