Chronik | Niederösterreich
12.12.2017

Gasexplosion bei Überprüfung: Toter war TÜV-Mitarbeiter

Erste Hinweise auf eine mögliche Ursache - Am Montag wurde ein neuer Anlagebehälter in Betrieb genommen

Bei dem Toten nach der Gasexplosion in der Pumpstation Baumgarten in Niederösterreich handelt es sich laut KURIER-Informationen um einen österreichischen Sicherheitsmitarbeiter des TÜV (Technischer Überwachungsverein). Dieser war gerade mit Überprüfungen am Gelände beschäftigt als es zu der gewaltigen Explosion kam, wie zwei unabhängige Quellen bestätigten.

Weil der Leichnam des Opfers allerdings nur schwer zu identifizieren ist, wird nun ein DNA-Abgleich gemacht. Dieser soll endgültige Sicherheit schaffen. Der getötete Mann ist 32 Jahre alt und verheiratet. Informationen über seine Identität will die Polizei erst dann offiziell bestätigen, wenn das Ergebnis eines DNA-Abgleichs vorliegt. „In so einem Fall muss man immer den Abgleich der biometrischen Daten abwarten“, sagt der Leiter des niederösterreichischen Landeskriminalamtes, Omar Haijawi-Pirchner, zum KURIER.

Neuer Anlagebehälter

Damit könnte es erste Hinweise auf eine mögliche Ursache für die Explosion geben. Offenbar war am Montag ein neuer Anlagebehälter in Betrieb genommen und mit 6 Bar Druck begast. Nachdem am Dienstag kein Druckverlust bemerkbar war, sollte er in Vollbetrieb übernommen werden - das sollte vom TÜV überprüft werden. In diesem Bereich kam es um 8.45 Uhr zu der Verpuffung, die sechs Nebengebäude der Pumpstation in Brand setzte und ein Todesopfer sowie 21 Verletzte forderte.

Der erste Notruf traf um 8.46 Uhr bei der Feuerwehr ein, zunächst war nur von einem Wohnungsbrand die Rede. Nach und nach wurde das gesamte Ausmaß ersichtlich. Die genaue Ursache für die tödliche Explosion ist noch Gegenstand von Untersuchungen durch das Landeskriminalamt Niederösterreich, morgen sollen bei Tageslicht noch Spezialisten der Kriminaltechnischen Zentralstelle des Bundeskriminalamts Untersuchungen durchführen. Die Anlage wurde unmittelbar nach dem Vorfall laut den Betreibern kontrolliert heruntergefahren und ist vorerst außer Betrieb. Nach Italien gibt es bis auf weiteres keine Gaslieferungen mehr, weshalb in Teilen Europas der Gaspreis anzog.

Beim TÜV (Technischer Überwachungsverein) wollte man sich auf Nachfrage nicht zu dem möglichen Ableben eines Mitarbeiters des Unternehmens äußern. „Wir kennen auch nur die offiziellen Aussagen der Behörde zu dem Unglück und nicht mehr“, sagte ein Pressesprecher.

Österreich zapft Gasspeicher an, Italien spricht von einem Notfall

17Der Gasimport aus Russland wurde nach der Explosion in NÖ gestoppt. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Auswirkungen auf die Gaskunden:Die E-Control hat gestern eine Krisenstab eingerichtet. Warum?Mitarbeiter der E-Control und des Wirtschaftsministeriums beraten, ob Notfallsmaßnahmen getroffen werden müssen. Aus aktueller Sicht sei die Versorgung in Österreich nicht gefährdet, betont Bernhard Painz, Gasexperte der E-Control. Bei langfristiger Unterbrechung des Gasimports kann das Ministerium eine Not-Verordnung erlassen. Dann könnten Großabnehmer von der Gasversorgung abgeschnitten werden.

Was passiert üblicherweise in der Gasstation Baumgarten?

In Baumgarten kommt Gas aus den rund 7000 Kilometern entfernten sibirischen Erdgasfeldern durch sieben dicke Pipelines, die durch Russland, die Ukraine und die Slowakei gehen, in Österreich an. Dort wird es in Verdampfern entwässert, in Kompressoren verdichtet und auf weiterführende Pipelines verteilt: zum einen für die Inlandsversorgung, zum anderen über die Trans Austria Gasleitung (TAG) nach Italien und die West Austria Gasleitung (WAG) in den Westen. Insgesamt werden 40 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr in Baumgarten umgeschlagen. In Österreich bleiben bis zu fünf Milliarden Kubikmeter (50 bis 60 Prozent des Inlandsverbrauchs). Neben Russen-Gas hat Österreich Gas aus Norwegen und Inlandsgas.

Woher kommt jetzt das Gas?

Der Import aus Russland wurde zwar gestoppt, Gas aus Norwegen, das über Deutschland kommt, gibt es weiterhin. Zudem werden die Speicher angezapft. Die rund acht Milliarden Kubikmeter fassenden Lager sind laut Bernhard Painz, Gasexperte der E-Control, zu 78 Prozent gefüllt. Das sichert die Versorgung für Monate.

Sind alle Speicher ans österreichische Gasnetz angebunden?

Die Speicher der OMV, der RAG (siehe Grafik) und die "Seven Fields" der deutschen Uniper in Oberösterreich liefern direkt in das heimische Pipelinenetz. Jene der Gazprom, ebenfalls in Oberösterreich, liefern ins bayerische Gasnetz und stehen daher nicht unmittelbar für die österreichische Versorgung zur Verfügung.

Was bedeutet die Gasimport-Sperre für Österreichs Nachbarländer?

Problematisch ist die Lage in Italien. Die Gaslieferungen von Österreich über die TAG stellen eine wichtige Versorgungsquelle dar. Die Regierung hat daher den "Notfall" ausgerufen: Das heißt, dass die Versorger mehr Gas als normalerweise erlaubt aus den Speichern nehmen dürfen. Zudem hat Italien Gas aus Libyen und Algerien sowie Flüssiggas, das an drei Häfen übernommen werden kann. Slowenien wird kurzfristig mit Gas über eine Leitung durch Ungarn versorgt. Deutschland ist nicht betroffen, es bezieht seit längerem kein Gas mehr über die WAG. (Update 20:42 - Die Lieferungen sollen noch am Dienstag wieder aufgenommen werden.)

Wird Erdgas jetzt teurer?

Die Großhandelpreise sind unmittelbar nach dem Unfall stark gestiegen. An der Handelsstation Baumgarten wurde die Megawattstunde Gas um ein Viertel teurer. Für Endkunden sollte das aber nichts bedeuten. Ihre Preise würden nur dann steigen, wenn der Gaspreis im Großhandel längerfristig auf dem höheren Niveau bleibt. Davon gehen Experten aktuell nicht aus.