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Chronik Niederösterreich
10/22/2021

Habsburg-Lothringen: Erbe des Waldviertels und der Familie

Als Nachfahre einer der traditionsreichsten Familien setzt sich Andreas Salvator Habsburg-Lothringen für die Tradition der Waldviertler Teichwirtschaft ein

von Sophie Seeböck

„Das ist eine lange Geschichte“, meint Andreas Salvator Habsburg-Lothringen lachend auf die Frage, wie er in die Stadt Gmünd kam.

Zwar ist der 85-jährige gebürtiger Waldviertler, da er am unteren Zipfel in Persenbeug (Bezirk Melk) aufwuchs. Viele Jahre lang war aber die ganze Welt sein Zuhause, bis er vor 20 Jahren seinen Lebensmittelpunkt in sein Erbschloss nach Gmünd verlegte.

Keine Ruhe

Ein „zur Ruhe setzen im hohen Norden“ war der Umzug für Habsburg-Lothringen aber nicht.Als größter privater Grundbesitzer der Stadt Gmünd bewirtschaftet er 420 Hektar Forst und 42 Hektar Teichflächen.

Genauso wie an rund 1.800 anderen Teichen im nördlichen Niederösterreich geht die Teichwirtschaft am Gut Gmünd auf eine 800-jährige Tradition zurück, die die Zisterzienser in die Region brachten. Die von Hand gegrabenen Teiche sind für Habsburg-Lothringen ein Kulturgut, das nicht nur erhalten, sondern auch in die Welt hinaus getragen werden soll.

Seit nunmehr drei Jahren setzt er sich deshalb für eine Anerkennung der Waldviertler Teichwirtschaft als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO ein. Eine Entscheidung über den Antrag, den Habsburg gemeinsam mit dem Verein ITKI einbrachte, wird in den kommenden Monaten erwartet.

„In Österreich gibt es für vieles Anerkennungen. Von der Elsbeere bis zum Zuckerbäcker hat sich jeder als Kulturerbe vorgestellt. Bei der Teichwirtschaft wird oft nur den Teichen und Fischen, nicht aber den Fischern als Erhalter gedacht. Ich wollte, dass diese Menschen, die hier so viel Kultur aufrechterhalten, Aufmerksamkeit bekommen“, erklärt der 85-Jährige sein Engagement.

Bedeutsamer als die Anerkennung des Kulturerbes selbst ist aber der Impuls, der dadurch für die Region gegeben wird.

Chance für die Zukunft

„Das Waldviertel ist, wenig überraschend, für seine Wälder bekannt. Doch der Borkenkäfer bedroht diese heute. Auch die Industrie der Umgebung ist abgewandert“ schildert Habsburg die Probleme des Umlands. Damit strukturschwache Regionen wie diese auch künftig eine Chance haben, brauche es Weitblick unter Berücksichtigung der Themen Ökonomie, Ökologie und EU-Zukunft.

Als Schirmherr und Initiator des Antrags an die UNESCO bleibt Habsburg aber bescheiden. Egoismus und Hedonismus liegen ihm fern, die Arbeit für seine Mitmenschen sei ihm „in die Wiege gelegt worden“, so der direkte Nachfahre von Kaiser Franz Joseph schmunzelnd.

„Jeder Mensch hat andere Fähigkeiten – die einen können denken, die anderen arbeiten. Es geht um die Zusammenarbeit“, ist Habsburg-Lothringen überzeugt. Sein Beitrag zur Förderung der Region leistet er durch seine internationalen Kontakte.  „Es geht nicht darum, wer das Geld hat, sondern, wer die Ideen hat“, erklärt der 85-Jährige. „Ich bin ein reicher Mensch, weil ich viele Leute kenne.“ 

Wissenschaftlicher Austausch

So beispielsweise auch Francesco Bandarin.  Der ehemalige stellvertretende Generaldirektor der UNESCO für Kultur konnte für einen Vortrag im Rahmen  des Symposiums „Erbe Waldviertler Teichwirtschaft“ im Palmenhaus des Schlossareals in Gmünd am vergangenen Wochenende gewonnen werden. Dabei wurde nicht nur die traditionelle Bewirtschaftung in den Fokus der Wissenschaft gerückt, sondern auch die Bedeutung Gmünds als Teil der europäischen Wasserscheide diskutiert. 

„Wir haben einen Teich, dessen Ablauf ins Schwarze Meer, der Überlauf aber in die Nordsee mündet“, schildert Habsburg-Lothringen die Besonderheit der Region. „Um die Wasserscheide zu verstehen und zu entdecken, wie besonders das Wasser ist, muss man den Kopf nach unten richten. Das machen nicht viele“, gibt der 85-Jährige zu bedenken. 

Wissen grenzübergreifend zusammengetragen

Hinter der Waldviertler Teichwirtschaft stecke laut dem Initiator „große Arbeit, aber auch großes Wissen“. „Es gibt genügend Menschen die das alles studieren, das gesamte Wissen wurde aber noch nie so über die Grenze zusammengetragen“, schildert er die Zusammenarbeit mit der südböhmischen Universität und der Donauuniversität Krems, die sich der Erforschung dieser Kulturstätten im Rahmen des Symposions angenommen haben.

Rein mit „intelligentem Fachsimpeln“ wolle Habsburg-Lothringen die Region aber nicht beleben. „Momentan arbeite ich gerade am Entwurf der Gmünder Deklaration, worin festgeschrieben werden soll, wie schützenswert diese Kulturlandschaft ist.“

Die Natur nutzen 

Hier im Waldviertel gehe die Bewirtschaftung an der Natur nicht spurlos vorbei. So werde beispielsweise der Boden durch das Nutzen von schweren Maschinen immer weiter verdichtet. „Es ist unwahrscheinlich, was der Mensch von der Natur genommen hat, wie viele Flächen versiegelt werden. Die Natur darf nicht nur als Abfallkübel verwendet werden. Sie muss weise genutzt werden“, erklärt Habsburg. Im Waldviertel werde so der Regen als „öffentliches Gut“ in den Teichen zu einer Dienstleistung.

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