© Daniela Matejschek

Chronik Niederösterreich
06/18/2021

Katharina Stemberger spielt wieder Gastgeberin

Das Netzhaut Ton Film Festival startet in Wiener Neustadt – die Intendantin stand dem KURIER Rede und Antwort.

von Caroline Ferstl

Die Schauspielerin Katharina Stemberger (52) präsentiert zum zweiten Mal das Netzhaut Ton Film Festival in Wiener Neustadt. 

KURIER: Das Netzhaut Ton-Film-Festival beginnt heute in Wiener Neustadt – sind Sie aufgeregt?

Katharina Stemberger: Nein, letztes Jahr war ich sehr aufgeregt, heuer freue ich mich vor allem darauf. Das Schöne ist, wenn etwas schon einmal über die Bühne gegangen und gelungen ist, dann ist die Aufregung schon viel weniger, dann kann man den Vorlauf schon mehr genießen. So ist das auch beim zweiten Netzhaut Ton-Film-Festival. Wir freuen uns darauf, das, was wir uns ausgedacht haben, mit dem Publikum teilen zu können. Und das zu unserem Wunschtermin – zur Sommersonnenwende.

Warum ist Ihnen diese Zeit wichtig?

Ich komme vom Theater, die erste Assoziation zu diesen Tagen ist natürlich Shakespeares Sommernachtstraum. Es sind einfach zauberhafte Tage, die längsten des Jahres. Und wir wollen die Menschen ja auch verzaubern.

Welchen Programmpunkt des Festivals sollte man keinesfalls verpassen?

Besonders freue ich mich auf die Österreich-Premiere von „Quo Vadis, Aida?“, unseren Eröffnungsfilm. Er handelt von der Generation von Frauen, die den Bosnienkrieg überlebt haben. Er ist einer der wichtigsten und aufrüttelndsten Filme, die ich je gesehen habe. Und ich freue ich mich auf das gemeinsame Musizieren der Strottern mit Schülern und Lehrern der Josef-Matthias-Hauer-Musikschule, und auf die Walking Concerts. Wir haben heuer sogar einen Late-Night-Spaziergang geplant, am Samstag um 23.15 Uhr. Wir dürfen ja ein bisschen Gastgeber spielen, und das ist schön.

Was steht nach dem Festival für Sie an?

Ich stehe seit vier Wochen wieder durchgehend vor der Kamera: Wir drehen in Linz gerade 13 neue Folgen „SOKO Linz“, ich spiele darin eine Chefinspektorin. Gemeinsam mit einem jungen, wunderbaren Kollegen jage ich das Böse durch die Stadt. Die Dreharbeiten laufen noch bis Ende September. Es ist sehr anstrengend, aber macht großen Spaß.

Gutes Stichwort: Was macht Ihnen denn am meisten Spaß: Filme drehen, Festival kuratieren oder Theater spielen?

Was mich vorantreibt, ist meine Neugierde. Für mich ist es wichtig, dass das Leben bunt bleibt. Nur eine Leidenschaft wäre mir zu wenig.

Sie sind ja auch zivilgesellschaftlich aktiv: Sie sind Vorstandsvorsitzende des Integrationshauses Wien und gestalten die zivilgesellschaftliche Initiative „Courage“ mit. Im März kritisierten Sie öffentlich die Ablehnung der Aufnahme von Flüchtlingen nach dem Brand im Lager Moria seitens der Regierung. Mit anderen Künstlern initiierten Sie eine Kurz-Karikatur an der Linken Wienzeile in Wien. Warum machen Sie das?

Mir ist das Menschsein nicht wurscht. 2013 habe ich mit meinem Mann einen Dokumentarfilm über die Schicksale der Flüchtlinge im Mittelmeer gedreht, seitdem lässt mich das Thema nicht mehr los. Mir ging es in der Karikatur um die Herzlosigkeit, bei dieser humanitären Katastrophe nicht einzugreifen. Wir sind Zeitzeugen. Irgendwann werden wir alle gefragt werden, was wir wussten, was wir getan oder nicht getan haben. Und da möchte ich eine halbwegs anständige Antwort geben können.

Was sagen Sie denn zur Corona-Politik der Regierung. Haben Sie da auch Kritikpunkte?

Entgegen meinem sonstigen Wesen bin ich hier sehr milde mit den politisch Verantwortlichen: So eine Situation managen zu müssen, ist schwierig und wird entlang des eigenen Weltbildes abgehandelt. Mein Vater ist Virologe, ich bin keineswegs eine, die die Gefahr der Krankheit kleinredet oder gar leugnet. Ich habe immer gesagt, bin ich froh, dass ich diese Zeit in diesem Land aussitzen darf. Da haben wir ein großes Glück.

Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht sozial oder künstlerisch aktiv sind? Was gibt Ihnen Kraft?

Lange Spaziergänge mit meinem Mann, gemeinsame Zeit mit meiner Tochter. Und das, was wir alle in den letzten Monaten Zeit zu schätzen gelernt haben: ein gemeinsames Essen mit Freunden. Ich koche wahnsinnig gerne, und bin nicht nur beim Netzhaut Ton-Film-Festival gerne Gastgeberin. (lacht)

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – was würden Sie sich wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass Menschlichkeit und Empathie wieder einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass es schick ist, herzlos zu sein. Das ist schade.

Das Festival findet von 18. bis 20. Juni zum zweiten Mal in Wiener Neustadt statt. Das Motto lautet „Unverwüstliche Zerbrechlichkeit“. Die Besucher erwarten Filme und Konzerte sowie spannende Diskussionsrunden und musikalische Spaziergänge  durch die Stadt. Voodoo Jürgens, Ernst Molden und Ursula Strauß stehen am Programm, kuratiert wurde das Festival von Katharina Stemberger und Fabian Eder.

Infos: www.netzhaut-ton-film-festival.at 

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