Martin Fasan kehrt der Politik und dem Neunkirchner Rathaus den Rücken

© Trimmel Sascha

Chronik Niederösterreich
01/30/2020

Grünen-Urgestein Fasan beendet nach 35 Jahren Politkarriere

Gründungsmitglied der Öko-Partei, Besetzer der Hainburger-Au und Landtagsabgeordneter: Martin Fasan hat politisch einiges bewegt.

von Patrick Wammerl

Vom Besetzer der Hainburger-Au zu Erwin Prölls Gegenspieler im niederösterreichischen Landtag und schließlich Vizebürgermeister in einer schwarz-grünen Stadtregierung in Neunkirchen. Martin Fasan ist einer der Urväter der grünen Bewegung in Österreich. Als Gründungsmitglied war er maßgeblich an der Geburtsstunde der Öko-Partei beteiligt. Fasan schrieb Geschichte, als er 1985 als erster Grüner in den Gemeinderat seiner Heimatstadt Neunkirchen einzog, noch bevor die Fraktion bei der Nationalratswahl ein Jahr später den Sprung ins Parlament schaffte.

Schlussstrich

Nach 35 Jahren zieht der 60-Jährige überraschend einen Schlussstrich unter seine Politikerlaufbahn. Anlass dafür war ein lapidarer. Weil der Zuwachs bei der Gemeinderatswahl am vergangenen Sonntag (14,1 %, plus 0,6 %) nicht so hoch ausfiel, wie sich Fasan das als Vizebürgermeister gewünscht hatte, "übernehme ich dafür als Spitzenkandidat die politische Verantwortung und ziehe mich zurück". Das teilte der Politiker am Donnerstag in seiner Abschieds-Pressekonferenz mit.

Als er aus vollster Überzeugung 1984 bei der Besetzung der Hainburger Au dabei war und Seite an Seite mit Arik Brauer und Freda Meissner Blau demonstrierte, war für ihn klar, sich auch in Zukunft ökologisch zu engagieren. 1998 zog Fasan neben Umweltaktivistin Brigid Weinzinger in den NÖ Landtag ein. Auf die Zeit der politischen Schlagabtäusche mit Landeshauptmann Erwin Pröll blickt der Lehrer heute mit "heiterer Gelassenheit" zurück. "Es war eine sehr rigide Machtpolitik die ich da verspürt habe. Aber Pröll war eben eine sehr starke Persönlichkeit der genau ebenso starke Persönlichkeiten geliebt hat", sagt Fasan.

Als er 2008 aus dem Landtag ausschied, habe sich Pröll als Hellseher entpuppt. "Er sagte zu mir, dass wir gemeinsam in Neunkirchen noch viel vorhätten". Zwei Jahre später ging Fasan in seiner Heimatgemeinde mit der ÖVP eine Koalition ein und wurde Vizebürgermeister.

Selbst habe sich der AHS-Professor für Geschichte und Musik nie als weltfremd und brachial gesehen. "Ich bin eine Art Alt-Hippie der mit seiner Frau im Kleinbus durch Europa fährt und auch im Auto schläft. Geflogen bin ich aus umweltpolitischen Gründen sicher schon zehn Jahre nicht. Aber ich würde niemals jemand das Fliegen madig machen", so Fasan.

Im Grunde gehe es bei seiner Philosophie darum, sein Konsumverhalten und den Lebensstil möglichst ökologisch zu gestalten. "Ich empfinde Elektroautos als gut, aber nur als sinnvolle Ergänzung. Es ist doch absurd jedem, der grün denkt das Auto, zu verbieten. Ich selbst nutze das E-Carsharing und fahre wenn möglich mit dem Rad, oder gehe so oft wie möglich zu Fuß".

Bundespolitisch ist Fasan ein Fan der grünen Regierungsbeteiligung. "Ich war lange genug in der Opposition um zu wissen, dass man viel mehr verändern kann, wenn man selbst regiert und Verantwortung übernimmt. Es ist wichtig, dass sich die Grünen dieser Aufgabe stellen", so der 60-Jährige.

Rückzug

Was das politische Geschehen in Neunkirchen anbelangt, übergibt Fasan die Agenden an seinen Nachfolger Johann Gansterer. Er wird das Stadtratsmandat für die Grünen übernehmen und im Falle erfolgreicher Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP auch als Vizebürgermeister zur Verfügung stehen. "Ich glaube, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für meinen Rücktritt gekommen ist. Natürlich kann man mir vorwerfen, dass ein Rücktritt nach einer Wahl eine Art Wählertäuschung darstellt. Andererseits darf man auch die Konsequenzen ziehen, wenn ein Wahlergebnis anders ausfällt, als propagiert", sagt Fasan zum Abschied.

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