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Chronik Niederösterreich
05/28/2020

Enthaftung nach Vergewaltigung: ÖVP will Antworten von Zadic

Richter ließ den mutmaßlichen Vergewaltiger nach der ersten Festnahme enthaften, nun ist die Anklage fertig.

von Patrick Wammerl, Martin Gebhart

Der Fall hatte Ende April für Empörung gesorgt. Ein 22-jähriger afghanischer Asylwerber wurde, nur wenige Stunden nach einer versuchten Vergewaltigung und einem Messerangriff in Poysdorf im Weinviertel (Bezirk Mistelbach), von einem jungen Haft- und Untersuchungsrichter des Landesgerichtes Korneuburg wieder auf freien Fuß gesetzt. Deshalb, weil dem Richter trotz stichhaltiger Indizien die Suppe zu dünn war.

Ein schwerer Irrtum, wie sich wenige Tage später herausstellen sollte. Denn laut DNA-Abgleich stammte das am Opfer sichergestellte Sperma von dem jungen Mann. Der danach untergetauchte Asylwerber wurde schließlich von der Polizei in Traiskirchen aufgestöbert und festgenommen. Dieses Mal ließ ihn derselbe Haftrichter nicht mehr laufen.

DNA-Auswertung nicht abgewartet

Aber auch wenn der mutmaßliche Täter nun in U-Haft sitzt, wollen es ÖVP und FPÖ nicht darauf beruhen lassen. Beide Parteien haben deswegen parlamentarische Anfragen an Justizministerin Alma Zadic (Grüne) gerichtet. Sie fordern Erklärungen zu dem Verhalten des Richters. Zuvor hatte bereits der ÖVP-Bürgermeister von Poysdorf einen Protestbrief an die Justizministerin geschrieben.

Von der FPÖ war eine derartige Reaktion auch zu erwarten gewesen. Eine ÖVP-Anfrage an eine Ministerin des Koalitionspartners hingegen überrascht. Eingebracht hat die Anfrage der Weinviertler Mandatar Andreas Minnich, wobei nicht alle in der ÖVP-Fraktion darüber glücklich waren.

Die beiden Anfragen unterscheiden sich auch sehr stark. Beide Parteien wollen klarerweise wissen, warum der Haftrichter die DNA-Auswertung nicht abgewartet hatte. Sonst allerdings geht es der FPÖ mehr um die Person des Asylwerbers, während die ÖVP stärker den Richter im Visier hat. Verbunden mit einer in eine Frage verpackte Aufforderung an Alma Zadic: „Welche Schritte werden Sie setzen, um künftig derartige fragwürdige Entscheidungen zu verhindern?“

Der Prozess

Während der Fall nun mittels Parlament das Justizministerium beschäftig, hat die Staatsanwaltschaft Korneuburg mittlerweile Nägel mit Köpfen gemacht. Wie Sprecher Friedrich Köhl gegenüber dem KURIER bestätigt, wurde gegen den 22-jährigen Afghanen bereits eine rechtskräftige Anklage eingebracht.

Und zwar nicht, wie anfänglich vermutet wegen versuchter, sondern wegen vollendeter Vergewaltigung. „Der Angriff hatte eine schwere Körperverletzung zur Folge. Dem Opfer wurde mit dem Messer als Tatwaffe eine Sehne durchtrennt. Das Strafmaß beträgt in diesem schweren Fall fünf bis 15 Jahre“, erklärt Köhl.

Weil der Verdächtige bei der erkennungsdienstlichen Behandlung auf die Ermittler einschlug, wurde er außerdem wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt. Damit nicht genug, muss er sich auch wegen Diebstahls verantworten. Nur wenige Stunden vor seiner Festnahme hatte er sich in der SCS in Vösendorf neu eingekleidet und ohne zu bezahlen die Flucht ergriffen.

Anwalt verweigert

Obwohl der bekannte Strafverteidiger Wolfgang Blaschitz in seiner Karriere viele der schlimmsten Mörder, Vergewaltiger und Straftäter vertreten hat, lehnte er die Verteidigung des 22-Jährigen ab. Nach einer Unterhaltung in der Justizanstalt Korneuburg war für Blaschitz klar, dass er mit „diesem Mandanten auf keinen grünen Zweig kommt“. Zwölf Unterkunftsgebern des Asylwerbers war es davor ebenso ergangen.

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