Lebensretter: Notarzt Peter Klar war Ersthelfer und verscheuchte den Tatverdächtigen mit dem Blaulicht auf seinem Wagen

© Privat

Chronik Niederösterreich
09/22/2021

In Mord "reingeplatzt": Arzt wurde zum Lebensretter

Messerattacke auf 38-Jährige in einem Reitstall im Wienerwald. Notarzt und Bürgermeister schlug Angreifer in die Flucht.

von Patrick Wammerl

„Zum Glück haben wir keine Nachspeise mehr bestellt. Sonst wäre ich zu spät gekommen“. Zu spät wofür? Um die 38-jährige Manuela H. (Name v.d. Red. geändert) wohl vor dem Tod zu bewahren.

Landläufig bezeichnet man die Umstände als glückliche Fügung oder Schicksal. Klar ist aber, dass ohne dem Zutun von Peter Klar die 38-jährige Wienerin wohl nicht mehr am Leben wäre. Der Notarzt, Intensivmediziner und Bürgermeister von Laab im Walde (Bezirk Mödling) hat am 13. August in Breitenfurt im Wienerwald vermutlich einen Mord verhindert und durch sein beherztes Einschreiten dem Opfer das Leben gerettet. Davon sind die Ermittler überzeugt. Manuela H. ist jene Reiterin, die an dem schicksalhaften Tag im Reitstall Fichtenhof nur ihr Pferd versorgen wollte, als sie in der Box von einem Mann aus heiterem Himmel angefallen wurde.

Der Täter rammte ihr mehrmals ein Messer in den Leib. Die Klinge durchstach beide Lungenflügel, verletzte mehrere Gefäße zum Herzen, der Rumpf der Frau wurde auf einer Länge von 32 Zentimeter aufgeschlitzt. „Ihr Mut, sich dort nicht aufzugeben und so schwer verletzt eine Flucht zu versuchen, ist unvorstellbar“, sagt Peter Klar.

Trotz ihrer lebensbedrohlichen Verletzungen schleppte sich Manuela H. zu ihrem Wagen. 250 Meter weit fuhr sie bis zur Bundesstraße, ehe sie die Kräfte verließen. Der Tatverdächtige lief hinterher.

Peter Klar saß zur selben Zeit sechs Kilometer entfernt mit einem Freund beim „Stocker Wirt“ zum Abendessen. Auf Kaffee und etwas Süßes verzichtete er, sondern machte sich gleich auf die Heimfahrt. Eine goldrichtige Entscheidung.

Machtdemonstration

Auf der Fahrt nach Breitenfurt fiel dem Mediziner ein dunkles Auto am Straßenrand auf. Es war der Wagen von Manuela H..

Neben dem Fahrzeug stand eine merkwürdige Gestalt, in der Hand ein Messer. „Er versuchte irgendwie ins Auto hinein zu kommen. Und das mit einer beängstigenden Ruhe. Es war eine Machtdemonstration“.

Dem Bürgermeister sei sofort klar gewesen, dass sich hier eine Gewalttat abspiele. Als Notarzt und First Responder hat er für Notfälle einen Frontblitzer und ein Blaulicht im Wagen. „Damit schaue ich aus wie eine Zivilstreife. Ich habe das Blaulicht eingeschalten, darauf hin hat er die Flucht ergriffen“, sagt Klar.

Doch ganz traute er der Lage nicht. Bei einem Blick ins Auto sah er das blutüberströmte Opfer. „Die Wunden hätten genau so gut von einer Schusswaffe stammen können. Es war schon ein gewisses Unbehagen, ob der Täter vielleicht zurück kommt.“

Waldrand im Auge

Daher behielt Klar immer den Waldrand im Auge. Um rasch Hilfe zu holen, aktivierte er den Ortungsdienst über die Notruf-App der Rettungsleitstelle. „Es blieb nicht viel Zeit. Die Frau war massiv ausgeblutet. Also habe ich den Rettungshubschrauber nachgefordert“, schildert der Arzt. Jede Sekunde zählte. Zum Glück hatte er sein gesamtes Notarzt-Equipment im Wagen dabei.

Zusammen mit einer Ordinationsassistentin des hiesigen Arztes versuchte der Mediziner mit Spezialkompressen die Blutungen zu stillen, für die weitere Behandlung im Spital legte er mehrere Venenzugänge. Als die 38-Jährige kurz zu sich kam, machte sie wertvolle Angaben zum Täter. 25 Minuten nach der blutigen Messerattacke war die 38-Jährige mit dem Hubschrauber bereits am Weg ins Uni-Klinikum St. Pölten. Nach einer mehrstündigen Notoperation mit Beteiligung von Herzchirurgen landete sie ausgerechnet auf jener Intensivstation, auf der auch Peter Klar arbeitet.

Kurz nach dem Mordversuch wurde ein 17-jähriger Stallbursche aus Nordmazedonien als Tatverdächtiger festgenommen. Gazmed I. zeigte sich teilweise geständig, spricht laut seiner Rechtsanwältin Stephanie Zöllner aber von einem „Missverständnis“ zwischen ihm und der Frau. Seine Kleidung war blutverschmiert, auch die mutmaßliche Tatwaffe wurde sichergestellt. Alles weitere werden die Gutachten zeigen.

Das Motiv gibt den Mordermittlern jedenfalls Rätsel auf. „Um die Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt festzustellen, wurde ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben“, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl. Auch ein DNA-Gutachten und die Ergebnisse einer Untersuchung auf Drogen und Alkohol beim Verdächtigen sind ausständig. Der 17-Jährige sitzt in U-Haft.

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