In der Betreuungseinrichtung Gruft gibt es Schlafplätze, warme Mahlzeiten und Hilfsangebote

© Caritas/Gernoth Kerth

Obdachlosigkeit
12/08/2021

Die Gruft: Therapie-Bedarf noch nie so hoch wie heuer

Das Betreuungszentrum Gruft ist ein wichtiger Zufluchtsort für obdachlose Menschen – besonders in der Pandemie.

von Agnes Preusser

Therapiestunden in der Gruft, dem Caritas-Betreuungszentrum für obdachlose Menschen in Mariahilf, anzubieten, ist kein Selbstläufer. Das erzählt Leiterin Judith Hartweger. Feinfühlig müsse man sein, kontaktfreudig, und man müsse sich sehr um die Klienten bemühen.

„Für die Menschen hier ist es ein großer Schritt, in den ersten Stock zum Therapiezimmer zu gehen“, sagt Hartweger. Oft würden dem mehrere zwanglose Gespräche in der lockeren Atmosphäre des Gemeinschaftsraums vorausgehen, um das nötige Vertrauen aufzubauen.

Wer aber einmal davon überzeugt wurde, Hilfe anzunehmen, greife immer wieder darauf zurück. Die Themenvielfalt ist dabei breit und dreht sich um Fragen wie „Wie bereite ich mich auf einen Entzug vor?“ bis hin zu „Wie schaffe ich es wieder, meinen Alltag zu meistern?“.

Seit 2010 wird in der Gruft professionalisierte Psychotherapie angeboten, so hoch wie heuer ist der Betreuungsbedarf laut Hartweger aber noch nie gewesen.

Nicht nur bei den akut Obdachlosen gebe es vermehrt Ängste. Sondern insbesondere auch bei jenen, die bereits wieder in eigenen Wohnungen untergekommen sind. „Dieses Eingeschlossen-Sein, das der Lockdown mit sich bringt, sind viele nicht mehr gewohnt“, so Hartweger.

Hilfe vor Ort

In den vorangegangenen Lockdowns wurden die Therapiegespräche über den Chat-Dienst Skype oder Telefon angeboten, mittlerweile können sie aber auch wieder vor Ort stattfinden. Man habe sich zu dieser Vorgehensweise entschlossen, erzählt Hartweger, weil da „so viel Depression im Raum war. Die Menschen sind regelrecht verfallen“.

Zusätzlich zur Pandemie „beginnt für obdachlose Menschen jetzt die härteste Zeit des Jahres“, sagt Klaus Schwertner, geschäftsführender Direktor der Caritas Wien. „Es ist bereits bitterkalt und der Winter ist spürbar da.“

Erschwerte Bedingungen

Im Notquartier der Gruft arbeitet man derzeit außerdem unter erschwerten Bedingungen. Statt 68 Schlafplätzen könne man derzeit coronabedingt nur 22 anbieten. Da es sich um einen Gemeinschaftsraum handelt, bedeutet das: Wenn einer positiv getestet wird, müssen alle in Quarantäne.

Trotzdem gebe es auch diesen Winter genügend Schlafplätze. Bis Anfang Mai stellt die Stadt Wien im Zuge des Winterpakets 1.700 Plätze zur Verfügung, darunter auch Unterbringungsmöglichkeiten für Familien.

Wie auch schon im ersten Pandemiewinter 2020 werden die Notquartiere auch heuer im 24-Stunden-Betrieb geführt. „Wir würden uns wünschen, dass diese Rund-um-die-Uhr-Betreuung etwas ist, das von dieser Pandemie übrig bleibt“, sagt Hartweger, „aber das wird von den Kosten wohl nicht gehen. “

Geld ist auch bei der alltäglichen Betreuung ein Thema. „Ohne Spenden wäre ein großer Teil unserer Hilfe nicht möglich. Die Hilfe kommt an. Und die Hilfe wird dringend benötigt“, so Schwertner. Finanziert werden damit die Einrichtung selbst, Essen – und eben auch die Therapieangebote.

Spendenmöglichkeit

Seit dem Jahr 2005 gibt es die Kardinal-König-Patenschaft zwischen Raiffeisen und dem KURIER, bei der jährlich für die Gruft Spenden gesammelt werden.

Spendenkonto: RBI Raiffeisen Bank International; BIC: RLNWATWW; IBAN: 46 3200 0000 0811 9901, Kennwort: Kardinal-König-Patenschaft

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