Absturz bei Rundflug zur Firmung: Das war der letzte Funkspruch
Die Piper zerschellte in einem Waldgebiet bei Gaming im Bezirk Scheibbs.
Der Rundflug von Niederösterreich über die Seenlandschaft des Salzkammergutes war ein Geschenk zur Firmung der 15-jährigen Nichte. Sie und ihr Onkel (41) haben den Flugzeugabsturz am Sonntag im Ötschergebiet (Bezirk Scheibbs) als einzige überlebt.
Der Pilot, Michael K. (47), und die 47-jährige Begleiterin von Onkel und Nichte kamen bei dem Unglück ums Leben, als die einmotorige Piper 28 Archer der Flugunion Seitenstetten-Biberbach (Bezirk Amstetten) Sonntagvormittag bei Gaming gegen einen Bergrücken prallte und zerschellte.
Großeinsatz der Helfer nach dem Absturz des Sportflugzeuges.
Indizien sprechen für technisches Gebrechen
Mittlerweile gibt es die ersten gesicherten Informationen, was aller Wahrscheinlichkeit nach zu dem tödlichen Flugzeugabsturz geführt hat. Die letzten beiden Funksprüche des Privatpiloten zeichnen ein eindeutiges Bild, was sich in den letzten tragischen Minuten des Rundfluges an Bord zugetragen hat.
Wie erfahrene Ermittler und Experten der Flugsicherung bestätigen, hat der Pilot vor dem Absturz Sonntagvormittag zwei eindeutige Funksprüche abgesetzt. Zunächst meldete Michael K. einen massiven Verlust des Öldrucks im Luftraum über Niederösterreich. „Wenig später gab es einen zweiten Funkspruch“, schildert ein Kriminalist.
„Totalausfall“ des Motors
Dabei meldete der Pilot einen „Totalausfall“ des Motors. Er kündigte eine Notlandung an. Das deckt sich auch mit Aussagen von Augen- und Ohrenzeugen am Boden, die „merkwürdige Motorengeräusche“ und „Motoraussetzer“ des Sportflugzeuges mitbekommen haben.
Großeinsatz der Einsatzkräfte bei Gaming.
Die verheerenden Folgen sind bekannt: Die viersitzige Piper stürzte im Gemeindegebiet von Neuhaus bei Gaming Sonntagvormittag in ein steiles, felsdurchsetztes Waldgebiet. Der Pilot und die 47-jährige Insassin starben infolge des harten Aufpralls im Flugzeugwrack.
Mädchen saß neben Flugzeugwrack
Das 15-jährige Mädchen überlebte wie durch ein Wunder leicht verletzt. Sie konnte sich sogar selbst aus den Trümmern des Wracks befreien. Ihr 41-jähriger Onkel wurde schwerverletzt. Feuerwehrleute, die auf der Rückfahrt vom Jugend-Landeslager waren, hatten von der Straße aus den Tiefflug der Maschine beobachtet und den Absturz mitbekommen.
Die Augenzeugen setzten nicht nur einen Notruf ab. Sie machten sich sofort von der Bundesstraße aus zu Fuß auf den Weg zu der entlegenen und schwer zu erreichenden Absturzstelle. Um überhaupt zu den Verunglückten gelangen zu können, mussten die Einsatzkräfte den Zugang teilweise mit Kettensägen und Werkzeug freimachen, schilderte die Feuerwehr. Zeitgleich wurden Polizei, Bergrettung, die Feuerwehr und zwei ÖAMTC-Notarzthubschrauber an den Unglücksort alarmiert. Ein aufwendiger Großeinsatz war die Folge.
Die 15-Jährige und ihr Onkel wurden vom Notarzthubschrauber per Tau gerettet und in Spitäler nach Amstetten und Linz geflogen. Der 41-Jährige wird laut Polizeisprecher Stefan Loidl weiterhin intensivmedizinisch im Spital betreut. Bei dem jungen Mädchen geht man davon aus, dass sie das Krankenhaus noch am Montag verlassen wird können.
Bergretter sicherten die Einsatzkräfte im steilen Gelände.
Pilot hatte seit 2024 Privatpiloten-Lizenz
Der Rundflug war dem Vernehmen nach ein Geschenk anlässlich der Firmung der 15-Jährigen. Die einmotorige Piper 28 Archer startete Sonntagfrüh am Flugplatz der Flugunion Seitenstetten. Der Pilot Michael K. hatte bei dem Fliegerclub im Oktober 2024 die Prüfung für die Privatpiloten-Lizenz positiv abgelegt. Im Herbst 2025 machte er außerdem die Prüfung für den „Touring Motor Glider“, also für eine bestimmte Klasse von Motorseglern.
Wie die aufgezeichneten Flugdaten zeigen, flog die Maschine nach dem Start in Richtung Steyr (OÖ), von dort über den Traunsee bis nach Nußdorf am Attersee (OÖ) und retour in Richtung Niederösterreich. Danach dürfte es zu einem technischen Gebrechen und dem Verlust des Öldrucks gekommen sein.
Wrack nach Wien gebracht
Nach dem Absturz ist das Flugzeugwrack infolge der Bergung sichergestellt worden. Ein Sachverständiger wird seitens der Staatsanwaltschaft St. Pölten bestellt. Er soll sich mit der technischen Ursachenforschung befassen, sagt Polizeisprecher Stefan Loidl. Angeordnet wurde von der Staatsanwaltschaft außerdem die Obduktion der Leiche des 47-jährigen Piloten.
Das Wrack des Leichtflugzeuges wurde nach Abschluss der Spurensicherung durch Tatortermittler des Landeskriminalamtes noch am Sonntagabend mit Hilfe eines Transporthubschraubers geborgen. Für die Ermittlungen der Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) wurde das Flugzeugwrack mitsamt allen Teilen nach Wien gebracht. Ein Ergebnis wird frühestens in einigen Monaten erwartet.
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