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Bezirk Tulln
11/17/2021

Heimskandal in NÖ: Gerüchte um geplante Exhumierungen

Vor acht Monaten wurde in Sitzenberg-Reidling zu ermitteln begonnen, jetzt sollen die vier Verdächtigen abermals einvernommen werden. Anwalt bekämpft Verfahren.

von Johannes Weichhart

Seit mehr als acht Monaten versuchen Ermittler des Landeskriminalamtes NÖ und die Staatsanwaltschaft St. Pölten herauszufinden, ob Bewohner des SeneCura-Pflegeheimes in Sitzenberg-Reidling im Bezirk Tulln vernachlässigt, gequält und sexuell missbraucht wurden. Der Verdacht richtet sich gegen vier Pfleger, drei Frauen und einen Mann im Alter von 30 bis 45 Jahren.

WhatsApp-Chats gesichtet

Mittlerweile wurden in der Causa hunderte Befragungen durchgeführt, WhatsApp-Chats gesichtet und Dokumente sichergestellt. Demnächst soll das beschuldigte Quartett abermals einvernommen und mit den bisherigen Ermittlungsergebnissen konfrontiert werden. Die Erhebungen seien also noch nicht abgeschlossen, betont Leopold Bien, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten.

Auf der anderen Seite steht der St. Pöltner Rechtsanwalt Stefan Gloß, der die vier Verdächtigen vertritt. „Die Suppe ist äußerst dünn“, sagt Gloß zu den bisherigen Ergebnissen der Behörden. „Es wird immer jemanden geben, der mit der Arbeit des Pflegepersonals nicht zufrieden ist. Ob sich die Mitarbeiter aber auch etwas strafrechtlich zu Schulden haben kommen lassen, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier.“

Er bereite deshalb einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens vor, so der Rechtsanwalt im KURIER-Gespräch. Dieser soll demnächst eingebracht werden. Die Entscheidung, wie es in dem Fall dann weitergeht, trifft das zuständige Landesgericht.

Medikamente

Zuletzt machten in dem Fall Gerüchte die Runde, dass in der Causa Exhumierungen durchgeführt werden könnten. Ähnlich wie im Fall Kirchstetten soll es zu Auffälligkeiten bei der Medikation gekommen sein, konkret geht es um die Verabreichung von Beruhigungsmitteln. „Derzeit sind weder Exhumierungen noch Obduktionen geplant“, sagt dazu Bien.

Festnahme

Die vier ehemaligen Pfleger des SeneCura-Heimes in Sitzenberg-Reidling wurden übrigens nicht mit einem Arbeitsverbot belegt, wie Gloß und Bien bestätigen. Bei den Mitarbeitern einer Pflegeeinrichtung in Kirchstetten, die ebenfalls Patienten gequält und vernachlässigt haben sollen, wurde noch eine andere Vorgehensweise gewählt. Damals wurden zwei Beschuldigte festgenommen, weil sie während der Ermittlungen in Wien weiterhin als Pfleger tätig waren. Der Haftgrund: Tatbegehungsgefahr.

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