© Katharina Zach

Chronik Niederösterreich
05/14/2022

Heim statt Hauben: Neue Unterkunft für wohnungslose Menschen in Mayerling

Früher kochte hier Starkoch Heinz Hanner auf. Im Herbst sollen nun rund 35 wohnungslose Menschen in der neuen VinziRast am Land in Mayerling ein Zuhause finden

von Katharina Zach

Im benachbarten Gebäude wird noch gebohrt und gehämmert, im Glashaus wachsen allerdings bereits Topinambur und Tomaten. „Es ist alles grün, ich kann’s gar nicht glauben“, sagt Philip und sieht sich um. Erst Anfang des Jahres hat er die Samen in die Blumentöpfe im Glashaus gedrückt.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet der 40-Jährige für das Projekt VinziRast am Land in Mayerling, NÖ. Legte Beete an, stellte Zäune auf. Dort, wo einst Drei-Hauben-Koch Heinz Hanner Gourmets verwöhnte, sollen künftig 35 wohnungslose Menschen ein neues Zuhause finden. Und Beschäftigung. In der Landwirtschaft, mit den Hühnern oder eben im Glashaus. So wie Philip, der extra so oft wie möglich vom Wiener VinziRast-Cortihaus nach Mayerling pendelt.

„Das sind Dinge, die die Menschen erden“, sagt Architekt Alexander Hagner vom Architekturbüro Gaupenraub, der das Projekt plant und Ehrenmitglied der VinziRast ist. „Viele Menschen, die obdachlos sind, kommen eigentlich vom Land. Ihnen bleibt oft nichts anderes über, als in die Stadt zu ziehen, sie vermissen das Land aber.“

Verzögerung

Eigentlich hätte die VinziRast am Land bereits eröffnen sollen, doch Corona verzögerte den Baubeginn um ein Jahr. Nach dem Konkurs von Hanner 2016 hatte eine Privatstiftung von Hans Peter Haselsteiner das 2,7 Hektar große Areal samt Seminarhotel gekauft und der Vinzenzgemeinschaft St. Stephan zur Verfügung gestellt. Auch für den Umbau spendete er großzügig, doch dann war mehr instandzusetzen als gedacht. „Es waren viele Leichen im Keller“, sagt Hagner.

Vieles war nur dank Spenden möglich. Das Anlegen der Felder, des Teichs sowie den Pflanzenanbau erledigten die VinziRast-Bewohner selbst. Im September kann nun endlich eröffnet werden.

Von einer Einrichtung für obdachlose Menschen zu sprechen ist ohnehin zu kurz gegriffen. Vielmehr soll die VinziRast am Land eine Anlaufstelle für Wohnungslose, Anrainer, Besucher, Freiwillige werden.

Das 670 m2 große Glashaus und bis zu 200 Hühner sollen Nahrungsmittel für Obst- und Gemüsekistl, das VinziRast-Lokal „mittendrin“ und einen Hofladen liefern. Dafür wurde das komplett zerlegte, alte Treibhaus von zwei pensionierten Glasbauern wieder aufgebaut. Der neue Hühnerstall ist ein altes Stadl, das aus dem Kamptal hergebracht wurde; für das Dach wurden Solarpaneele gespendet.

Jausenstation für Pilger

Auch gekocht soll in der einstigen Hauben-Küche wieder werden: Denn Hagner und Obfrau Veronika Kerres planen neben Catering vor Ort auch eine Jausenstation, immerhin führt der Pilgerweg nach Mariazell vorbei. Wo einst die Hautevolee mit Blick über den Wienerwald speiste, entstehen gerade die Werk- und Therapieräume.

Sechs Zimmer und ein Schlafsaal sollen Gästen wie Pilgern, Seminargästen oder auch Schulklassen zur Verfügung stehen. Sogar Events in der neuen Orangerie sollen möglich sein. „Die Idee ist auch, dass Anrainer ehrenamtlich oder hauptamtlich hier arbeiten“, sagt Hagner. „Einst war es eine Anlaufstelle für einen Rand der Gesellschaft, nun soll es das Zuhause für den anderen Rand werden.“

Das würde auch Philip gefallen. „Es ist so schön hier, es fehlt einem an nichts.“

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