Föhrenwald in Flammen: Betroffener rechnet mit Behörden ab
Josef Grabner ist Grundbesitzer im Föhrenwald.
Seit fast drei Jahrzehnten wird das Thema zwischen den Behörden hin- und hergeschoben. Die Räumung alter Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg im Föhrenwald bei Wiener Neustadt wird bei den immer häufigeren Waldbränden zur Lebensgefahr für die Einsatzkräfte.
Im Herbst soll ein Gesprächsgipfel Lösungen aufzeigen, wie man die riesige Fläche sicherer machen kann. Der KURIER hat sich in dem 4.000 Hektar großen Wald an der B17 zwischen Neunkirchen und Wiener Neustadt auf Spurensuche begeben.
„Hier ist Österreichs Waldbrand-Hotspot“, sagt Josef Grabner, als er mit dem KURIER durch die Saubersdorfer Trift in den Föhrenwald bei St. Egyden am Steinfelde fährt. Am 5. August ist hier ein riesiger Waldbrand ausgebrochen, 100 Hektar Wald standen in Flammen. Wenige Tage später wurden beim zweiten Großbrand weitere 60 Hektar Wald vernichtet.
Waldbesitzer übt Kritik
Ein Teil davon gehört auch Josef Grabner. Einige seiner Flächen, die er nach dem letzten Feuer mühsam wieder aufgeforstet hat, sind vernichtet. „Das war am 7. April 2020“, weiß es der frühere Polizei-Kommandant genau. Ungefähr 3,6 Hektar Schwarzföhrenwald besitzt Grabner, er hat den Grund mit seiner Schwester von den Eltern geerbt. Ein Hektar davon ist jetzt wieder zerstört.
Keine Schranken
Dass der Wald immer wieder brennt, das weiß Grabner seit Jahrzehnten. Aber einige Details ärgern ihn dabei, man könnte besser vorsorgen oder Brände vielleicht sogar verhindern. Grabner kann lästig sein, wenn ihm etwas nicht passt. Der passionierte Triathlet hat einen langen Atem. Und als ehemaliger Polizeibeamter weiß er auch, dass man lästig sein muss, wenn man bei den Behörden etwas erreichen will.
Was ihn stört, ist zum Beispiel, dass die Zufahrten in den Wald nicht durch Schranken gesichert sind. Als Waldbesitzer darf er hier fahren, aber an Wochenenden würden alle möglichen Leute ihre Autos im Wald abstellen, sagt er. Die Behörde meint, dass Schranken sich nicht auszahlen, weil man mit dem Auto auf vielen Wegen in den Wald gelangen könne. Ja, das stimme, aber die meisten Spaziergänger würden diese Wege nicht kennen. Dass gerade die Zufahrt über die Saubersdorfer Trift nicht abgesperrt ist, ärgert ihn, denn sie ist sehr leicht zu finden.
Josef Grabner zeigt die Schäden des Waldbrandes.
Ein paar Meter das nächste Ärgernis. Oder ist es Schlamperei? Hier liegt ein riesiger Stoß aus staubtrockenen Baumstämmen aufgestapelt. Angerichtet wie für eine Grillerei unter Riesen. Gleich daneben steht noch ein Faltpool der Feuerwehr, aus dem die Löschhubschrauber noch vor wenigen Tagen Wasser gezogen haben. Die Szene wirkt grotesk sarkastisch. „Wenn der Stoß brennt, muss der auch noch gelöscht werden. Warum wird er nicht weggeräumt, wenn bekannt ist, dass die Waldbrandgefahr so hoch ist?“, fragt sich Grabner.
Illegale Holzlager, Behörde reagiert
Ein paar hundert Meter weiter ist noch viel mehr gestapeltes Holz zu sehen. Eine Firma hat hier ein kleines Holzlager, es ist illegal, sagt Grabner. Das Problem ist das gleiche wie zuvor: Warum lagert trockenes Holz in einem Wald, der hochgradig brandgefährdet ist? Und warum ist hier auch Buchenholz gelagert, wo es doch weit und breit nur Schwarzföhren gibt? Es wird also nicht nur hier geschlagenes Holz gelagert, sondern zusätzlich welches hergebracht. Auch das interessiere kaum jemanden, sagt Grabner, der auch dazu eine Anfrage bei der Behörde gemacht hat.
Wie eine Anfrage des KURIER bei der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen ergeben hat, ist der Behörde das Problem bereits bekannt. Zwar sei die Lagerung von Holz durch den Eigentümer im Umfang der üblichen Waldbewirtschaftung vor Ort erlaubt. „Allerdings entspricht das darüber hinausgehende Lagern von Holz einer gewerblichen Nutzung und ist verboten. Werden solche gewerblichen Lagerungen festgestellt, so wird seitens der Forstbehörde die Entfernung aufgetragen. Dieser Entfernungsauftrag ist im konkreten Anlassfall bereits ergangen“, heißt es vonseiten der BH.
Illegale Holzlagerungen sollen von der Behörde per Bescheid unterbunden werden.
Brandausbruch durch alte Munition
Beide Großbrände im August im Föhrenwald sind durch Munitionsteile ausgelöst worden. Der darin enthaltene Phosphor hatte sich entzündet, lautet das offizielle Ermittlungsergebnis der Polizei.
„Seit 18. Juli 2020 hat die Behörde hier keine Schritte zur Räumung gesetzt“, sagt Josef Grabner. Dabei entzündet sich Phosphor ab ca. 30 Grad Celsius, „und man wusste, dass es so heiß wird“. Grabner fragt sich, warum der Wald nicht ab und zu bewässert wurde, um ihn abzukühlen. Oder warum das Areal nicht mit Drohnen überwacht wurde.
Mit dem Thema soll sich im September ein Krisengipfel aller Verantwortlichen beschäftigen. Grundsätzlich ist die Rechtslage so: Für die Suche nach Kriegsrelikten und alter Munition müssten die Grundstückseigentümer selbst eine Firma für Kampfmittelerkundungen beauftragen. „Die Kosten für die Arbeiten dieser privaten Unternehmen sind vom jeweiligen Auftraggeber zu tragen“, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Erst ab dem Zeitpunkt eines Fundes kommt der Bund ins Spiel. Der Entminungsdienst des Heeres ist erst nach einem Fund für die kostenlose Bergung und Entsorgung zuständig. Allein heuer hat der Entminungsdienst (EMD) des Heeres bei 624 Einsätzen bereits 12.803 Kilogramm Kriegsmaterial und Munition geborgen und vernichtet.
Aufräumarbeiten nach den Waldbränden im Föhrenwald.
Josef Grabner muss jetzt die Teile seines abgebrannten Waldes roden und aus den Resten Hackschnitzel machen. Dann muss wieder aufgeforstet werden. „Im Oktober müssen wir nachpflanzen und das Gelände dann einzäunen, sonst sind die ersten grünen Wipfel Salat für die Rehe.“
3.000 Jungbäume händisch setzen
Rund 1,40 Euro koste ein Jungbaum, 2.000 bis 3.000 davon müsste er dann händisch wieder einsetzen. Von der Waldbrand-Versicherung erhofft er sich einen Kostenersatz von rund 5.000 Euro, „damit wäre ich zufrieden. Aber die wird mich vermutlich bald kündigen, es ist ja schon der zweite Schadensfall, beim Brand 2020 habe ich 3.800 Euro bekommen.“ Und es gebe in Österreich nur ein großes Unternehmen, das Waldbrandversicherungen anbiete.
Im Föhrenwald neue Baumarten zu setzen ist schwierig: Die Humus-Schicht ist nur 20 Zentimeter dick, darunter ist Schotter. Das ist an den vielen Baumstümpfen, die die Feuerwehr beim Brand ausgraben und ablöschen musste, gut zu sehen. Ein kleines Feld mit Spitzahorn hat Grabner angebaut, das Feuer hat daran geknabbert – ob die Bäume überleben, wird sich erst zeigen.
Grabner liebt seinen Wald, er wohnt in Aspang am Wechsel, kommt aber oft hierher. „Ich mag dieses Gleichförmige am Föhrenwald, das strahlt extrem viel Ruhe aus.“
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