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Klimaflüchtlinge auf Irrwegen: Im Höllental kommen Parkgebühren

Das Naturparadies der Wiener Hausberge wird an heißen Tagen gestürmt. Bei einem Krisengipfel ging es um Besucherlenkung und Parkgebühren.
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Es gilt nicht umsonst als einer der beschaulichsten Orte Österreichs. Das Höllental zwischen der Rax und dem Schneeberg liegt wie ein Kleinod mitten in den Wiener Hausbergen. An brütend heißen Sommertagen ist es zwischen Reichenau/Rax und Schwarzau im Gebirge allerdings vorbei mit der Ruhe und Beschaulichkeit.

Dann wird das kühle Tal nämlich von „Hitzeflüchtlingen“ aus den Ballungszentren regelrecht gestürmt - mit allen negativen Nebenerscheinungen. Die Auswirkungen haben am Donnerstag zu einem Krisengipfel der zuständigen Bürgermeister, der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen, des Tourismusverbandes, Polizei und der Stadt Wien als größter Grundeigentümer des Quellschutzwaldes geführt.

Parkchaos im Höllental entlang der Bundesstraße 27.

Parkchaos im Höllental entlang der Bundesstraße 27.

Gebührenpflichtige Parkplätze

Bei der Verkehrsverhandlung ging es in erster Linie darum, wie man in Zukunft die Besucherströme besser lenken und das Parkplatz- und Verkehrschaos in dem engen Tal in den Griff bekommt. Das wichtigste Ergebnis des Termins: Ab dem kommenden Jahr wird es eine Parkraumbewirtschaftung und gebührenpflichtige Parkplätze geben, bestätigt der Reichenauer Bürgermeister Johann Döller (ÖVP) im Gespräch mit dem KURIER.

Sein Kollege aus Schwarzau im Gebirge, Peter Lepkowicz (SPÖ), kann sich ein Kontrollsystem mit einer Kennzeichenerkennung vorstellen. „Damit kann man die Anrainer ausnehmen und jeder der sich eine gewisse Zeit im Tal aufhält, muss bezahlen. Anders wird man die Besucherströme nicht lenken können.“

Die Schwarza fließt durch das beschauliche Höllental.

Die Schwarza fließt durch das beschauliche Höllental.

Wenn in der Wiener Innenstadt die Massen bei 35 bis 40 Grad brütender Hitze schwitzen, lockt das Höllental mit dem glasklaren Wasser der Schwarza und wohlfeilen 25 Grad Außentemperatur. „Das lockt freilich viele Besucher an“, weiß Döller um die Anziehungskraft der Natur.

Was bei der Hitzewelle im Juli entlang der Schwarza los war, „habe ich in meiner Zeit hier noch nicht erlebt. Das war Wahnsinn“, so Lepkowicz.

Kaum Parkräume

Anders als in den Ballungszentren fehlen in dem engen Tal entlang der gefährlichen Bundesstraße 27 - eine beliebte und berüchtigte Motorradstrecke - ausreichend Parkplätze. An heißen Sommertagen sind die Schotterflächen mit bis zu 1.500 Autos zugepflastert.

Das Phänomen ist bereits seit der Pandemie bekannt, als viele Österreicher nicht reisen konnten und notgedrungen die Schönheit des eigenen Landes entdeckt haben. Dabei wurden idyllische Flecken wie das Höllental regelrecht überrannt. Klimabedingt ist es heuer ähnlich, heißt es in der Region. „Leider stehen die Autos auch teilweise auf der Straße. Das führt zu gefährlichen Situationen“, erklärt Döller.

Das wurde beschlossen

Deshalb wurden am Donnerstag mit der Behörde alle Möglichkeiten ausgelotet, wie man die Lage in den Griff bekommen kann. Döller spricht von einer verzwickten Situation, was die Rechtslage anbelangt. Teilweise sind die Schotterflächen entlang der Bundesstraße öffentliches Gut, andere Teile gehören zum Quellschutzgebiet der Stadt Wien.

Für eine geregelte Parkraumbewirtschaftung müssten die Flächen allerdings befestigt werden, meint Döller. Beschlossen wurden als Sofortmaßnahme für die heißen Wochenenden im August Schwerpunktkontrollen von Polizei und Behörde. Alle Falschparker sollen ausnahmslos gestraft bzw. angezeigt werden. Ausgearbeitet wird außerdem ein Projekt zur Besucherlenkung. Außerdem wird die Beschilderung in den Zonen mit einem Halte- und Parkverbot verstärkt.

Der Waldbrand 2021 zerstörte 115 Hektar Wald

Der Waldbrand 2021 zerstörte 115 Hektar Wald

Illegale Lagerfeuer und Müll

Eine weitere unangenehme Nebenerscheinung des Ansturms ist der Müll. Das Schwarza-Ufer gleiche im Sommer einem riesigen Abfalleimer und einer öffentlichen Toilette, bekritteln die Bürgermeister. Und auch die geltende Waldbrandverordnung, wonach aufgrund der enormen Trockenheit und Hitze kein Feuer in Waldnähe entzündet werden darf, wird von einigen Besuchern nicht eingehalten.

Die Forstverwaltung Quellenschutz der Stadt Wien bewirtschaftet im Rax-Schneeberg-Gebiet 18.500 Hektar Forst. Peter Lepkowicz ist auch Leiter der Forstverwaltung. Für die Disziplinlosigkeit und illegalen Lagerfeuer hat er keinerlei Verständnis. Welche verheerenden Folgen ein nicht abgelöschtes Lagerfeuer haben kann, hat der riesige Waldbrand im Herbst 2021 in Hirschwang gezeigt. Damals standen 7.700 Feuerwehrmitglieder tagelang im Einsatz, 115 Hektar Schutzwald wurden vernichtet.

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