Kaiserin Sisis Erbe: Schuften auf höchster Baustelle des Landes
Die Elisabethkirche thront in 1.800 Meter Seehöhe auf dem Schneeberg. Heuer wird sie 125 Jahre.
Sie thront wie ein Wahrzeichen auf dem höchsten Berg Niederösterreichs. Die Kaiserin Elisabeth-Gedächtniskirche – Elisabethkircherl genannt – ehrt das Andenken an Kaiserin „Sisi“. Allerdings haben die widrigen Einflüsse in 1.800 Meter Seehöhe der alten Bausubstanz stark zugesetzt.
Vor dem 125-jährigen Jubiläum der geschichtsträchtigen Kirche in einem Monat muss deshalb Hand angelegt werden – auf der höchstgelegenen Baustelle des Bundeslandes. Eine emsige Gruppe Freiwilliger, die der „Schneeberg-Koarl“ um sich versammelt hat, ist dabei, die Kirche aufwendig und mit viel Herzblut und Schweiß zu sanieren.
Ehrenamt
Karl Tisch ist nicht nur Bergretter in Puchberg und Lawinenmelder des Landes NÖ, er hat auch zwei Bücher über seinen Lieblingsberg vor der Haustüre herausgebracht. Auch seine Freizeit hat der Autor dem östlichsten 2.000er der Ostalpen verschrieben. Derzeit werden freie Tage genutzt, um im Team das Elisabethkircherl zu sanieren.
Die Kirche ist seit langer Zeit im Besitz der Pfarre Puchberg. „Für die jährlichen Sanierungsarbeiten hat sich eine Gruppe Freiwilliger gefunden. Das Baumaterial wird zum Großteil über Spenden angeschafft“, erklärt Karl Tisch. Die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Bauwerk verlangen den Helfern einiges ab. Zart besaitet dürfen die Helfer nicht sein. Wie für den Schneeberg bekannt, pfeift den freiwilligen Maurern und Hobby-Steinmetzen meist ein scharfer Wind um die Ohren. Denn der ausgesetzte Berg ist für seine Windanfälligkeit bekannt, Orkanböen jenseits der 150 km/h sind keine Seltenheit.
Karl Tisch (mi.) und eine Gruppe freiwilliger Helfer sanieren die Schäden an der Kirche.
Stemmeisen und Drainagemörtel
Durch Eis und Schnee im Winter sind die Brüstungsmauern und die Bodensteine rund um die Kirche arg in Mitleidenschaft gezogen und müssen erneuert werden. Ausgestattet mit Stemmmaschinen, Hammer und tonnenweise Drainagemörtel und Trockenbeton wird ehrenamtlich Hand angelegt. Das Baumaterial, so Tisch, wird dankenswerterweise mit der Zahnradbahn auf den Gipfel gebracht.
Der Geschäftsführer der NÖ Schneebergbahn, Hubert Resch, hat sich dafür nicht lange bitten lassen. 40 Minuten dauert die Fahrt des Salamander-Zuges von Puchberg auf den Hochschneeberg in 1.800 Meter Seehöhe. Die Kirche selbst hat eine bewegende Geschichte. Mehr als 200.000 Besucher kommen jährlich mit der Zahnradbahn hinauf, um sie zu besuchen und die Gegend mit Bergschuhen zu erkunden. Kaiser Franz Joseph I. hatte den Bau der Kirche in Auftrag gegeben, nachdem Kaiserin Elisabeth 1898 in Genf von einem italienischen Anarchisten erstochen worden war.
Im Jugendstil erbaut
Das Gebäude am Dach Niederösterreichs sollte an sie erinnern. Erbaut wurde die Gedenkstätte im Jahr 1901 nach den Plänen des Architekten Rudolf Goebel im Jugendstil. Die Kirche befindet sich unweit der Bergstation der Schneebergbahn und kann an Tagen mit guter Fernsicht vom Wiener Becken aus gut 60 Kilometer Entfernung am Horizont noch erspäht werden.
Fest zum 125-jährigen Bestehen der Kirche
Das römisch-katholische Gotteshaus gehört zur Pfarre Puchberg am Schneeberg und ist die höchstgelegene Kirche der Erzdiözese Wien. Das 125-jährige Bestehen ist am 12. Juli Anlass für ein besonderes Fest. Ab 11 Uhr wird ein Festgottesdienst abgehalten. Pfarrer Wolfgang Berger hält die Schneebergmesse. Anschließend gibt es ein Frühschoppen mit Livemusik und Verpflegung.
Weil die Sanierungsarbeiten meist ehrenamtlich erfolgen und für die Instandhaltung des Wahrzeichens jede Menge Baumaterialien benötigt werden, sind auch Sponsoren bzw. Spenden willkommen, meint Tisch. Für den Erhalt des Elisabethkirchlein wurde ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN AT 67 3293 7000 0602 5555.
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