Das Jagdkommando arbeitet mit Malinois-Militärhunden

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Chronik Niederösterreich
02/20/2020

Getöteter Soldat: Heer setzt bissige Hunde nicht mehr ein

Laut DNA-Gutachten sind auch Bissspuren des jungen Privathundes am gesamten Körper des Opfers verteilt.

von Patrick Wammerl

Die beiden Belgischen Malinois „Hati“ und „Ragna“ befinden sich drei Monate nach der tödlichen Bissattacke auf den Jagdkommando-Soldaten Dominik R. (31) immer noch in Quarantäne in Wiener Neustadt. Beim Bundesheer werden sie nie mehr eingesetzt, bestätigt Heeressprecher Michael Bauer. Ob die Tiere eingeschläfert werden, entscheidet nach dem Abschluss der Untersuchungen die zuständige Amtstierärztin.

Indes prüft die Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt ob es in der Causa ein schuldhaftes Verhalten des Heeres beziehungsweise eines der Bediensteten gibt. Neue Erkenntnisse haben dazu auch die Gutachten gebracht. Laut den DNA-Untersuchungen hat nicht nur der ältere Militärdiensthund Hati zugebissen.

Am rechten und linken Oberschenkel (Öffnung der Schlagader), sowie an anderen Extremitäten sind laut DNA ebenfalls Bisswunden des jungen Privathundes Ragna. Dieser galt – wohlgemerkt wegen Beißhemmungen – als dienstuntauglich und hätte nur gegen Sondergenehmigung in der Kaserne sein dürfen.

40 Prozent des Körpers betroffen

Laut Obduktion waren rund 40 Prozent der Körperoberfläche des Opfers durch die Hunde in Mitleidenschaft gezogen. Dem Gutachter nach wäre der Tod des Soldaten nur bei Auffindung innerhalb weniger Minuten nach der Attacke zu verhindern gewesen, zu hoch war der Blutverlust.

Der Anwalt der Familie des Opfers, Erich Gemeiner, sieht durch die Gutachten das Bundesheer in der Verantwortung. Dominik R. war eingeteilt die beiden Hunde eines Kollegen in dessen Abwesenheit zu versorgen. Es waren nicht seine Tiere. „Und das auf einem Gelände, welches komplett uneinsichtig ist und entgegen den geltenden Vorschriften nicht bestreift und kontrolliert wurde. So leid es mir tut, aber an gegenständlichem Vorfall ist von Seiten des Bundesheeres nunmehr schlichtweg nichts mehr schön zu reden“, so Gemeiner. Der Anwalt fordert, dass man beim Heer Verantwortung für den Zwischenfall übernimmt.

Von Seiten des Bundesheeres wartet man zunächst die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab. Es geht um den Verdacht der Gefährdung der körperlichen Sicherheit und der grob fahrlässigen Tötung. Ermittelt wird gegen den Besitzer der beiden Hunde sowie gegen weitere Bedienstete des Heeres.

Umstellungen im Dienstbetrieb

Intern gab es Umstellungen im Umgang mit den Diensthunden, bestätigt Bauer. Dazu zähle beispielsweise ein Alarmplan für Hundeführer außerhalb der Normdienstzeit. Verbesserungen soll es im Arbeitsbereich der Hundeführer geben. Gemeint ist damit eine Aufenthaltsmöglichkeit samt Sanitäranlagen und Lagerungsmöglichkeiten für Ausrüstung im Bereich der Zwingeranlage. Außerdem soll es eine Schulung für Bedienstete über das Verhalten gegenüber freilaufenden Hunden in Kasernen, in denen Militärhunde gehalten werden, geben.