Gewaltdelikte gegen Frauen stiegen 2020 um 17 Prozent

© Getty Images/iStockphoto/lolostock/istockphoto.com

Amstetten
07/15/2021

Gewalt gegen Frauen: „Nachbarschaft kann Leben retten“

Amstetten ist als einzige Stadt in NÖ in das Bundes-Präventionsprojekt „Stop – Stadtteile ohne Partnergewalt“ aufgenommen. Hellhörige, engagierte Nachbarn sind dabei gefragt

von Wolfgang Atzenhofer

„Nachbarn zu sensibilisieren und mit einzubeziehen ist ein Kernstück der Gewaltprävention im häuslichen Bereich.“ Niederösterreichs Sozial- und Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) setzt große Hoffnungen auf das neue Projekt „Stop – Stadtteile ohne Partnergewalt“, das über das Sozialministerium in elf österreichischen Städten, darunter in NÖ nur in Amstetten, gestartet wurde.

Trotz der fortschrittlichen und zum Teil führenden Gesetzgebung zum Schutz der Frauen vor Gewalt liegt Österreich innerhalb der EU bei Femiziden und Bluttaten an Frauen an einer vorderen Stelle. Gewaltdelikte an Frauen sind im Vorjahr allein in NÖ um 17 Prozent gestiegen.

Die Polizei musste 2020 2.280 Betretungs- und Annäherungsverbote aussprechen und 193 Frauen mit 197 Kindern blieb nur die Flucht in eines der sechs nö. Frauenhaus als Ausweg, berichtete Königsberger-Ludwig von einem Dilemma. An einem auf Landesebene installierten und von vielen Experten besetzen Runden Tisch versuche man Maßnahmen zu setzen, schilderte die Landesrätin.

Organisiert vom Amstettener Frauenhaus wird nun das neue Projekt aufgezogen. Eine eigens engagierte Sozialarbeiterin werde Häuserblöcke und Siedlungsstraßen durchkämmen, um dort von Tür zu Tür die Meinung der Leute zum Thema Gewalt zu eruieren.

Zivilcourage

Und dabei soll auch möglichst vielen Bewohnern und Nachbarn ins Gewissen geredet werden, um „nicht wegzuschauen und wegzuhören“, wenn sich in ihrer Umgebung Gewaltexzesse abspielen, kündigt die Projektleiterin Ursula Kromoser-Schrammel an. Nachbarn sollen Opfern Zuspruch und Beratung anbieten, aber auch einmal anläuten, wenn die Situation eskaliert. Auch die Polizei oder die Religionsgemeinschaften werde man mit ins Boot holen. „Nachbarschaft kann Leben retten“, ist Kromoser-Schrammel überzeugt.

Aus ihrer Tätigkeit im Frauenhaus weiß sie, dass Opfer oft von den Mitbewohnern in Wohnblöcken im Stich gelassen werden. „Mütter erzählen uns von ihren Hilfeschreien, auf die niemand reagiert hat“, so die Frauenhausleiterin. Amstettens Bürgermeister Christian Haberhauer (ÖVP) will die Gewaltpräventionsaktion in das bestehende Sicherheitsnetzwerk in der Stadt einbinden. „Man muss Nachbarn Handlungsanleitungen mitgeben“, sagt er.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.