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Überfall
04/22/2021

Wenn das traute Heim zum Tatort wird

Eine 66-jährige Weinviertlerin überlebte einen Überfall auf ihrem Bauernhof schwer verletzt. Die Täterin war diesmal eine Frau

von Patrick Wammerl, Michaela Reibenwein

Die Opfer sind meist traumatisiert und finden teilweise nur noch schwer zurück in ein normales Leben. „Home Invasion“ nennt sich die besonders brutale Verbrechensform, bei der abgebrühte Täter in die intimste Privatsphäre ihrer Opfer eindringen und diese in ihren eigenen vier Wänden überfallen und schwer misshandeln – in der Hoffnung, an Geld zu kommen. Mit der Klärung durch Raub- und Tatortermittler des nö. Landeskriminalamtes (LKA) ist aktuell wieder ein tragischer Fall bekannt geworden. Unüblich ist diesmal, dass eine Frau als dringend tatverdächtig gilt.

Es war am 10. Jänner, als eine 66-jährige Landwirtin aus dem Bezirk Hollabrunn im Weinviertel kurz nach 7 Uhr Früh die Zeitung aus ihrem Postkasten holen wollte. „Die Täterin dürfte ihr aufgelauert haben. Sie hat ihr Opfer sofort brutal attackiert und mit einer Glasflasche niedergeschlagen. Angesichts der Wucht hätte so ein Angriff auch tödlich enden können“, sagt Chefinspektor Josef Deutsch vom LKA.

Die Flasche zersplitterte am Kopf der 66-Jährigen. Sie stürzte schwer verletzt zu Boden, woraufhin die Täterin Bargeld forderte und versuchte, der Frau den Mund zu verkleben und sie zu fesseln.

Heftige Gegenwehr

Die Landwirtin wehrte sich jedoch nach Leibeskräften. „Das war eine heftige Sache. Je mehr man darüber spricht, desto mehr wird man wieder daran erinnert. Es geht mir wieder halbwegs gut, ich habe aber viel an mir arbeiten müssen“, schildert das Opfer im Gespräch mit dem KURIER. Sie wolle mit der Sache endlich abschließen und einen Schlussstrich ziehen.

Durch die heftige Gegenwehr gab die Angreiferin irgendwann auf und flüchtete. Ein Nachbar wurde auf die Hilferufe des Opfers aufmerksam und setzte umgehend die Rettungskette in Gang. Die Frau erlitt Knochenbrüche und Blessuren und wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Die Beamten der Polizeiinspektion Ziersdorf führten die ersten Erhebungen durch und konnten Spuren am Tatort sicherstellen. Wegen der enormen Brutalität der Täterin und der Gefahr ähnlich gelagerter Überfälle übernahm das LKA den Fall.

Es war ein wichtiger Hinweis des Opfers, der die Fahnder auf die Spur der mutmaßlichen Täterin brachte. Die Angreiferin trug neben einer Maske eine Art Tarngewand mit Camouflage-Muster. Anscheinend war die 42-jährige Tschechin durch diesen Military-Look bekannt. Die Verdächtige wurde noch im Jänner beim Grenzübertritt von Tschechien nach Österreich festgenommen. Sie steht laut Polizei auch im Zusammenhang mit anderen Einbrüchen und Diebstählen. Der Gesamtwert der Beute betrug einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag.

Home-Invasion steht nach wie vor bei Kriminellen hoch im Kurs. 2015 war das bisher schlimmste Jahr mit elf Delikten allein in Niederösterreich. Seither bewegt sich die Zahl zwischen fünf und zehn solcher Überfälle pro Jahr.

Kriminalist Deutsch rät, beim Zusammentreffen mit Tätern im Haus oder der Wohnung zu kooperieren und keine Gegenwehr zu leisten. „Auf ein aggressives Entgegentreten reagieren Kriminelle meist mit noch größerer Brutalität“, sagt der Ermittler.

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