© Privat

Chronik Niederösterreich
04/22/2020

"Kein Risikopatient": Max R. starb an Corona

Hinterbliebene kritisieren die Hotline 1450. Man sei immer an den Hausarzt verwiesen worden.

von Michaela Reibenwein

Viele Jahre stand Max R. mit seiner Frau in einem kleinen Kaffeehaus in Moosbrunn, Bezirk Bruck/Leitha. Der 70-Jährige hätte längst in Pension gehen können. Stattdessen stand er in der Küche. Seine Frau kümmerte sich um die Gäste.

Doch das kleine Kaffeehaus wird nicht mehr aufsperren. Max R. ist vor wenigen Wochen im Krankenhaus Mödling gestorben – er war mit dem Coronavirus infiziert. Die Hinterbliebenen sind überzeugt: Das hätte nicht sein müssen.

„Wir haben mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass er ein Risikopatient ist und viele Male darauf gepocht, dass ein Corona-Test gemacht wird“, sagt Schwiegertochter Petra R.

Schnupfen

Am 11. März bekam der 70-Jährige die ersten Symptome – er litt unter erhöhter Temperatur und Schnupfen. Zwei Tage später ging er zu seinem langjährigen Hausarzt. Der war sicher: Es handle sich um eine „normale“ Grippe – und schickte Max R. wieder nach Hause. Der Zustand des Mannes verschlechterte sich. Die Angehörigen schöpften Verdacht, kontaktierten zum ersten Mal die Hotline 1450.

„Aber dort hat man gesagt: Er war weder in Tirol noch in Italien, er ist kein Risikopatient“, schildert die Schwiegertochter.

Tage später konnte Herr R. nichts mehr essen, auch nur noch wenig trinken. Der Hausarzt verabreichte in der Praxis eine Elektrolyt-Lösung und verschrieb Antibiotika und Medikamente.

Und wieder verschlechterte sich der Zustand des Patienten. Er litt nun auch an Atembeschwerden. Wieder bekam Herr R. eine Infusion. Auch die nützte nichts. Und plötzlich bekam er auch noch 40 Grad Fieber – die Familie verständigte die Rettung. Der 70-Jährige wurde in künstlichen Tiefschlaf versetzt, am nächsten Tag wurde bei ihm das Coronavirus festgestellt. Am 8. April starb Max R. „Das Virus hatte seine Lunge massiv geschädigt“, schildert die Schwiegertochter.

Sie versteht die Welt nicht mehr. „Das Martyrium meines Schwiegervaters hat drei Wochen gedauert. Wir haben uns achtmal an die Hotline 1450 gewandt. Und immer sind wir auf den Hausarzt verwiesen worden.“, sagt Frau R. Sie wandte sich nun auch an das Meldeservice initiative-corona.info.

Kriterien

Die Familie sieht ein Versagen bei der Hotline. Doch Christof Chwojka vom Notruf Niederösterreich lässt das nicht gelten: „Es ist tragisch, dass der Herr gestorben ist. Aber die Kriterien der Testungen wurden vom Gesundheitsministerium definiert.“

Und zu Beginn der Pandemie sei ein Besuch in einem Risikogebiet wesentlich gewesen. Der zweite Punkt sei ein Kontakt zu einer infizierten Person, die Symptome zeigt, gewesen. Diese Kriterien wurden mit der Zeit abgeändert.

Zudem entscheide nicht die Hotline über einen Test – das mache schlussendlich der Amtsarzt, wird betont. Gleiches gelte für eine Isolation.

Denn auch Familie R. wurde isoliert. Allerdings nur zwei von insgesamt sechs Personen im Haushalt. „Nur mein Mann und eine Tochter sollten sich in Quarantäne begeben. Zu den anderen wurde gesagt: Sie können ruhig arbeiten gehen“, ist Frau R. fassungslos. Die ganze Familie blieb schließlich vier Wochen freiwillig isoliert. Auf zugesagte Testungen wartet man noch heute.